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Medienreaktionen

RTL-Fernsehen vom 4.9.2008

Kollektives Schweigen

Moderatorin: 31 Schülerinnen und Schüler in Attendorn verbringen die nächsten fünf Tage genau so [kurze Pause] - sie schweigen. Teile des St.-Ursula-Gymnasiums werden zu einer extrem leisen Zone. Was das soll, ob die Lehrer vielleicht einfach genug vom Gesabbel ihrer Schüler haben, verraten Arne Merx und Jana Betten.

[Je zwei bis drei kleinere Filme im Film (als Collage): Einsammeln der Handys, Außenansicht der Schule, Einrichten der Aula, Matratzenlager, schließlich Klara, halbnah.]

Reporter [immer im Off]: Fünf Tage lang kein Handy, kein MP3-Player - für Jugendliche muss das so etwas wie die Hölle sein. Kollektives Schweigen liegt vor der Klasse 10a des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn. Die Zeit verbringen die Schüler ganz ruhig und gemeinsam. Auch für Klara Röhrig gilt dann: gemeinsam kochen, auf Matratzen schlafen und Verständigung nur mit Zeichensprache.

Klara [halbnah]: Ja, ich denke, das wird sehr schwer, weil: Wenn ich aus der Schule zu Hause bin, dann telefonier ich halt auch mit meiner Freundin oder schreibe SMS oder chatte mit der. Wir tauschen uns halt immer aus, und ich bin jetzt gespannt, wie das geht ohne Sprechen.

[Einräumaktionen der Schüler, "Sprachlos"-Schild an der Küchentür, Versuchsleiter schreibt "Sprachlos" an die Tafel.]

Reporter: Das Experiment haben sich die Schüler selbst ausgedacht. Sie wollten wissen, wie es ist, fünf Tage nicht zu sprechen, nicht zu schreiben und keine Medien zu nutzen.

  Der Versuchsleiter
Der Versuchsleiter.
Kugelmeier [halbnah]: Schüler möchten gerne ein bisschen ihre Grenzen austesten, mal an ihre Grenzen stoßen, [sie] vielleicht auch mal überschreiten, und feststellen, was sie leisten können. Denn in unserer Gesellschaft ist es ja schwierig, mal über die Stränge zu schlagen, weil alles irgendwie wo reglementiert ist. Ich kann nicht in den Wald gehen und einen Baum umhacken. Diese Möglichkeit, mich auszuleben, habe ich nicht. Und so versuchen sie es vielleicht dann hier. So erkläre ich es mir.

[Der Versuchsleiter vor den Schülern.]

Reporter: Um kurz nach drei heute Nachmittag ging es dann los. Projekt "Sprachlos" startet.

[Der Versuchsleiter gibt das Zeichen zum Beginn des Experiments. Danach wieder zwei Filme im Film: Mädchen unterhalten sich per Zeichensprache, andere stehen in der Küche.]

Reporter: Ab jetzt geht es nur noch mit den Händen. Der Blick muss stimmen, und auch der Ausdruck im Gesicht. Wer quatscht, fliegt raus. Überwacht werden die Teilnehmer von einigen älteren Schülern, die aber auch mal ein Auge zudrücken.

Adrian [halbnah im linken Film, parallel im Film auf der rechten Seite mehrere Mädchen auf dem Matratzenlager]: Also, ich bin jetzt nicht ganz so streng. Es kann ja immer einem passieren, dass man was vergisst, dass man vergisst, dass man im Experiment ist, dass einem einfach was rausrutscht.

[Weitere Filmcollage aus Matratzenlager-Impressionen.]

Reporter: Vor fünf Jahren gab es so ein Experiment schon einmal. Einer hatte einen Lachanfall, zwei flogen raus. Doch dieses Mal herrscht eiserne Disziplin - bisher.

[Klara liegend auf einer Matratze.]

Reporterin [im Off]: Wie sieht's denn aus jetzt?

[Klara bekommt das Mikrofon hingehalten, schweigt jedoch, gestikuliert, dass sie nicht reden darf.]

Moderatorin: Ja, für unsere Reporter eher ungünstig. Für die Lehrer vielleicht mal eine Wohltat.

RTL West - Guten Abend RTL, ca. 18.10 Uhr.


©  Arne Merx u. Jana Betten (RTL West), Köln und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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