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Medienreaktionen

WDR-Fernsehen vom 5.9.2008

Kommunikation funktioniert auch ohne Worte

Moderator: Eigentlich sollte ich jetzt mal meinen Mund halten, denn es geht um's Schweigen. Vielleicht mal so drei Sekunden... [Pause.] Kommt einem ziemlich lang vor, ist aber nichts gegen das Experiment der Schüler im St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn. Sie leben zusammen in der Aula, wollen tagelang schweigen, trotzdem Unterricht machen - in Zeichensprache. Die erste Nacht ist überstanden - ein hammerhartes Lernprogramm.

  Lesende Schüler
Lesende Schüler: Latein-Vorbereitungen.
[Diverse Einstellungen: sitzende, lesende Schüler im "Wohnzimmer", Blick von der Empore in die Halle, dann Schülerinnen, die sich in Zeichensprache verständigen.]

Reporter [immer im Off]: Kein Handy, keine Musik, kein Lärm. Nur Stille. Kommunikation funktioniert auch ohne Worte. Nur Interviews geben gestaltet sich etwas schwierig.

[Bianca und Helena, halbnah.]

Reporter: Wie ist es? Wie geht es dir so bis jetzt?

[Bianca richtet den Daumen nach oben.]

Reporter: Meinst du, du schaffst das so die fünf Tage, oder sind schon die ersten Schwierigkeiten da?

[Bianca macht ein abwägendes Gesicht und lacht dann. - Schnitt: Der Versuchsleiter gibt das Zeichen zum Start des Experiments, danach diverse Einstellungen: auf seiner Matratze "brütender" Schüler, Schülerinnen, die sich zu ihrem Bettenlager begeben, Schülerinnen vor einem Brettspiel.]

Reporter: Rückblick: Seit gestern 15.15 Uhr wird in der Aula des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn gemeinsam geschwiegen. Dreißig Schüler einer 10. Klasse nehmen teil an dem Experiment, verzichten auf MP3-Player und Computer, dürfen noch nicht mal Zettelchen schreiben - und das fünf Tage lang! Ein spannendes Experiment für die Teenager, aber auch ein lehrreiches.

Kugelmeier [halbnah]: Für die Zehntklässler ist es natürlich erst mal das Ziel, dass sie wissen wollen: Was halte ich aus? Wie weit kann ich mich austesten? Wo sind meine Grenzen? Für die Oberstufenschüler, die das Ganze beobachten, ist natürlich das Ziel zu sehen: Wie verhält sich die Gruppe? Gibt es einen Gruppenchef? Gibt es Außenseiter? Wie raufen die sich zusammen? Weil ihnen das Wichtigste ja sozusagen fehlt, nämlich die Sprache. Ist man ohne Sprache überhaupt gesellschaftsfähig?

[Blick durch die Aula hinauf zur Empore. Dort Beobachterin Isabel. Dann lesende Schüler.]

Reporter: Inzwischen liegen zwölf Stunden Schweigen hinter den Schülern. Damit sie die Regeln einhalten, werden sie von Mitschülern aus der Oberstufe rund um die Uhr beobachtet. Das Fazit nach der ersten Nacht: Schweigen ist gar nicht so einfach, wie man glaubt.

Isabel [auf der Empore, mit Blick in die Halle]: Wenn mal die Probanden aus Versehen geredet haben und dann überhaupt nicht wussten, warum die anderen auf einmal "tsch!" [machten], und die haben das überhaupt nicht mitgekriegt: Das war schon ein bisschen witzig eigentlich, weil: Da muss man sich schon dran gewöhnen, dass man nicht "danke!" sagen soll - oder "bitte!" oder "Gesundheit!". Solche Sachen sind dann schon mal öfter rausgerutscht.

[Musikunterricht in der Aula.]

Reporter: Unterricht findet übrigens auch noch statt - schweigend, versteht sich.

WDR - aktuell, 5.9.2008, ca. 16.05 Uhr.


©  Mike Külpmann (WDR), Siegen und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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