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Medienreaktionen

SAT1-Fernsehen vom 8.9.2008

Schüler, die die Klappe halten

  Die Klasse von oben
Die Klasse von oben.
Moderator: Schüler, die die Klappe halten; eine Klasse, in der nicht alle durcheinanderquaken - davon können viele Lehrer nur träumen. Dieser Traum wollte in Attendorn wahr werden, zumindest für ein paar Tage. [Einblendung: Schweigende Schulklasse. Tafelanschrieb: "Sprachlos". Vor der Tafel im Schneidersitz drei Schüler mit Psst!-Zeichen bzw. mit vorgehaltener Hand. Dann stumm kommunizierende Schülerinnen. Schließlich wieder das Studio.] Die Zehntklässler eines Gymnasiums nehmen seit Donnerstag an einem ungewöhnlichen Experiment teil. Sie wollen testen, wie weit man auch miteinander klar kommen kann, ohne zu sprechen. Ob sie bis heute durchgehalten und ihr Schweigen nicht gebrochen haben, weiß meine Kollegin Linda Bethke.

[Diverse Aufnahmen von der Schulklasse im Unterricht. Vorn der Lehrer.]

Reporterin [immer im Off]: Alles schweigt, nur einer spricht - das nennt man dann wohl Unterricht. Während des Experiments hat Frank Kugelmeier immer das letzte Wort. Kein Wunder: Die Zehntklässler des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn halten seit fünf Tagen brav den Mund. Der fünfzigjährige Lehrer will die Schwierigkeiten des Versuchs nicht totschweigen.

Kugelmeier [nah]: Wenn jemand niest und ich dem dann sage: "Gesundheit!", dann antwortet der mit "Danke!", was er ja nicht darf als Stummer. Das ist die ersten [Tage] schon ein paar Mal passiert. Was wir dann auch hatten, das war, dass nachts jemand im Schlaf gesprochen hat. Da kann der natürlich nichts dafür. Das haben wir dann auch so gelten lassen.

[Annika und Laura sowie Marian und Hans kommunizieren mit Hilfe von Zeichen.]

Reporterin: Die Schüler haben gelernt, sich mit Zeichensprache zu verständigen. 24 Stunden am Tag kein einziges Sterbenswörtchen zu sagen ist auch Annika am Anfang verdammt schwer gefallen.

[Annika "spricht" (in leicht erhöhter Filmgeschwindigkeit) in die Kamera. Sie formt die Botschaft: "Man wollte immer automatisch reden." - Danach Nadine, Dajana und Charlene beim Studium der Vokabelliste.]

Reporterin: Mittlerweile ist das Dauerexperiment erweitert worden. Die dreißig Schüler können ab sofort eine vom Lehrer erfundene Fantasiesprache benutzen. Nur mit der dürfen sie das Schweigen brechen.

Dominik [halbnah]: Korsch ganggang testes fulful.

Kugelmeier [übersetzt als "Bild im Bild"]: Ich habe kochen müssen.

Jan [halbnah]: Meermeer Kerinox ki faaas galalaga.

Kugelmeier [wie vor]: Die Hausaufgaben sind nicht fertig.

Laura [halbnah]: Meermeer ik kelkel Sidakanáa.

  Dominik mit Übersetzer
Dominik mit Übersetzer.
Kugelmeier [wie vor]: Ihr macht das Klo sauber.

[Jungen beim Fußballspiel in der Halle.]

Reporterin: Vierzig Vokabeln sind erlaubt, doch schnell stellt sich heraus, dass die Schüler selbst die im Zweifel gar nicht benötigen.

Kugelmeier [nah]: Die Jungen brauchen im Prinzip nur zwei Wörter in ihrer Kunstsprache. Das eine wäre "Bu!" für "Mist!" oder ein anderes Schimpfwort. Das andere ist "troll!" für "verschwinde!" Ansonsten brauchen die Jungen im Prinzip nur einen Fußball, um hier klar zu kommen.

[Schüler beim Abwasch in der Küche. Danach "verschwindet" Dominik hinter einer Toilettentür.]

Reporterin: Bis morgen sollen die stummen Schüler noch Ruhe bewahren. Und dann gibt es am St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn auch wieder nur ein "stilles Örtchen".

SAT 1 NRW - 17:30 live, 8.9.2008.


©  Linda Bethke (Westcom Storyline, SAT 1), Dortmund und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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