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Medienreaktionen

WDR-Fernsehen vom 9.9.2008

Schweige-Versuch beendet

Die WDR-Sendung "Lokalzeit" zeigte um 18.06 Uhr einen kurzen Trailer zum Abschluss des Experiments. Zu sehen waren einerseits die gestikulierenden "Sprachlosen", andererseits Beobachterin Julia mit Kamera. Der Off-Kommentar vermeldete das Versuchsende, wies auf die Beobachter hin und schloss mit den Worten: "Sie [die Schüler] wollten herausfinden, ob man auch ohne Lautsprache in einer Gruppe zurechtkommt. Wie die Beteiligten meinen, ist ihnen das ohne größere Probleme gelungen."

WDR - Lokalzeit Südwestfalen, 9.9.2008, ca. 18.06 Uhr.


WDR-Fernsehen vom 9.9.2008

Das Ende des Schweigens

Moderatorin: Nicht reden - einfach mal schweigen. Quasselfrei sozusagen. Die Attendorner Zehntklässler, die haben es geschafft. Fast alle hielten das Schweigeexperiment fünf Tage durch. Unglaublich, oder? Wir haben die dreißig Jungs und Mädels des St.-Ursula-Gymnasiums aus Attendorn bei ihrem Projekt begleitet, immer wieder berichtet und wollten natürlich auch heute Morgen beim Schweige-Ende dabei sein. Und da durften die Oberstufenschüler, die das Experiment beobachtet haben, runterzählen.

[Vier Schülerinnen zählen.]

Beobachter: ... fünf, vier, drei, zwei, eins, null! [Schwenk auf die "Sprachlosen", allgemeiner Jubel und Trubel.]

Reporter [immer im Off]: Das Ende des Schweigens. Fünf Tage ohne Worte, sogar ohne Handys sind vorbei, und jetzt muss alles raus. Noch nicht mal Zettelchen durften die Zehntklässler schreiben. Klar, dass das kompliziert war.

Bianca [halbnah, mit Mitschülerinnen]: Ich glaub, das Schwierigste war diese Organisation und alles. Also: Wer geht wann duschen? Wer kocht wann? Gestern hatten wir das Problem: Wir hatten acht Stunden, und dann hatten wir zwischen der sechsten und der [siebten] Stunde Pause. Und da wollten alle kochen. Wir hatten das Problem: Wir hatten keine Platte. Diese Organisation, das war ein bisschen schwierig.

[Nah: Blick auf Davids Armbanduhr, dann Schwenk von David auf die Wohnzimmer-Sitzgruppe, später Beobachterin Julia mit Kamera, Schülerinnen vor Vokabelliste, nah: Kamerafahrt über die Liste.]

Reporter: Eine halbe Stunde vorher warten noch alle auf das Ende des Experiments. Die Klasse ist freiwillig vergangenen Donnerstag in die Schulaula gezogen, um herauszufinden, wie es sich so schweigt in der Gruppe. Beobachtet und kontrolliert wird sie dabei von Schülern aus der Jahrgangsstufe 13. Seit gestern durften die Schweiger eine Kunstsprache benutzen, die sie selbst kreiert haben. Doch diese Hilfe wurde kaum genutzt.

[Lydia und Nadine, dahinter entfernt einige ehemals Sprachlose.]

  Lydia und Nadine
Lydia und Nadine.
Lydia [herangezoomt]: Auffällig war, dass die Vokabeln nicht allzu viel benutzt wurden - also eher die Fingersprache und auch die Schriftsprache. Es wurde sich eigentlich ganz gut verständigt. Die haben sich ganz gut reingefunden jetzt in der letzten Nacht, die letzten Tage auch, dass sie sich eigentlich ganz gut verständigen konnten und [das] auch gut hinbekommen haben.

[Jana verständigt sich mit Mitschülerinnen mit Hilfe der Zeichensprache, Bianca macht ein Zeichen für "müde".]

Reporter: Das Gestikulieren mit dem Zeichenalphabet wird zur Standardkommunikation, und im Laufe der Zeit kommen sogar neue Zeichen hinzu. Der Lehrer will dabei sogar einen geschlechtsspezifischen Unterschied bemerkt haben.

Kugelmeier [im Hintergrund Lydia und Nadine]: Die Mädchen haben also sehr stark Zeichensprache und Fingeralphabet benutzt und haben vor allen Dingen sehr viel miteinander kommuniziert. Den Jungen reichten - sage ich jetzt mal etwas despektierlich - ein paar Grunzlaute und ein bisschen Brummen. Die taten sich sehr schwer mit dem Fingeralphabet, haben dann also lieber etwas an die Wand geschrieben, virtuell, so mit dem Finger, wenn sie wirklich ein Wort nicht aussprechen konnten.

[Zwei Oberstufenschülerinnen teilen Handys aus.]

Reporter: Zu guter Letzt werden die geliebten Handys wieder verteilt. Und dabei wird klar: Zumindest die Lust auf elektronische Kommunikation scheint bei beiden Geschlechtern gleich ausgeprägt.


[Schnitt: Studio. Julia und Lukas mit Moderatorin Michaela Padberg.]

Moderatorin: Da bleiben natürlich viele Fragen. Wir haben im Studio den Lukas, der schweigen musste oder durfte, und Julia, die beobachten durfte. - Lukas, heute Morgen, als es dann endlich so weit war: Wie war's, dass ihr wieder reden durftet?

Lukas: Es war doch erleichternd eigentlich, ja. Also, wir hatten ja jetzt fünf Tage lang, ohne irgendwas zu sprechen, auskommen müssen. Und [da] war es einfach mal erleichternd, miteinander zu reden und einen Witz zu erzählen, einfach mal so.

Moderatorin: Also, ich hatte jetzt gerade das Gefühl, als dieser Countdown runterlief, dass ihr dann alle losgeplappert habt wie sonst was.

Lukas: Ja, es war schon wirklich [gut]. Man kam einfach frei von allen Lasten. Man konnte vom Herzen erzählen, was man erlebt hatte in den Tagen, wie es war. Das war echt schön.

Moderatorin: Was habt ihr denn erlebt? So fünf Tage Schweigen, das ist ja nicht nur, dass man nicht mehr redet, sondern man muss ja auch irgendwie diese Zeit miteinander verbringen.

Lukas: Ja, wir haben jetzt viel Fußball gespielt oder auch Kartenspiele gespielt. Dann haben wir auch viele Bücher gelesen - was man halt alleine machen kann und auch in der Gruppe - und was viel Zeit braucht.

Moderatorin: Julia, ihr von der Oberstufe habt das beobachtet, das heißt, ihr durftet reden. Ihr musstet aber auch aufpassen, ob die sich so dran halten, oder?

Julia: Genau.

Moderatorin: Haben die sich immer dran gehalten?

Julia: Also, größtenteils auf jeden Fall. Natürlich hat man dann am Anfang vor allen Dingen gemerkt, dass die Probanden auf dem Weg zur Küche oder ins Badezimmer dann doch mal angefangen haben zu tuscheln oder so. Das ist natürlich klar. Aber zum größten Teil haben sie sich wirklich echt gut dran gehalten.

Moderatorin: Jetzt haben wir eben gehört, die Jungs haben sich so mit Grunzlauten unterhalten. Was war denn erlaubt? Also so ganz still war's ja dann wohl nicht...

Julia: Nein, ganz still war's nicht. Es war erlaubt das Fingeralphabet, man konnte sich per Gestik und Mimik verständigen, man konnte sich mit ahmm oder mmhmmh verständigen. Man [konnte] seine Stimme also immer irgendwie trotzdem noch nutzen; nur die deutsche Sprache sollte man nicht [verwenden]. Und dann hatten wir noch [die Situation], dass [einige] - vor allem die Jungen - die ganzen Buchstaben in der Luft gezeichnet haben. Das war vor allen Dingen da zu erkennen. Aber sonst vor allen Dingen diese Zeichensprache.

Moderatorin: Habt ihr so ein bisschen was beobachten können, was so das Verhalten der Schüler angeht?

Julia: Ja, also vor allem Mädchen haben meistens diese Zeichensprache benutzt, die Jungs [haben] eher die ganze Zeit anders gestikuliert, mit diesen Grunzlauten, sagen wir mal.

  Julia und Lukas
Julia und Lukas.
Moderatorin: Kannst du das so nachvollziehen? War es für euch vielleicht einfacher, einfach mal so damit klar zu kommen?

Lukas: Ja, eigentlich schon. Es war eigentlich nicht das große Problem, mit dem Sprechen aufzuhören, weil: Man wollte jetzt vielleicht miteinander sprechen, aber man wusste: Ach nee, ich darf ja gar nicht; nee, jetzt muss ich was anderes machen, [mich] irgendwie anders ausdrücken. Und dann hat man mit Händen und Füßen, also Gestik und Mimik alles gemacht.

Moderatorin: Es sind ja vier ausgestiegen, und ich weiß: Das Schwierigste war so ein bisschen, mit der Langeweile klar zu kommen, oder?

Lukas: Ja, auf jeden Fall. Die Freizeit, die man da hatte, die [war] ungewohnt. Und vor allen Dingen ohne elektrische Geräte auszukommen, das ist schon schwierig.

Moderatorin: Würdest du es noch mal machen?

Lukas: Auf jeden Fall.

Moderatorin: Okay. Ich hab heute... - Ihr seid ja Medienprofis; Mitschülerinnen waren schon bei "Daheim und unterwegs"; [davon hat eine] gesagt: Nee, auf keinen Fall. Julia, was würdest du sagen: Würdest du lieber schweigen oder lieber beobachten?

Julia: Ich möchte lieber beobachten, und ich muss auch ganz ehrlich sagen: Ich glaube, ich hätte es an der Stelle von den Probanden wahrscheinlich nicht geschafft. Aber, na ja, es ist auf jeden Fall immer wieder eine Herausforderung, so etwas zu machen.

Moderatorin: Und für uns natürlich immer toll, so etwas beobachten zu dürfen. Wir warten schon gespannt auf das nächste Projekt eurer Schule. Für heute Abend erst mal vielen Dank, und dann, Lukas, du darfst jetzt wieder reden, bis du quasselig bist! Danke euch.

WDR - Lokalzeit Südwestfalen, 9.9.2008, ca. 19.35 Uhr.


©  Mike Külpmann und Michaela Padberg (WDR), Siegen und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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