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Medienreaktionen

Pro7-Fernsehen online vom 4.10.2008

TV total - Vorschau

Frank Kugelmeier

Lehrer Kugelmeier (50) und drei seiner Schüler stellen das Schul-Projekt "Sprachlos" vor. Eine ganze Klasse in Attendorn hat sich fünf Tage in der Aula "eingeschlossen". Sie durften in der Zeit nicht sprechen. Außerdem waren Handys, Fernseher, MP3-Player und sonstige elektronische Geräte verboten. Die Schüler berichten, welche Erfahrungen sie bei dem Projekt gemacht und wie sie trotzdem miteinander kommuniziert haben.

Pro 7/TV total online vom 4.10.2008.
URL: http://tvtotal.prosieben.de/show/vorschau/


Pro7-Fernsehen vom 7.10.2008

Das Projekt "Sprachlos"

[Moderator Stefan Raab zunächst im Interview mit den "Jonas Brothers". Zahlreiche kreischende weibliche Fans im Publikum. Dann nach einem Trailer das Attendorner Thema.]

Raab: So, jetzt kommen wir zu einem ernsthaften Projekt, meine Damen und Herren - ein sehr interessantes Projekt, und zwar: Der Herr Lehrer Kugelmeier hat mit seinen Schülern ein Projekt gestartet, das heißt "Sprachlos". Mehrere Schüler haben dort zusammen über eine Woche - oder zwei Wochen? fünf Wochen?! fünf Tage! - [lacht] hm, hätte ich mir auch gleich erzählen lassen können, [mit Blick auf seine Mitarbeiter] da brauch ich euch nicht dafür - wo waren wir stehen geblieben?: Ach, fünf Tage, ja, fünf Tage lang haben die nicht gesprochen. Und was sich da so entwickelt hat, das erzählen sie uns jetzt, meine Damen und Herren. Begrüßen Sie bitte Frank Kugelmeier, Annika, Alina und Lukas!

[Schüler und Lehrer kommen über die Showtreppe und nehmen auf dem Sofa bzw. dem Sessel Platz. Die Moderatorenkonsole fährt ein Stück weiter.]

Raab: Herr Kugelmeier, das ist ja mal so ein richtiger Lehrername, finde ich. Lehrer Kugelmeier.

Kugelmeier: Tja.

Raab: Was unterrichten Sie?

Kugelmeier: Sozialwissenschaften und Deutsch.

Raab: Sozialwissenschaften und Deutsch. Sie haben dieses Projekt ins Leben gerufen. "Sprachlos" heißt das, worum ging es?

Kugelmeier: Ja, es ist nicht unser erstes Projekt. Wir haben eine ganze Reihe solcher Projekte gemacht. Es ist eigentlich ein zweigeteiltes Projekt. Für die Oberstufe ist es so die Erkenntnis in den Sozialwissenschaften: Wie verhalten sich Leute? Wie entwickeln sich Gruppen? Für die Schüler selber, die jetzt mitgemacht haben, die Zehntklässler, ist es eher so die Erkenntnis: Wie geht es mir so? Was halte ich aus? Was ist, wenn ich mich mal anders verhalte als sonst?

Raab: Die durften diese ganzen fünf Tage nicht sprechen, eine ganze Woche im Prinzip, eine ganze Schulwoche lang - und durften aber anders kommunizieren? Mit Zeichen?

  Auf der Couch
Auf der Couch.
Kugelmeier: Ja, es gab verschiedene Regeln. Also, die Hauptregel war: fünf Tage nicht sprechen. An zwei Tagen war Unterricht - mit Lehrern, die durften sprechen, aber die Schüler halt nicht. In der Zeit durfte auch geschrieben werden, aber an den anderen drei Tagen nicht, also über's Wochenende zum Beispiel [nicht]. Es gab dann ab dem dritten Tag, also ungefähr zur Halbzeit, die Regel, dass man eine neue Fantasiesprache sprechen durfte. Das waren vierzig Wörter. Die hatten sich die Schüler vorher auf Deutsch ausgedacht; ich hab sie dann übersetzt. Die Frage ist allerdings, ob man das dann wirklich nutzt - das wollten wir eben rauskriegen - oder ob die sich anderweitig verständigten inzwischen.

Raab: Okay. Also, Sie haben dann irgendwelche Fantasiewörter gesprochen wie "gammhhmmje"?

Kugelmeier: Ja, die Fantasiewörter waren festgelegt. Die [Schüler] hatten eine Vokabelliste.

Raab: Wer hat die erfunden, die Fantasiewörter? Haben sie die selbst...

Kugelmeier: Nee, die Fantasiewörter habe ich gemacht. Die durften sie ja vorher nicht wissen. Aber die Originalwörter im Deutschen, die hatten sie sich vorher überlegt: Was würden sie in den fünf Tagen wohl am meisten brauchen? Welche vierzig Wörter sind die wichtigsten?

Raab: Wir schauen uns vielleicht mal was an, wie das ungefähr ausgesehen hat, und können ein bisschen was dazu erzählen. [Im Hintergrund, dann als Vollbild ein paar kurze Filmsequenzen aus dem Projekt. Zunächst lesende Schüler in der Wohnzimmerecke.] So, da sieht man die Klasse. So lungern die heute rum in der Schule? Das war bei uns anders, Herr Kugelmeier!

Kugelmeier: Das ist normalerweise bei uns auch anders. Das war jetzt in der Aula, die haben wir extra dafür hergerichtet.

Raab: Okay.

[Schüler beim Halli-Galli-Spiel. Dann Vanessa und Alina beim "Gespräch" per Zeichensprache.]

Kugelmeier: Da war also auch ein eigener Unterrichtsraum drin, eine Unterrichtsecke, eine Schlafecke. Da wird jetzt gerade Halli Galli gespielt. Da wird kommuniziert, auch wenn die Alina gerade etwas nicht versteht; aber sie kriegt es noch einmal "gesagt". Das ist also jetzt sozusagen die Schlafecke, wo man sich dann auch hinkuscheln konnte, unterhalten konnte beispielsweise.

Raab: Fünf Tage - die haben da dann also auch in der Schule geschlafen?

Kugelmeier: Wir waren rund um die Uhr in der Schule, haben da geschlafen, haben da gekocht, gegessen, Freizeit gemacht.

[Schüler draußen beim Ballspielen. Der Ball fliegt in die Sträucher. Bianca klettert hinterher.]

Raab: Da hör ich aber schon auch Lachen. Lachen durften sie schon?

Kugelmeier: Lachen durfte man. Man hatte auch Hofgang. Zumindest am Wochenende durfte man also immer mal so eine Stunde raus.

Raab: Ach, die durften gar nicht aus dem Raum raus?

Kugelmeier: Die durften normalerweise aus der Aula nicht raus, nur am Wochenende, wenn keine anderen Schüler da waren. Jetzt piekst sich gleich eine in den Finger. Dann darf sie natürlich auch Aua! sagen - aber ansonsten halt nicht sprechen.

[Ende der Einspielung. Die nun eigentlich folgende Passage des Studiogesprächs, in der sich die drei Attendorner Schüler mit Stefan Raab nur per Zeichensprache verständigen, wurde für die Sendung herausgeschnitten. Diese setzt erst mit folgender Frage wieder ein.]

  Stefan Raab, brummend und grunzend
Stefan Raab, brummend und grunzend.
Raab: Okay. Was ist jetzt das Ergebnis aus diesem Projekt? Oder sollte es gar kein Ergebnis geben?

Kugelmeier: Ja, es sollte schon Ergebnisse geben. Vielleicht können das die Schüler sagen. Insofern könnt ihr jetzt zur Erde zurückstürzen [dies war das vereinbarte Signal zwischen Lehrer und Schülern, dass sie ab jetzt sprechen dürften] und was sagen.

Raab: Ach ja, sagt doch mal was!

Lukas: Ich denke mal, die Hauptsache war halt, dass man sich auch verständigen konnte, ohne zu sprechen, dass man halt eine Zeichensprache hatte - oder auch Grunzlaute, wie wir es genannt haben, oder Lachen.

Raab: Grunzlaute?

Lukas [demonstriert]: Ja, so: Hmmhmm, oder mmhmmh, mmmmh.

Raab [macht nach]: So: Mmmhmmh mmmhmmh...

Lukas: Dass das halt auch irgendwie geht.

Raab [immer noch in seiner Vorführung]: Mmmhmmh - "geh mal rüber", zum Beispiel. - Hat es euch denn gefallen, oder lebt ihr lieber mit Sprache?

Annika: Es war sehr interessant, mal auszutesten, wie sowas ist. Nur die Langeweile war halt das größte Problem. Also, ich fand jetzt die Sprache an sich, also jetzt nicht zu reden, das fand ich eigentlich gar nicht so schwer.

Raab: Okay. Aber nichts zu hören, nichts von anderen zu hören - das ist das Langweilige, oder?

Annika: Ja, man konnte ja außer essen, schlafen, Halli Galli spielen oder sonstige Spiele spielen nichts machen. Man konnte nicht raus. Und die Gesprächsthemen waren ja jetzt auch nicht so berauschend.

Raab [mit Verweis auf die vorherigen Interviewpartner]: Durftet ihr denn die "Jonas Brothers" hören oder sowas?

Annika: Nein.

Alina: Wir durften nur zweimal zwei Stunden Musik hören. Das war Samstag und Sonntag.

Raab: Okay, was habt ihr da gehört?

Alina: Wir haben dann unsere MP3-Player wieder ausgeteilt bekommen. Die wurden vorher eingesammelt.

Raab: Ah, okay, dann habt ihr mit Kopfhörer gehört.

Alina: Ja.

Raab [zu Lukas gewandt]: Stehst du auch auf "Jonas Brothers"?

Lukas: Nicht so ganz.

Raab [lacht]: Ich wollt nur mal hören... - Auf was stehst du so?

Lukas: Metallica. Oder Iron Maiden.

Raab: Ah, okay. Da sind die Jungs in dem Alter doch schon viel weiter als die Mädchen - musikalisch. Oder? [Stürmischer Beifall. Ein paar Pfiffe. Zum Lehrer gewandt:] Werden Sie das noch mal machen, oder gibt es nächstes Mal ein anderes Projekt? Die Erfahrungen daraus sind jetzt gesammelt, und beim nächsten Mal gibt es - ich weiß nicht was: - eine Woche nicht essen?

Kugelmeier: Nö. Ich würd mal sagen: Zwei Wochen nicht schlafen wär besonders schön.

Raab: ... Zwei Wochen nicht schlafen? Das geht, glaube ich, nicht.

Kugelmeier: ... Aber das machen wir wahrscheinlich nicht. Es gibt sicherlich ein neues Projekt...

  Plauderstunde
Plauderstunde.
Raab: ... Das hat Elton schon mal gemacht gegen Simon: Wer länger aufbleiben kann.

Kugelmeier: Und?

Raab: Das klappt aber keine zwei Wochen. Ich glaube, nach drei Tagen etwa war Schluss.

Kugelmeier: Dann ist normalerweise Schluss, ja. - Nein, wir machen sicherlich auch neue Projekte. Wir hatten eine ganze Reihe andere Projekte in der Vergangenheit auch schon...

Raab: ... Oder nicht hinsetzen (wenn ich Sie kurz unterbrechen darf). Einfach stehen bleiben.

Kugelmeier: Also, vor einem halben Jahr zum Beispiel haben wir mal Schüler in Köln in die Fußgängerzone gestellt - in einen Käfig, an den Pranger - und wollten einfach testen, wie da dann die Leute drauf reagieren. Das war sehr interessant.

Raab: Wie bei uns in der Firma hier?

Kugelmeier: Nee, aber ein Stückchen weiter. Aber es war sehr interessant zu sehen, wie die dann reagieren. Und solche Experimente machen wir halt öfter mal mit verschiedenen Gruppen. Das war jetzt eben eine Schulklasse. Aber was wir genau machen, verraten wir noch nicht, sonst kupfert's womöglich jemand ab.

Raab: Ja, alles klar. Dann wünsche ich weiterhin viel Erfolg und natürlich auch viele erfolgreiche Erkenntnisse aus den Projekten. - [Zu den Fans im Publikum:] Ja, machen Sie [das] vielleicht auch mal zu Hause nach, liebe "Jonas Brothers"-Fans: einfach mal [schweigen]. [Kreischen im Publikum.] Ja, schon verloren! So schnell kann's gehen! Ja, dann vielen Dank Herrn Kugelmeier und den drei Schülern Annika, Alina und Lukas, meine Damen und Herren!

[Beifall. Musik.]

Pro7 - TV total, 7.10.2008, ca. 23.45 Uhr.


©  Stefan Raab (Brainpool/Pro7), Köln und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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