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Interview

Dieter Althaus, MdL   Dieter Althaus,
Jahrgang 1958,
Mitglied des Thüringer Landtags (CDU),
Thüringer Ministerpräsident

Persönlichkeitsmerkmale

Herr Ministerpräsident, welche Eigenschaften sollte jemand haben, der in der Politik erfolgreich sein will?

Er muss durchsetzungsfähig sein. Er muss auch machtinteressiert sein. Er muss aber vor allen Dingen die Menschen lieben. Und er muss Freude an Kommunikation haben.

Darf ich Ihnen einige Eigenschaften nennen - und Sie sagen mir dann, ob man sie braucht?

Ja...

Zielgerichtetheit?

Sehr gut, ja.

 

Idealismus?

Sollte auch unbedingt dabei sein.

Altruismus?

Ein klein wenig - zur Motivation.

Populismus?

Es wäre gut, wenn der möglichst nicht vorhanden wäre.

Kompromissbereitschaft?

Auf jeden Fall. So lebt die Politik.

Taktisches Geschick?

Auch. Um zum Erfolg zu kommen.

Wille zur Macht?

Der ist wichtig, um am Ende auch Erfolg zu haben.

Charisma?

Das ist gut, ja.

Skrupellosigkeit?

Es wäre besser, wenn die nicht vorhanden wäre.

Gutes Aussehen?

Es hilft sicher. Zwingend ist es nicht.

Medienwirksamkeit?

Auf jeden Fall, da die Medien ja die wichtigsten Transporteure sind.

Unverwechselbarkeit?

Auch die, damit die Menschen auch unterscheiden können.

Fehler

Im Interview Welchen Fehler sollte ein Politiker auf keinen Fall machen?

Politiker sollten auf keinen Fall Dinge versprechen, die sie nicht halten können. Und sie sollten auf jeden Fall dafür Sorge tragen, dass ihr eigenes Wort am Ende auch umgesetzt wird.

Welche Fehler haben Sie bereits gemacht?

Es gibt sicher sehr viele Fehler. Ich hab sicher auch schon Dinge versprochen, die ich nicht gehalten habe. Ich hab sicher auch schon Menschen ungleich behandelt. Aber ich bemühe mich natürlich, so zu handeln, dass es fair und gerecht zugeht.

Freuen Sie sich darüber, wenn Ihre Gegner Fehler machen?

Ja, es gibt eine gewisse Schadenfreude. Aber ganz am Ende schadet es der Politik insgesamt.

Parteipolitik

Ist (bzw. war) "Politiker" Ihr Traumberuf?

Nein, auf keinen Fall. Ich hab etwas ganz anderes gelernt und hab auch in einem ganz anderen Beruf gearbeitet.

Wie sind Sie dann zur CDU gekommen?

Ministerpräsident Althaus mit Hartmut Schauerte MdB Das war in der DDR-Zeit mehr eine Flucht vor der längeren, immer wieder neu aufgemachten Werbung für die SED. Und dann - im Jahr der Wende - war es eine bewusste Entscheidung.

Sie sind heute hier, um über das neue Grundsatzprogramm der CDU zu referieren. Wozu braucht eine Partei überhaupt ein Grundsatzprogramm, noch dazu ein neues? Wer liest das?

Also, gelesen wird es möglicherweise nicht so viel. Aber eine Partei muss ja Alltagsentscheidungen fällen, und da ist es wichtig, dass die Grundprinzipien, an denen solche Alltagsentscheidungen ausgerichtet werden, auch verdeutlicht werden. Außerdem braucht die Partei auch ihr eigenes Selbstverständnis. Noch dazu eine christliche Partei muss ja begründen, warum sie aus dieser christlichen Überzeugung heraus in einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft trotzdem Mehrheitspolitik gestalten kann.

Die großen Parteien haben Nachwuchssorgen. Auch hier im Kreis Olpe hat gerade der CDU-Vorsitzende Theo Kruse einen auffälligen Mitgliederschwund beklagt. Worauf führen Sie den Rückzug der Bürger aus den Parteien zurück?

Zum einen hat sich die Gesellschaft stark verändert. Es gibt einen deutlich höheren Wohlstandsstandard. Es gibt deutlich mehr Freiheitsentwicklungsmöglichkeiten. Das verlangt nicht unbedingt nach persönlichem Engagement in der Politik. Aber ich denke, die Politik selber muss sich auch noch ändern, muss attraktiver sein für junge Leute - und wenn junge Leute mitmachen, muss sie ihnen auch die Chance geben, wirklich in Verantwortung zu gehen, damit nach außen dokumentiert wird: Junge Leute sind nicht nur dafür da, im Wahlkampf aktiv zu sein, sondern sie können auch Verantwortung tragen.

Föderalismus

Was unterscheidet einen ostdeutschen Ministerpräsidenten von einem westdeutschen? Gibt es da überhaupt Unterschiede?

Im Grundsatz nicht. Sicher ist die Lebenserfahrung unterschiedlich, so wie bei mir: Bis 1989/90 in Unfreiheit gelebt habend und mit einer anderen Ausbildung bin ich sehr viel pragmatischer im politischen Alltag; aber ich glaube, nach den 16 Jahren haben wir im Grundprinzip ähnliche Überlegungen.

Stichwort Föderalismusreform: Nordrhein-Westfalen hat etwa so viele Einwohner wie die fünf neuen Bundesländer zusammen - im Bundesrat aber deutlich weniger Stimmen. Und allein in Köln leben fast so viele Bürger wie im gesamten Saarland. - Ist nicht schon aus diesem Grund eine Reform des föderalen Systems überfällig?

Eine Reform ist weiter nötig, aber ich denke, dass man nicht den Kurzschluss "Größe ist gleich Stärke" ziehen darf. Man muss einen vernünftigen Abgleich finden und die Potentiale eines Landes nutzen. Das kann bei Großen sehr viel bewirken, kann aber auch bei Kleinen sehr viel bewirken. Entscheidend ist die kluge Politik.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von einer Fusion mehrerer Bundesländer?

Wenn das die Länder wollen - ja. Aber im Grundsatz, denke ich, sollten die Länder sich erst einmal anstrengen, die eigenen Gestaltungsaufgaben umfassend wahrzunehmen. Denn wenn mehrere kleine, die möglicherweise krank sind, sich zusammentun, entsteht ja nicht automatisch etwas Starkes daraus.

Visionen

Brauchen Politiker Visionen?

Das ist wichtig, denn ich muss ja eine Perspektive aufzeigen können, und dafür ist es auch wichtig, eine Vision zu haben.

Frisst der politische Alltag diese Visionen auf?

Das ist eine Gefahr, aber ein guter Politiker sollte sich davor schützen.

Was wäre für Sie ein Grund zu sagen: Ich höre auf!?

Wenn es an die gesundheitliche Substanz geht oder wenn in der Familie ernsthafte Probleme entstehen würden.

Angenommen, es gäbe die berühmte Fee und Sie hätten einen (aber nur einen!) politischen Wunsch frei. Welches Ziel würden Sie sofort verwirklichen?

Deutliches Wirtschaftswachstum in Thüringen, so dass möglichst alle, die arbeiten wollen, auch Arbeit bekommen.

Das Interview wurde am 17.11.2006 am Rande des CDU-Kreisparteitags in Olpe-Rhode geführt. Die Fragen stellten Anna Carla Kugelmeier, Carsten Horn und Julian Hageböck.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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