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Interview

Dietmar Brockes, MdL   Dietmar Brockes,
Jahrgang 1970,
Mitglied des NRW-Landtags (FDP),
wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion

Persönlichkeitsmerkmale

Herr Brockes, ist Politiker Ihr Traumberuf?

Nein.

Wie sind Sie dann in die Politik und zur FDP gekommen?

Ich habe mich schon früh in der kirchlichen Jugend engagiert, war bei uns vor Ort als Messdiener aktiv. Wir haben zum Beispiel Rockkonzerte und einiges andere organisiert. Irgendwann reichte mir das dann aber nicht mehr; ich wollte mich noch mehr engagieren, auch über den eigenen Ort hinaus. Deshalb bin ich dann in die Politik, zur FDP gegangen. Denn ich liebe gerade die Freiheit. Ich glaube, es ist wichtig, dass man sich dafür einsetzt, dass nicht alles der Staat regelt, sondern dass die Menschen die Chance haben, möglichst viel selbst zu regeln - dass sie eben nicht alles von oben vorgegeben kriegen.

Welche Eigenschaften sollte jemand haben, um in der Politik erfolgreich zu sein?

Ganz wichtig ist, dass man sich nicht verstellt, sondern dass man sich so gibt, wie man ist, und die Erfahrungen und das Umfeld, das man hat, in die Arbeit einbringt. Sehr wichtig ist für einen Politiker außerdem, dass er gut zuhören kann.

 



Darf ich Ihnen einige Eigenschaften nennen, und Sie sagen mir dann, ob man diese braucht?

Ja.

Zielgerichtetheit?

Ja.

Idealismus?

Auch, ja.

Populismus?

Muss nicht sein.

Kompromissbereitschaft?

Ja.

Taktisches Geschick?

Ja.

Wille zur Macht?

Den braucht man auch.

Charisma?

Ist sehr hilfreich.

Skrupellosigkeit?

Ist nicht mein Ding.

Gutes Aussehen?

Hilft.

Medienwirksamkeit?

Ist auch gut.

Unverwechselbarkeit?

Ja.

Fehler

Dietmar Brockes MdL mit Interviewerin Welchen Fehler sollte ein Politiker oder eine Politikerin auf keinen Fall machen?

Gute Frage. Er oder sie sollte sich nicht bestechen lassen.

Welche Fehler haben Sie bereits gemacht?

Vielleicht bin ich an der einen oder anderen Stelle zu nachgiebig gewesen.

Freut es Sie, wenn Ihre politischen Gegner Fehler machen?

Klar ist es so, dass man in der Auseinandersetzung dann schon etwas Freude hat. Wichtig ist aber, dass man in der Sache weiterkommt. Schadenfreude ist natürlich auch da, wie bei jedem Menschen, aber eigentlich wichtig ist die Sache.

Freude empfinden Sie also nicht, wenn es Fehler sind, die der Allgemeinheit schaden?

Nein, dann habe ich mit Sicherheit keine Schadenfreude, sondern wenn man sieht, dass Sachen in die völlig falsche Richtung laufen, wie zum Beispiel bei der Gesundheitsreform in Berlin, dann ist man eher betrübt, verärgert.

Medien

Politik spielt sich heutzutage vielfach über die Medien ab - vor allem über das Fernsehen, zum Beispiel in Politik-Talkshows. Ist das eher ein Segen oder ein Fluch?

Im Interview - Foto: B.Schälte/Landtag NRW Ich glaube, es ist eher positiv zu bewerten. Als einen Segen würde ich es nicht bezeichnen, aber wenn es dazu beiträgt, dass die Menschen sich politisch bilden, sich eine eigene Meinung bilden, dann ist es hilfreich.
   Weniger hilfreich ist es, wenn dort sozusagen die Fetzen fliegen und die Argumente ins Hintertreffen geraten, es sich also eher um eine Showveranstaltung handelt. Denn das fördert eher die Politikverdrossenheit.

Betrachten Sie die Massenmedien als "vierte Macht" im Staat?

Die Medien können sehr wohl Themen beeinflussen und Meinungen herstellen. Deshalb darf man sie nicht unterschätzen.

Horst Seehofer, der jetzige Landwirtschaftsminister, hat in einem Fernsehinterview vor einiger Zeit zugegeben, dass er jeden Morgen, an dem er sich nicht in der Zeitung fand, deprimiert gewesen sei. Deshalb unsere Frage: Macht Politik süchtig - vor allem mediensüchtig?

Süchtig nicht, aber man schaut natürlich auf die Medien, und es wäre falsch zu behaupten, dass einem das egal ist. Das glaube ich von keinem Politiker. Ich jedenfalls freue mich, wenn über mich ein Artikel in der Zeitung steht.

Können Sie sich ein Leben ohne Politik vorstellen?

Ja!

Kirche und Politik

Kirche und Politik - wie passt das zusammen?

Ich finde, es passt gut zusammen. Wie schon gesagt: Ich komme aus der kirchlichen Jugendarbeit, ich bin gläubiger Katholik, und deshalb ist mir mein Glaube im politischen Geschäft wichtig.

Inwieweit dürfen sich denn Kirchenvertreter in die Politik einmischen? Nehmen wir mal die aktuellen Fälle Kinderkrippenpolitik oder Stammzellenforschung.

Es ist sicherlich richtig, dass auch die Kirche ihre Meinung äußert. Sie sollte allerdings parteipolitisch neutral bleiben und rein in der Sache tätig sein.
   Aber selbstverständlich gilt: Die Kirche muss ihre Position in die politische Arbeit mit einbringen, das ist wichtig, denn nur so kann sie auch Gehör finden und ihre Ziele umsetzen.

In diesem Zusammenhang eine eher intime Frage: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja.

Wie stellen Sie sich dieses Leben konkret vor?

Das ist sehr schwierig zu beschreiben; das möchte ich aus dem Stegreif nicht beantworten. Aber ich stelle es mir schön vor.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus Ihrem Glauben für Ihre konkrete politische Arbeit?

Der Glauben ist wichtig. Er spielt bei vielen politischen Entscheidungen eine wichtige Rolle. Denn wir haben Entscheidungen zu treffen, die auch den Glauben berühren - nehmen wir das Thema Stammzellenforschung. Da ist es wichtig, dass man seinem Gewissen traut und danach handelt.
   Ich finde es zum Beispiel sehr gut, dass es bei solchen Entscheidungen bei uns in der Fraktion keinen Zwang gibt, in die eine oder andere Richtung abzustimmen, sondern dass jeder nach seinem Gewissen entscheiden kann. Ich habe mich aus diesem Grunde für die Stammzellenforschung ausgesprochen, aus meinem Glauben heraus, weil ich sehe, dass wir damit viel Not lindern und viele Krankheiten, etwa Alzheimer, heilen können.

Visionen

Brauchen Politiker Visionen?

Ich denke schon. Es hat mal ein Politiker gesagt, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen, aber ich sehe das anders. Ich glaube, dass man schon ein Ideal haben muss - dass man wissen muss, wohin man will.

Frisst der politische Alltag diese Visionen, diese Ideale nicht auf?

Man muss unterscheiden zwischen der Tagespolitik und dem langfristigen Ziel. In der Tagespolitik geht häufig die Vision unter, weil man in kleineren Schritten arbeitet. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man auch im Hinterkopf behält, wo das langfristige Ziel ist. Aus diesem Grund sind Grundsatzprogramme von Parteien so wichtig, auch wenn sich diese dann in den nächsten zwei Jahren nicht in die Realität umsetzen lassen.

Angenommen, es gäbe die berühmte Fee, und Sie hätten einen (aber wirklich nur einen!) politischen Wunsch frei: Welches Ziel würden Sie sofort verwirklichen?

Dass die Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen die beste Bildung in der ganzen Welt genießen.

Das Interview wurde am 20.9.2008 in Düsseldorf geführt. Die Fragen stellten Anna Carla Kugelmeier, Sebastian Rabe und Lea Brohsonn.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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