Zurück Übersicht Seitenende Weiter

Zur Übersicht   Zur Übersicht

Interview

Volker Kauder, MdB   Volker Kauder,
Jahrgang 1949,
Mitglied des Bundestags (CDU),
CDU-Generalsekretär

Persönlichkeitsmerkmale

Herr Kauder, welche Eigenschaften sollte jemand haben, der in der Politik erfolgreich sein will?

Er muss die Menschen mögen und er sollte das, was er sagt, auch tun.

Darf ich Ihnen einige Eigenschaften nennen, und Sie sagen mir kurz, ob man diese braucht?

Bitte.

Zielgerichtetheit?

Ja.

Idealismus?

... sollte man auf jeden Fall haben.

Altruismus?

... muss nicht unbedingt sein.

Populismus?

... sollte gar nicht sein!

Kompromissbereitschaft?

Auf jeden Fall. Man muss mit allen anderen zusammenarbeiten können und muss auch bereit sein, Kompromisse zu schließen.

Taktisches Geschick?

Das gehört auf jeden Fall für einen Generalsekretär dazu.

Wille zur Macht?

Man muss Macht wollen, um sie dann verantwortungsbewusst auszuüben. Wer in der Politik keine Macht will, wird auch nichts erreichen.

Charisma?

... brauchen auf jeden Fall die absoluten Spitzenleute.

Skrupellosigkeit?

Skrupellosigkeit ist in der Politik überhaupt nicht gefragt. Skrupellose Leute mögen, wie eben schon gesagt, die Menschen nicht, und das brauchen wir in der Politik nicht.

Unverwechselbarkeit?

Ja. Jeder sollte durch seine klaren politischen Überzeugungen für die Menschen erkennbar und damit auch unverwechselbar sein.

Gutes Aussehen?

... hilft in der Mediengesellschaft, sollte aber, falls nicht vorhanden, nicht der Anlass dafür sein, dass gute Leute nicht in die Politik gehen können.

Und Medienwirksamkeit?

... gehört auf jeden Fall dazu, kann man lernen.

Frauen spielen in der Politik - zumindest quantitativ - immer noch eine untergeordnete Rolle. Was sagen Sie dazu?

Frauen müssen sich mehr in der Politik engagieren. Das fängt schon bei ganz jungen Frauen an, die in der Politik in den Parteien nicht entsprechend vertreten sind. Da wünsche ich mir, dass Frauen mehr Mut fassen, auch in der Politik aktiv zu sein.

Müssen Frauen die "besseren Männer" sein, um bestehen zu können?

Überhaupt nicht. Frauen sollen Frauen bleiben und Männer sollen Männer bleiben.

Wären Sie heute dort, wo Sie sind, wenn Sie eine Frau wären?

Das weiß ich nicht. Ich würde es mir aber zutrauen.

Politische Arbeit

Ist (bzw. war) Politiker Ihr Traumberuf?

Es war nicht mein Traumberuf, aber ich hab schon früh mit der Politik begonnen, bin dann da auch einfach hineingewachsen. Mein Traumberuf, als ich jung war: Ich wollte immer Zirkusdirektor werden.

Volker Kauder in Olpe Wie sind Sie zur CDU gekommen?

Wegen einiger Grundentscheidungen in der CDU. Die CDU ist die Partei der Freiheit. Die CDU war damals wie auch heute die Partei der deutschen Einheit. Und auch das christliche Menschenbild hat mich zur CDU geführt.

Wenn Sie auf Ihre bisherige politische Arbeit zurückblicken: Haben Sie mehr erreicht oder mehr nicht erreicht?

Wenn ich meine persönliche Laufbahn betrachte, habe ich viel erreicht. Wenn ich an die politischen Aufgaben denke, müssen wir noch viel erreichen. Mich bedrückt sehr die hohe Arbeitslosigkeit und vor allem, dass so viele junge Menschen keine Perspektive für sich sehen. Da muss noch viel erreicht werden.

Ein beliebter Vorwurf lautet ja, den Politikern, besonders denen an der Spitze, und da rechne ich Sie jetzt einfach mal dazu, fehle es an "Bodenhaftung", sprich: an Kontakt zum Volk. Wie ist Ihre Antwort?

Das trifft bei mir nicht zu. Und das trifft auch bei vielen, vielen meiner Kolleginnen und Kollegen nicht zu. Wir sind Tag für Tag unterwegs und treffen viele Menschen. Deswegen kann ich diesen Vorwurf überhaupt nicht akzeptieren.

Was wäre für Sie ein Grund zu sagen: Ich höre als Politiker auf!

Da sehe ich überhaupt keinen Grund. Ich bin mit Leidenschaft dabei, etwas für die Menschen zu erreichen, und solange ich dazu die Kraft habe, habe ich überhaupt keine Lust aufzuhören.

Visionen

Brauchen Politiker Visionen?

Sie brauchen auf jeden Fall eine Vorstellung von realen Utopien, - dass sie ein Ziel haben, das sie anstreben und das sie auch verwirklichen wollen.

Frisst der politische Alltag diese Visionen auf?

In Wahlkampfzeiten wie jetzt lebt man natürlich davon, dass man jeden Tag viele Menschen erreicht. Aber es gibt auch Zeiten außerhalb von Wahlkämpfen. Da kann man dann an seinen Visionen arbeiten.

Mit welchen Argumenten würden Sie für das politische Engagement Jugendlicher und junger Erwachsener werben?

Es geht um eure Zukunft! Das, was heute entschieden wird, wird euer Leben ganz entscheidend prägen. Jeder junge Mensch sollte den Mut haben, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Und das geschieht eben in der Politik.

Wie werden die Jungen in Ihrer Partei Ihrer Erfahrung nach von den Älteren betrachtet: eher mit Hoffnung oder eher mit Argwohn?

Ausschließlich mit Hoffnung. Wir wissen, dass die Junge Union die Zukunft der Christlich Demokratischen Union ist.

Angenommen, es gäbe die berühmte Fee, und Sie hätten einen (aber nur einen!) politischen Wunsch frei: Welches Ziel würden Sie sofort verwirklichen?

Wachstum für unser Land, damit die Menschen wieder Zukunftschancen haben.

Das Interview wurde am 3.5.2005 in Olpe am Rande einer Wahlkampfveranstaltung geführt. Die Fragen stellten Julia-Kristin Klein und Kerstin Rüenauver.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

Zurück Übersicht Seitenanfang Weiter