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Medienreaktionen

WDR online vom 10.9.2009

Bundestagswahl aus Schülersicht

Jana mit Schild Auf ganz ungewöhnliche Art und Weise beschäftigen sich die Schüler des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums mit dem Thema Wahl. Bei einer Aktion in der Kölner Innenstadt boten sie ihre Wählerstimme zum Verkauf an. Die Reaktionen der Passanten wurden auf Video festgehalten. Heute haben die Schüler Politiker zu einer Podiumsdiskussion in die Schule eingeladen.

WDR online, Studio Siegen. Vorankündigung Lokalzeit Südwestfalen vom 10.9.2009.
URL: http://www.wdr.de/studio/siegen/index.html


WDR-Fernsehen vom 10.9.2009

Politikverdrossenheit sieht irgendwie anders aus

Bundestagswahl aus Schülersicht

[Anmoderation im Studio:] Spannend ist auch die nächste Wahl; die steht nämlich an - und was für eine! Ende September ist Bundestagswahl - für manche die erste an der Urne. Den Schülern des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn reicht es nicht, sich einfach informieren zu lassen. Sie organisierten eine Diskussionrunde. Schüler fragen, Politiker und Vertreter der heimischen Wirtschaft antworten.

Die Moderatoren - Foto (c) WDR [Bilder vom Publikum im Forum, dann von den Moderatoren und Gästen auf der Bühne, schließlich von Ulrich Schröder nah.]

[Kommentar im Off:] Politikverdrossenheit sieht irgendwie anders aus. Anna Carla, David und die anderen Oberstufenschüler wollen die Politiker Hartmut Schauerte, Willi Brase und Johannes Vogel löchern. Und von Ulrich Schröder vom Automobilzulieferer Kirchhoff wollen sie wissen, wie man dort die Krise spürt.

Schröder: Wir haben, was Kirchhoff betrifft, seit Anfang Mai gesagt: Wir sind unten angekommen! Das hat sich bestätigt; das zeigt sich auch im Ausblick auf das Jahresende. Wir liegen umsatzmäßig in etwa wieder auf dem Vorjahr, was die Pkw betrifft. Die Lkw: eine reine Katastrophe - im Moment Rückgänge von siebzig, achtzig, neunzig Prozent.

[Kurzer Blick aufs Publikum, dann Szenenwechsel: Anna Carla, David und Martin in der Attendorner Fußgängerzone unterwegs. Befragung einer Passantin.]

[Kommentar:] Das Frage-und-Antwort-Spiel haben die Schüler auch auf ihren Heimatort ausgeweitet und vorher auf der Straße recherchiert.

Anna Carla: Inwieweit fühlen Sie die aktuelle Wirtschaftskrise und welche Auswirkungen hat sie auf Sie persönlich?

Passantenbefragung - Foto (c) WDR Passantin: Mein Mann hatte Kurzarbeit. Der arbeitet hier in Attendorn. Zwischendurch hat er normale Arbeit gehabt, jetzt wieder [Kurzarbeit]. Ja, und dadurch hat er dann finanzielle Einbußen für die ganze Familie.

[Schnitt: Blick auf das Display einer Schüler-Kamera, auf dem ein Passant im Gespräch zu sehen ist. Dann Schwenk auf den Passanten und die Interviewerin.]

Passant: Ich bin selbstständiger Apotheker; und die Kaufkraft in Attendorn hat natürlich ein bisschen nachgelassen. Wir haben also Umsatzrückgänge dadurch.

Anna Carla: Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement der aktuellen Bundesregierung?

Passant: Ich beurteile das als exzellent. Unter den gegebenen Umständen ist da mehr nicht drin.

[Szenenwechsel. Einige Impressionen aus dem Forum (verschiedene Kameraeinstellungen).]

[Kommentar:] Neben der Krise interessiert die Schüler auch die Bundestagswahl: Wen wähle ich? Wähle ich überhaupt? - Deshalb haben die Schüler ein Experiment gewagt.

[Schülervideo: Im Vordergrund Felix, behängt mit einem Pappschild, auf dem er seine Wählerstimme zum Kauf anbietet.]

Felix: Ja, hallo, ich bin Felix, und ich weiß bei dieser Bundestagswahl einfach überhaupt nicht, wen ich wählen soll. Da habe ich mir gedacht: Bevor ich gar nicht zur Wahl gehe, mache ich doch noch was Sinnvolles aus meiner Stimme und mach sie zu Geld.

[Michel in vergleichbarer Position.]

Hartmut Schauerte - Foto (c) WDR Michel: Schönen guten Tag, ich bin der Michel, und auch meine Devise ist: Stimme gegen Cash!

[Zwei Passantenbefragungen aus dem Schülervideo.]

Passantin: Wenn jeder sowieso den gleichen Schwachsinn erzählt, dann kann er seine Stimme auch verkaufen. Warum nicht!

Passant: Das rührt so ein bisschen auf, wenn man sagt: Mensch, der Mensch ist eigentlich käuflich. Das zeigt er, und das finde ich eigentlich ganz gut.

[Schauerte und Brase auf der Bühne beim Betrachten des Videos. Ein kurzer Blick ins Publikum, dann die Politikerstatements nah.]

[Kommentar:] Das Video der Schüler beeindruckt die Politiker, und es lässt sie sogar schmunzeln. Doch die Idee, seine Stimme zu verkaufen, lehnt Hartmut Schauerte als Bundestagsmitglied ganz klar ab.

Schauerte: Die Menschen hätten für hundert Euro zum Beispiel eine Entscheidung verkauft, ob es Krieg oder Frieden gibt.

Vogel: Ob das Internet zensiert wird, das entscheidet sich politisch. Das sind Dinge, die uns ganz konkret betreffen können.

Brase: Also, es ist immer schlecht, wenn man nicht wählen geht und danach, auf Deutsch gesagt, den Hafen aufreißt und nur kritisiert. Das, finde ich, ist nicht fair.

[Applaudierende Schüler, dann das Publikum von hinten mit Blick aufs Podium, schließlich Schröder nah.]

Katharina - Foto (c) WDR [Kommentar:] Klare Sätze, die bei den Schülern ankommen. Und der Wirtschaftsexperte hat heute nur einen Wunsch:

Schröder: Seid kritisch! Fordert, fragt und wählt!

[Applaudierendes Publikum. Dann Katharina nah im sich leerenden Forum.]

[Kommentar:] Für die Schüler war es Wahlkampf zum Anfassen - ein kleiner Politik-Crashkurs vor der Wahl.

Katharina: Vor allen Dingen die verschiedenen Ansichten zur Wirtschaftskrise fand ich sehr interessant - und einfach noch mal diese Standpunkte klar zu bekommen. Da wird man ja [sonst] schon mal ein bisschen verwirrt.

[Blick vom Bühnenhintergrund ins Publikum.]

[Kommentar:] Mal abwarten, wie viele Jungwähler in Attendorn in zweieinhalb Wochen tatsächlich zur Urne gehen...

Lokalzeit Südwestfalen, Westdeutscher Rundfunk Siegen, Sendung vom 10.9.2009, ca. 19.40 Uhr (3 Min.).


©  Katrin Boers (WDR), Siegen und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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