Zurück Übersicht Seitenende Weiter

Zur Übersicht   Zur Übersicht

Medienreaktionen

Sauerlandkurier vom 20.9.2009

Trifft die Krise uns direkt?

St.-Ursula-Schüler und Politiker diskutieren Wirtschaftskrise

Attendorn. Zu einer Podiumsdiskussion über das Thema "Krisenstimmung - was treibt die Wirtschaft an?" luden die Sozialwissenschaftskurse der Jahrgangsstufen 12 und 13 des St. Ursula-Gymnasiums am vergangenen Donnerstag.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatten die beiden Kurse unter der Leitung von Lehrer Frank Kugelmeier bereits seit den Sommerferien mehrere Umfragen und Projekte zum Thema "Wirtschaftskrise" auf Deutschlands Straßen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser verschiedenen Unternehmungen wurden während der Diskussion als kleine Videoeinspieler präsentiert.

  Auf dem Podium - Foto (c) Lars Lenneper
Die Moderatoren Anna Carla Kugelmeier und David Jansen konfrontierten Hartmut Schauerte von der CDU, Willi Brase von der SPD, Johannes Vogel von der FDP und Ulrich Schröder von der Kirchhoff Automotive GmbH Iserlohn mit den Folgen der Wirtschaftskrise.
Der Einladung der Schülerinnen und Schüler gefolgt waren mit dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Hartmut Schauerte (CDU), dem DGB-Regionsvorsitzenden Siegen-Wittgenstein-0lpe Willi Brase (SPD), dem FDP-Bundestagskandidat Johannes Vogel und dem Geschäftsführer des Marketingbereichs der Kirchhoff Automotive GmbH Ulrich Schröder echte heimische Größen aus Politik und Wirtschaft. Die - wie Kugelmeier betont - bewusst vorgenommene Mischung aus geballter Erfahrung (Schauerte, Brase), jugendlichem Elan (Vogel) und Wirtschaftskompetenz (Schröder) versprach eine spannende Debatte.

Zu Beginn wurde die Frage erörtert, welche direkten Auswirkungen die Krise auf die Menschen im Kreis Olpe hat.

Krise auch im Kreis?

Hartmut Schauerte, Mitglied des Deutschen Bundestages, meinte dazu, dass die Wucht, mit der die Krise die Weltwirtschaft getroffen habe, nicht in der Heftigkeit auf regionaler Ebene zu bemerken war. Gleichzeitig lobte er ausdrücklich die Kurzarbeiterregelung.

Auch sein Kollege im Bundestag, Willi Brase von der SPD, lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit der Großen Koalition in Punkte Kurzarbeit.

Er sieht die Auswirkungen der Krise allerdings massiver auf Kreisebene angekommen als sein Vorredner. Die Menschen würden die Lohneinbußen auf Grund der Kurzarbeit schon deutlich im Portemonnaie spüren.

FDP-Bundestagskandidat Vogel gab zu bedenken, dass die Pläne zur Bekämpfung der Krise nicht allein Sache der Großen Koalition gewesen wäre, auch die FDP habe die Entscheidungen in der Opposition mitgetragen. Er kritisierte allerdings explizit die Einführung und vor allem Verlängerung der Abwrackprämie und die Beschneidung der Bürgerrechte durch schärfere Überwachung wie z. B. Online-Kontrollen.

Ulrich Schröder zeichnete die Auswirkungen der Krise konkret an seinem Unternehmen auf. Die Absatzzahlen für PKW seien zwar auf Grund der richtigen politischen Maßnahmen wieder auf gutem Niveau, dafür sei die LKW-Produktion "zum Teil um 90 Prozent eingebrochen". Auf diesem Sektor gebe es noch starken Nachholbedarf.

Der nächste Einspieler, den die Kurse vorbereitet hatten, beschäftigte sich mit dem Thema Opel.

Hierzu äußerte sich zunächst Experte Ulrich Schröder von Kirchhoff Automotive. Er bezeichnete das staatliche Eingreifen als "[konzertierte] Aktion", in der Wirtschaft und Politik gemeinsam sinnvoll gehandelt hätten. Allerdings sei dies eine notwendige Reaktion auf Versäumnisse aus der Vergangenheit gewesen. "Der Staat muss in Zukunft Rahmenbedingungen schaffen, die die gleichen Spielregeln für alle garantieren", so Schröder.

Hartmut Schauerte nannte die Situation bei Opel eine besondere. Hier gehe es nicht nur darum, dass das Unternehmen eine lange Tradition in Deutschland habe, sondern vielmehr liege das Problem bei der amerikanischen Mutterfirma General Motors. Darum könne dem staatlichen Eingriff lediglich eine "Überbrückungsfunktion" zukommen, bis das Unternehmen sich von Amerika gelöst habe.

Vogel hingegen sieht die Entscheidung mit Skepsis. Er wirft den Regierungsparteien vor, "mit Blick auf die Wahlen" gehandelt zu haben und kritisiert das Eingreifen als "falsches Signal gegenüber den kleinen Unternehmen". Insolvenz bedeute nicht zwangsläufig gleich das Ende.

Willi Brase entgegnete Vogels Äußerungen aber, dass bei einer Insolvenz immer ein Teil der Arbeiter auf der Strecke bleibe.

Provokation: Stimme gegen Cash

Den Schlusspunkt unter die Diskussionsrunde setzte ein letzter Videotrailer der Schüler, der sie mit Plakaten in der Kölner Innenstadt zeigt. Auf ihnen sind Sprüche zu lesen wie "Ich verkaufe meine Stimme" oder "Stimme gegen Cash".

Auf diese bewusst provozierende Realsatire reagierten die Diskussionsteilnehmer überwiegend einstimmig. Hartmut Schauerte charakterisierte den "Querdenkeransatz" als "hochintelligent", Willi Brase bezeichnete die Aktion als „witzig" und clever inszeniert. Einig waren sich alle Parteien aber auch darin, dass die Wählerstimme "viel zu wertvoll" sei, als sie gegen Geld einzutauschen. Deshalb rief Johannes Vogel die Bürger zum Gang an die Urne auf, da "Politik jeden betrifft".

Ulrich Schröder brachte den Wahlaufruf schlussendlich mit einem Zitat des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt auf den Punkt: "Wir müssen mehr Demokratie wagen."

Das geht aber nur, wenn jeder seine Unabhängigkeit nutzt und am 27. September zur Wahl geht.

Sauerlandkurier vom 20.9.2009, S.17.


©  Lars Lenneper (Sauerlandkurier), Attendorn/Grevenbrück und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

Zurück Übersicht Seitenanfang Weiter