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Medienreaktionen

Westfalenpost vom 27.10.2009

Wahlkampfzeit ist ganz schön stressig

Zeus-Reporterin schaute den Kandidaten über die Schulter

Attendorn. In Wahlkampfzeiten sind Politiker besonders gefordert. Aber wie viel Zeit verbringen sie tatsächlich mit Wahlreden und dem Verteilen von Infoschriften? Und lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt? Unsere Schülergruppe wollte es für Zeus genau wissen und fragte nach.

Bärbel Höhn hat es eilig. Die grüne Bundestagsabgeordnete und ehemalige NRW-Umweltministerin ist drei Tage vor der Wahl in der Gummersbacher Fußgängerzone auf Wahlkampftour. "Am besten machen wir das Interview sofort", sagt sie uns. "Denn nachher muss ich schnell zurück nach Köln zu einer Sendung beim WDR." 90-Stunden-Wochen hat sie zurzeit. Täglich nimmt sie mit ihrem "grünen Event-Mobil" an mindestens zwei, manchmal drei Wahlveranstaltungen in ganz NRW teil. Und dann kommen noch die Abendtermine dazu.

Ähnliches berichtet uns zwei Tage später Johannes Vogel. Er ist Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP. Auch er will in den Bundestag und verteilt Info-Flyer seiner Partei auf dem Attendorner Marktplatz. Fünf Auftritte hat er an diesem Tag - außer in Attendorn auch in Halver, Olpe, Meinerzhagen und Lüdenscheid. Am Abend steht noch ein Termin in Stefan Raabs Bundestagswahl-Show in Köln an.

Von 16-Stunden-Tagen erzählt auch Matthias Heider, Bundestagskandidat der CDU, der zum Abschluss seines Veranstaltungs-Marathons ebenfalls nach Attendorn gekommen ist. Der hohe Zeitaufwand ergebe sich schon aus dem großen Wahlkreis: "Wenn man von Schalksmühle bis Kirchhundem fährt, sind das fast 90 Kilometer, und man ist eineinhalb Stunden unterwegs. Bei vier bis sechs Terminen pro Tag braucht das schon viel Zeit."

Etwas allgemeiner antwortet die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft, die sich am Stand der Attendorner SPD aufhält. Sie mache eigentlich, seit sie vor vier Jahren Chefin der Landespartei geworden sei, ununterbrochen rund um die Uhr Wahlkampf.

Trotz des großen Aufwands und der vielen gefahrenen Kilometer sind aber alle befragten Politikerinnen und Politiker davon überzeugt, dass Wahlkampfauftritte in den Fußgängerzonen nötig sind. Durch den Straßenwahlkampf behalte man seine politische Bodenhaftung, sagt Hannelore Kraft.

Matthias Heider erklärt, gerade im persönlichen Kontakt mit den Bürgern erfahre man sehr viel über deren Sorgen: "Nichts geht über ein gutes Gespräch."

Lediglich Johannes Vogel äußert sich auch kritisch: "Natürlich muss die Partei hier Präsenz zeigen. Aber wer glaubt, dass er die Wahl nur auf der Straße gewinnt, und die Medien, vor allem das Internet, vernachlässigt, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt."

Westfalenpost, Nr.251 (27.10.2009), S.POEK4.


Westfälische Rundschau vom 27.10.2009

Westfälische Rundschau, Nr.251 (27.10.2009), S.ROEK_4.
(Seit dem 16.5.2009 ist der dem Kreis Olpe zugehörige Lokalteil der Westfälischen Rundschau mit dem der Westfalenpost identisch.)


©  Cora Kugelmeier und Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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