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Medienreaktionen

Westfalenpost vom 5.3.2005

"Als Rechtsanwalt hätte ich viel mehr verdienen können"

Bundestagsabgeordnete Schauerte und Brase stellten sich Fragen von St.-Ursula-Schülern

Attendorn. Traumjob Politiker? Zu diesem Thema luden Schüler des Attendorner Ursula-Gymnasiums gleich zwei Bundestagsabgeordnete zu sich ein. Willi Brase (SPD) und Hartmut Schauerte (CDU) stellten sich den Fragen der Jugendlichen. Die Antworten waren bemerkenswert.

Denn wirklich "geträumt" hat keiner der beiden Abgeordneten von der Politik. "Wenn es mein Traumberuf gewesen wäre, hätte ich wesentlich früher damit angefangen", so Willi Brase. Und auch Hartmut Schauerte stellte klar: "In meinem erlernten Beruf als Rechtsanwalt und Notar hätte ich erheblich mehr verdienen können. Und ich würde auch nicht so angefeindet, wie es leider als Politiker häufig der Fall ist."

Hinsichtlich der angesprochenen Politikverdrossenheit schlug Brase selbstkritische Töne an. Angesichts mancher Affären und Skandale hätten die Politiker gegenüber der Bevölkerung durchaus eine Bringeschuld. Schauerte sah allerdings auch die Bevölkerung in der Pflicht, denn häufig beruhe die Verdrossenheit auf einer Distanz, die nicht von den Politikern, sondern vom Volk selbst geschaffen werde. Er selbst sei für jede Kritik offen: "Zu mir kann jeder kommen."

Beide Abgeordnete ermunterten die Jugendlichen ausdrücklich dazu, sich trotz aller Verdrossenheit politisch zu engagieren: "Wenn ich nicht will, dass andere über meinen Kopf hinweg bestimmen, dann muss ich mich selber einbringen", so Brase. "Die Gegenargumente, dass Politiker zu populistisch sind und immer nur die Macht sehen, muss man da ein Stück weit wegdrücken und stattdessen die eigenen Vorstellungen umzusetzen versuchen."

  Schauerte
Frauen haben in der Politik inzwischen bessere Karrierechancen als Männer, glaubt Hartmut Schauerte (CDU). Den Schülern gefielen die ehrlichen Antworten der Politiker.
 
Interessant waren die Antworten zum Thema "Frauen in der Politik". Hier gebe es, so Brase, in seiner Partei bei allen Fortschritten einigen Nachholbedarf. In der Tat könne man den Eindruck haben, Frauen machten in der Politik vor allem dann Karriere, wenn sie "die besseren Männer" seien. Er selbst, gab der SPD-Politiker zu, wäre "als Frau" vermutlich nicht in seine jetzige Position gelangt. Dem widersprach Schauerte ausdrücklich: "Als Frau wäre ich politisch wahrscheinlich weiter. Da Frauen relativ selten in der Politik sind, haben sie inzwischen gegenüber Männern die besseren Chancen."

Unterschiedliche Auffassungen gab es auch hinsichtlich des aktuellen Themas "Studiengebühren". Brase lehnte diese für das Erststudium grundsätzlich ab. Bildung dürfe nicht nur für die Reichen bezahlbar sein. Außerdem bürde man der Jugend - Stichwort Generationenvertrag - schon genug auf. Ganz anders Schauerte. Er plädierte nachdrücklich für Studiengebühren. Ein Blick ins Ausland zeige, dass dieses Modell erfolgreich sei. Außerdem könnten Studenten, die für ihr Studium zahlten, mit Fug und Recht mehr Qualität verlangen.

Nachdenklich reagierten beide Politiker auf die Frage, welches politische Ziel sie sofort umsetzen würden, wenn sie bei "der guten Fee" einen Wunsch frei hätten. Schauerte lag der "Reformprozess in Deutschland" am Herzen, der die Arbeitsplätze, die Wettbewerbsfähigkeit und damit das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft wiederherstellen solle. In dieselbe Richtung ging Brases Antwort: "Ich würde mir wünschen, dass alle Menschen in der Bundesrepublik Deutschland zu vernünftigen Bedingungen Arbeit hätten; daran hängt alles andere. Wirtschaftliche Not schafft Unfrieden und macht anfällig für radikale Strömungen."

Insgesamt machten die Antworten der Abgeordneten den Jugendlichen Appetit auf mehr. In den kommenden Wochen und Monaten werden sie deshalb ihre Recherchen fortsetzen und weitere Politiker befragen. So kommt bereits am Montag der Landtagsabgeordnete Theo Kruse (CDU); Mitte März steht eine Fahrt nach Düsseldorf auf dem Programm - zu einem "Exklusiv-Interview" mit Schulministerin Ute Schäfer (SPD).

Westfalenpost, Nr.54 (5.3.2005), S.POEA2


Westfälische Rundschau vom 8.3.2005

Brase und Schauerte einig: Politiker kein Traumberuf

Heimische Bundestagsabgeordnete stellten sich Fragen der St.-Ursula-Schüler

Der Artikel entspricht - wie auch der oben abgedruckte aus der Westfalenpost - im Wesentlichen der Pressemitteilung des St.-Ursula-Gymnasiums.
Westfälische Rundschau, Nr. 56 (8.3.2005), S.ROE_3


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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