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Medienreaktionen

Westfälische Rundschau vom 29.4.2005

SPD-Chef Müntefering fordert Schüler zu Engagement auf

Geduldige Antworten auf zahlreiche Fragen rund um den "Traumjob Politiker"

Attendorn. SPD-Partei- und -Fraktionschef Franz Müntefering stellte sich jetzt den Fragen der Projektgruppe "Traumjob Politiker?" des St.-Ursula-Gymnasiums.

Mehrere prominente Politiker verschiedener Parteien (die WR berichtete) hat die Gruppe bereits für ihr Multimedia-Wettbewerbsprojekt interviewt, um die Ergebnisse der Befragungen bis Juni zu einem aufbereiteten Beitrag zusammenzufassen und sich damit an einem internationalen Wettbewerb zu beteiligen.

Von vorneherein war klar gestellt, dass es sich bei dieser Befragung nicht um eine Wahlkampfveranstaltung handelte, sondern allgemeine Fragen zum Thema politische Arbeit gestellt wurden. Locker und offen ging der Politiker mit den Fragen der Gruppe um, die ihn unvorbereitet trafen. Müntefering hatte, wie Projektleiter Frank Kugelmeier lobend erwähnte, im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen zuvor nicht darauf bestanden, die Fragen im Vorfeld zugesandt zu bekommen. Zahlreiche Schüler der oberen Jahrgangsstufen hatten sich in der Aula versammelt, um den Antworten auf die Fragen von Stefan Röben, Kerstin Rüenauver, Niklas Bein, Julia-Kristin Klein, Jonas Warns und Anna Carla Kugelmeier zu lauschen.

Interessiert waren die Jungen und Mädchen vor allen Dingen daran, wie Franz Müntefering seinen Job und seine Aufgaben definiert. So antwortete der in Sundern geborene und aufgewachsene Politiker auf die Frage, wie er seinen Posten als Fraktionschef sehe, dass es "nach dem Papst der zweitschönste Job" ist, in dem natürlich auch Fehler gemacht werden, was ja schließlich menschlich sei.

Der SPD-Chef stellte immer wieder in den Vordergrund, wie wichtig breites Engagement in der Politik ist: "Demokratie braucht Parteien und Engagement, man muss Leute haben, die sich engagieren", so Müntefering, und forderte die Schüler mehrfach dazu auf, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich vielseitig zu informieren, ohne sich von Eltern, Freunden oder negativer Presse beeinflussen zu lassen.

Der 65-Jährige musste sich auch Fragen in Verbindung mit der von ihm angestoßenen Kapitalismusdebatte gefallen lassen. Etwa "Haben Sie noch Macht?", "Was kann und darf Politik?", "Frisst der Alltag politische Visionen auf?", oder ob es nicht eine "Ohnmacht" nationaler Politik angesichts der wirtschaftlichen Globalisierung gebe.

Müntefering gab zu, dass es hier Probleme gibt, da der Markt und auch das Geld "entgrenzt" wurden, die Politik aber auf Deutschland begrenzt ist. Hierfür gebe es aber die Europäische Union, die zwar "schwierig, aber eine wichtige Sache ist". Mit Ohnmacht will er sich nicht abfinden. Es gelte, die Stärken besser zu bündeln und etwa europaweit einheitliche Steuern einzuführen, damit Firmen nicht weiter abwandern.

Westfälische Rundschau, Nr.99 (29.4.2005), S.ROE_4


©  Sabrina Hegenberg (Westfälische Rundschau), Dortmund/Olpe und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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