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Medienreaktionen

Westfalenpost vom 5.7.2005

Politiker mögen die Menschen

Schülerteam des Ursula-Gymnasiums interviewte erneut zahlreiche Prominente aus der Politik

Attendorn. Welche Eigenschaften sollte jemand haben, der in der Politik erfolgreich sein will? Diese Frage treibt derzeit nicht nur den Bundeskanzler und die Oppositionsführerin der Union um. Auch etliche Bundestags- und Landtagsabgeordnete mussten sich ihr stellen, denn das Schülerteam des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums, das seit vier Monaten für sein Projekt "Traumjob Politiker?" recherchiert (unsere Zeitung berichtete), wollte detaillierte Antworten.

Die Umfrage der Gymnasiasten förderte Erstaunliches zu Tage: Die Antworten von CDU-Generalsekretär Volker Kauder, SPD-Chef Franz Müntefering, NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP), Staatsministerin Kerstin Müller (B'90/Grüne) und vielen anderen lagen auffällig eng beieinander.

Eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Politik ist, da sind sich die meisten einig, "die Menschen zu mögen, ihre Anliegen ernst zu nehmen".

Hinzu kommen natürlich Eigenschaften wie Durchsetzungsfähigkeit, Zielgerichtetheit, Kompromissbereitschaft und taktisches Geschick, aber auch Fach- und Breitenwissen. Besonders die befragten grünen Politikerinnen legten zudem Wert auf "Teamfähigkeit". Davon gebe es leider immer noch zu wenig.

Bloßes Machtkalkül lehnen die meisten Volksvertreter hingegen ab. "Der alleinige Wille zur Macht", so Peer Steinbrück (SPD), "ist noch keine Qualität. Wichtig ist die Anerkennung der Tatsache, dass man in der Demokratie Macht nur auf Zeit verliehen bekommt und deshalb auch abgewählt werden kann." Umgekehrt werde allerdings, so CDU-Generalsekretär Kauder, derjenige, der keine Macht wolle, auch nichts erreichen.

SPD-Chef Müntefering orientierte sich in seiner Antwort an dem deutschen Soziologen Max Weber. Politische Betätigung erfordere Leidenschaft, Augenmaß und Verantwortung. Leidenschaft sei die Überzeugung, das Wichtige und das Richtige zu tun, Augenmaß das Gespür für das Machbare. Und unter Verantwortung verstehe er das Bewusstsein, "dass man nicht nur für sich handelt, sondern auch für die nächsten Generationen".

Auch Idealismus steht bei den meisten Politikern hoch im Kurs. Aus eigener Erfahrung widersprach hier lediglich die grüne Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller. Sie sei in der Vergangenheit vielfach zu idealistisch gewesen.

Gutes Aussehen empfinden die meisten Befragten als "hilfreich, aber nicht zwingend". Mit den Massenmedien müsse man dagegen umgehen können.

Einen ganz praktischen Ratschlag gaben NRW-Generalsekretär Jochen Reck (CDU) und Minister Andreas Pinkwart (FDP) den jugendlichen Fragestellern mit. Sie plädierten dafür, nicht zu früh in die Politik zu gehen, sondern erst einmal eine solide Berufsausbildung zu absolvieren. Ohne berufliche Praxis gerate man zu schnell in Abhängigkeit von der Politik.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Helga Daub merkte an, für politischen Erfolg sei ein "dickes Fell" unerlässlich. Im Übrigen warnte sie vor einfachen "Kochrezepten": Aus "einer Prise Durchsetzungswillen, zwei Prisen Intrigantentum und drei Prisen Sturheit" werde nie und nimmer ein erfolgreicher Politiker.

In ihren Interviews wollten die Schüler abschließend wissen, welchen Fehler ein Politiker auf keinen Fall machen dürfe. Die prägnanteste Antwort hierauf gab Franz Müntefering: "Wahlen verlieren!"

     
Franz Müntefering: Was ein Politiker nie machen darf? Wahlen verlieren. Volker Kauder: Ein Politiker, der keine Macht will, kann auch nichts erreichen. Kerstin Müller: Ich bin in der Vergangenheit zu idealistisch gewesen. Andreas Pinkwart: Junge Menschen sollten nicht zu früh in die Politik gehen.

Westfalenpost, Nr.153 (5.7.2005), S.POEA2


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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