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Medienreaktionen

Westfalenpost vom 1.9.2005 (Auszug)

Linkslistiger Lafontaine trifft Mittelstürmer Merz ... nicht

Siegen. Oskar kommt. Die ersten Besucher auf der Siegplatte werden aufmerksam, ein Kamerateam hechelt hin und hinterher, erkennbar am Mikrofongalgen, der lustig über die Menge schwankt. Oskar kommt - und geht wieder. An der wartenden Menge vorbei ins Cafe.

"Zu viel Champagner während der Fahrt", brummt einer, der nachweislich nicht zum Sympathisantenkreis der Linkspartei zählt. Und liegt falsch: Lafontaine sitzt mit Schülern des Attendorner Ursula-Gymnasiums zusammen. Anna Carla Kugelmeier, Carsten Horn, Carina Voigt und Christian Scholle haben im Cafe ihr Mikro aufgebaut und vernehmen den Linkspartei-Chef ebenso, wie sie früher schon Peer Steinbrück, Franz Müntefering, Bärbel Höhn, Volker Kauder und Willi Brase befragt haben. Dann räumt Lafontaine die Kaffeetafel in Richtung Siegplatte, wo viele Neugierige warten.

Um diese Uhrzeit ist Friedrich Merz schon wieder abgereist. Merz hat pünktlich, Glockenschlag zwölf, die Bahnhofstraße betreten, wo bereits einige hundert Christdemokraten und viele Neugierige anderer Konfessionen warten. Merz hat sich erst vor Tagen im Rahmen einer zum "Duell" hochgejazzten Fernseh-Inszenierung mit Lafontaine getroffen und deshalb auch nicht das Bedürfnis, nochmals mit dem Saarländer über Sozialabbau und Weltwirtschaft zu diskutieren. Er bedient stattdessen die Gemüter des Publikums. [...]

Dann ist Friedrich Merz fertig. Der erfahrene Wahlkämpfer und witzige Redner hat pflichtgemäß freundliche Worte über den Kandidaten Ulrich Künkler gefunden und seine Zuhörer mit einer funkelnden Rede verwöhnt. Volkmar Klein bittet um Mitsingen bei der Nationalhymne, die wiederum die Linkspartei auf der Siegplatte richtig aus der Fassung bringt. Ulrich Künklers Wahlkampfhelfer und viele andere spazieren dreißig Meter weiter, wo Lafontaine erwartet wird.

Der hat inzwischen sein Interview mit den Attendorner Schülern beendet und wechselt den Schauplatz. Auf der Siegplatte warten schon Direktkandidat Ullrich Georgi, der Stand des "Neuen Deutschlands" und all die, die sich in der PDS, einer Wahlalternative oder in einer der Initiativen gegen Hartz 4 engagieren. Der Saarländer spult routiniert sein Programm herunter, rechnet vor, wo die Milliarden für soziale Gerechtigkeit herkommen sollen (von den Reichen). Die Sonne brennt vom Himmel, und aus den Fenstern der Commerzbank gucken Bankangestellte verunsichert auf die Siegplatte. Ein Linksparteiler zetert auf einen orange gekleideten Jungunionisten ein: "Halt doch den Mund, du Kapitalist." Oskar gibt noch schnell Interviews und springt in seine schwarze Limousine. Im Ohr hängt ihm die lautstarke Aufforderung: "Geh doch zurück in den Ruhestand." [...]

Westfalenpost, Nr.203 (1.9.2005), Siegener Lokalteil [gekürzt].


©  Raimund Hellwig (Westfalenpost), Hagen, und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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