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Medienreaktionen

Siegener Zeitung vom 3.9.2005

Spitzenkandidat im Interview

Oskar Lafontaine stellte sich Attendorner St.-Ursula-Gymnasiasten

Siegen/Attendorn. Mit dem Ausgang der Landtagswahlen war ihr Projekt "Traumjob Politiker?", in dem sie Politgrößen wie Franz Müntefering, Volker Kauder, Peer Steinbrück oder Bärbel Höhn interviewt hatten, eigentlich abgeschlossen. Die überraschend angesetzten Bundestagswahlen motivierten eine Schülergruppe des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums jedoch, ihre Recherchen fortzusetzen. In den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen stellte sie nun die neue Linkspartei.

So begann Oskar Lafontaine, Spitzenkandidat der "Linken", am Mittwoch seinen Wahlkampfauftritt in der Siegener Innenstadt (die SZ berichtete) dann auch recht ungewöhnlich. Zielstrebig steuerte er, vorbei an Zuschauern, Fernsehteams und Pressevertretern, zunächst das "Café am Kölner Tor" an, wo ihn die Attendorner Schüler zu einem Exklusiv-Interview erwarteten.

Auf die Frage, was ihn nach seinem radikalen Ausstieg veranlasst habe, nun wieder in die Politik einzusteigen, nannte Lafontaine den "sozialpolitischen Kahlschlag". Er wolle seinen Beitrag leisten, hier gegenzusteuern. Die Linke müsse dem "neoliberalen Zeitgeist" ein Konzept entgegensetzen. Sein Verhältnis zu Gregor Gysi definierte der Spitzenkandidat vorsichtig: "Das ist eine gute politische Partnerschaft."

Welche Eigenschaften ein erfolgreicher Politiker haben müsse, wollten die Schüler wissen. "Glaubwürdigkeit", war Lafontaines vorrangige Antwort. Der Frage, ob zum Erfolg auch Populismus gehöre, begegnete er diplomatisch: "Wenn unter Populismus verstanden wird, dass man so spricht, dass das Volk einen versteht, dann ja. Wenn darunter verstanden wird, dass man dem Volk mit gefälligen Unwahrheiten nach dem Munde zu reden versucht, dann nein."

Einen Koalitionspartner sieht der Spitzenkandidat für die Linkspartei derzeit nicht. Sobald sich aber einer finde, werde die Partei auch die Regierungsverantwortung annehmen.

Angesprochen auf die Kritik an seiner Person, vor allem auf den Vorwurf, er sei lediglich ein "Schmuck-Wessi" der PDS, erwiderte Lafontaine, derartige Beschimpfungen gehörten im Wahlkampf leider dazu. Offenbar habe der politische Gegner Angst vor seiner Partei.

Wen er am sympathischsten finde, fragten die Schüler abschließend: Robin Hood, Napoleon oder Willy Brandt? Lafontaines prompte Antwort: "Willy Brandt. Denn der war mein politischer Ziehvater."

Vor dem Interview mit dem Spitzenkandidaten hatte die Attendorner Schülergruppe bereits gründlich in Sachen Linkspartei recherchiert - auch beim politischen Gegner. Deutliche Worte für Ex-SPD-Mitglied Lafontaine fand hier Michael Groschek, Generalsekretär der NRW-SPD: "Wenn man Bundesvorsitzender, Kanzlerkandidat, Ministerpräsident einer Partei war, dann verlässt man die nicht. Das ist in meinen Augen charakterlos."

Ähnlich äußerte sich Uwe Beul, Bundestagskandidat der SPD im Kreis Olpe: "Was die Linkspartei macht, ist Schaumschlägerei, eine Politik ohne Inhalt, die nicht finanzierbar ist und den Menschen etwas vorgaukelt." Anders sieht dies naturgemäß der Kandidat der Linkspartei im heimischen Wahlkreis, der Lüdenscheider Josef Filippek: "Die Resignation und die Verärgerung über die bestehende Politik sind sehr groß. Das greifen wir auf."

Siegener Zeitung, Nr.205 (3.9.2005), S.9.


Westfälische Rundschau vom 3.9.2005

Willy Brandts Enkel und kein Schmuck-Wessi

Schüler-Interview mit Oskar Lafontaine

Die Meldung variiert, wie auch die oben zitierte der Siegener Zeitung, eine Pressemitteilung des St.-Ursula-Gymnasiums.

Attendorn/Siegen. Mit der Landtagswahl war ihr Unterrichtsprojekt "Traumjob Politiker?" eigentlich abgeschlossen (die WR berichtete). Die überraschend angesetzten Bundestagswahlen motivierten eine Schülergruppe des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums jedoch, ihre Recherchen fortzusetzen. In den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen stellte sie nun die neue "Linkspartei/PDS".

Vor seinem Wahlkampfauftritt in Siegen gab Spitzenkandidat Oskar Lafontaine am Mittwoch den Attendorner Schülern ein Exklusiv-Interview. Als Grund dafür, was ihn nach seinem radikalen Ausstieg aus der Politik veranlasst habe, nun wieder einzusteigen, nannte Lafontaine den "sozialpolitischen Kahlschlag". Er wolle seinen Beitrag leisten, hier gegenzusteuern. Die Linke müsse dem "neoliberalen Zeitgeist" ein Konzept entgegensetzen. Sein Verhältnis zu Gregor Gysi definierte der Spitzenkandidat vorsichtig: "Das ist eine gute politische Partnerschaft."

"Glaubwürdigkeit" ist laut Lafontaine die vorrangige Eigenschaft erfolgreicher Politiker. Der Frage, ob zum Erfolg auch Populismus gehöre, begegnete er diplomatisch: "Wenn unter Populismus verstanden wird, dass man so spricht, dass das Volk einen versteht, dann ja. Wenn darunter verstanden wird, dass man dem Volk mit gefälligen Unwahrheiten nach dem Munde zu reden versucht, dann nein."

Einen Koalitionspartner sieht der Spitzenkandidat für die Linkspartei derzeit nicht. Sobald sich einer finde, werde die Partei auch Regierungsverantwortung übernehmen. Angesprochen auf die Kritik an seiner Person und vor allem auf den Vorwurf, er sei lediglich ein "Schmuck-Wessi" der PDS, erwiderte Lafontaine, derartige Beschimpfungen gehörten im Wahlkampf leider dazu. Offenbar habe der politische Gegner Angst vor seiner Partei.

Auf die Frage, wen er am sympathischsten finde, Robin Hood, Napoleon oder Willy Brandt, war Lafontaines prompte Antwort: "Willy Brandt. Denn der war mein politischer Ziehvater."

Nach dem Interview präsentierte sich der Kandidat der Öffentlichkeit. Hier gab er sich ganz "proletarisch": hemdsärmlig, an einem schlichten Holzpult, auf einem schmucklosen Pritschenwagen, vor teils von Hand beschrifteten Wahlplakaten. Umso farbiger war seine Ansprache vor mehreren hundert Zuhörern: Steuern für die Reichen rauf, für die Armen runter, weg mit Hartz IV, weg mit den Studiengebühren.

Vor dem Interview mit dem Spitzenkandidaten hatte die Attendorner Schülergruppe bereits gründlich in Sachen Linkspartei recherchiert - auch beim politischen Gegner. Uwe Beul, Bundestagskandidat der SPD im Kreis Olpe: "Was die Linkspartei macht, ist Schaumschlägerei, eine Politik ohne Inhalt, die nicht finanzierbar ist und den Menschen etwas vorgaukelt." Anders sieht das der hiesige Kandidat der Linkspartei, Josef Filippek: "Die Resignation und die Verärgerung über die bestehende Politik sind sehr groß. Das greifen wir auf."

Westfälische Rundschau, Nr.205 (3.9.2005), S.ROE_5.


Westfalenpost vom 3.9.2005

"Willy Brandt war mein Ziehvater"

Schüler interviewten Oskar Lafontaine

Auch dieser Bericht variiert eine Pressemitteilung des St.-Ursula-Gymnasiums (s. o.).
Westfalenpost, Nr.205 (3.9.2005), S.POEA1.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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