Zurück Übersicht Seitenende Weiter

Zur Übersicht   Zur Übersicht

Medienreaktionen

Sonntags-Anzeiger vom 18.9.2005

Preisverleihung gestern Abend ergab: Attendorner Schüler auf Platz eins!

Mit "Traumjob Politiker" europaweit nach vorn

Attendorn. Einen hervorragenden ersten Platz errang das Team des St.-Ursula-Gymnasiums Attendorn beim europäischen Schülerwettbewerb "Join Multimedia 2005".

Die Freude bei Julia-Kristin Klein, Stefan Röben, Kerstin Rüenauver und Jonas Warns war riesig groß, als das Ergebnis gestern Abend im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung bei der Firma Siemens in München verkündet wurde.

Immerhin reichten 1380 Gruppen aus 28 europäischen Ländern Vorführungen zu vier vorgegebenen Themenkomplexen ein. Die vier 16-jährigen Jugendlichen aus der Hansestadt und ihr Mitschüler Niklas Bein, der derzeit als Gastschüler in Brasilien weilt und über Handy vom phantastischen Ergebnis erfuhr, hatten das hochaktuelle Thema "Traumjob Politiker?" gewählt.

  Das Siegerteam
Das erfolgreiche Team [beim] "Siemens Join Multimedia"-Wettbewerb des St.-Ursula-Gymnasiums aus Attendorn: Stefan Röben, Kerstin Rüenauver, Julia-Kristin Klein und Jonas Warns (v.l. sitzend), ihre junge Assistentin Anna Carla Kugelmeier und ihre Betreuer Eva Jansen und Frank U. Kugelmeier. Mit zum Team gehört Niklas Bein.
 
Mit Unterstützung der erst zwölfjährigen Anna Carla Kugelmeier und unter Betreuung ihrer Lehrer Frank U. Kugelmeier und Eva Jansen gestalteten sie eine fast 100 MB umfassende multimediale Show am PC, die die Jury restlos überzeugte. "Die Präsentation ist hervorragend recherchiert und journalistisch anspruchsvoll aufbereitet. Dem Team ist es vorbildlich gelungen, ein relevantes Thema interessant, vielschichtig und einfallsreich darzustellen", so die Bewertung für sieben Monate unermüdliches Schaffen, das mit einem Preisgeld von 2500 Euro und multimedialen Erlebnistagen in München belohnt wurde.

Bereits in der vergangenen Woche flatterte die glückliche Botschaft ins Haus, dass das St.-Ursula-Team zu den ersten drei Gewinnern gehört. Wie auch in den Jahren 2003 und 2004, als die fünf Jugendlichen in der Gruppe I (12 bis 15 Jahre) jeweils den dritten Preis in München in Empfang nehmen konnten.

Die Spannung war groß, als die Gruppe und ihre Betreuer in die Weltstadt fuhren. Dass es dieses Mal "Gold" war, machte auch Schulleiter Peter Wiedemeier und die Projektbetreuer Frank U. Kugelmeier und Eva Jansen stolz. Denn ihre Schüler stellten sich mit ihren gerade mal 16 Jahren erstmals in der Klasse II (16 bis 21 Jahre) der Konkurrenz der Oberstufe und schafften es ganz nach vorn.

Ursprünglich hatten die St.-Ursula-Schüler den Länderpreis angepeilt. Doch die Kooperation mit einem Team der Akademie in Kiew wurde bereits in der Anlaufzeit eingestellt. Es scheiterte an technischen Möglichkeiten, verschiedenen Vorstellungen und vermutlich auch an der Angst des ukrainischen Teams, Erfahrungen der orangefarbigen Revolution aufzuarbeiten.

So fiel die Wahl innerhalb der vier vorgegebenen Themen auf "Wirtschaft und Beruf: Traumjob gesucht". Die Jungs und Mädchen aus der Hansestadt entschieden sich, den bekannten, umstrittenen und unklar definierten Beruf des Politikers zu behandeln.

Jede freie Minute widmeten die Jugendlichen ihrem Projekt, das inzwischen auch für einen Wettbewerb beim österreichischen Bildungsministerium eingereicht wurde. Sieben Monate lang. Gemeinsam mit Eva Jansen und Frank U. Kugelmeier wurden Fragen formuliert, Politiker zwecks Interviews angeschrieben, Besuche von politischen Einrichtungen arrangiert und Experimente ausgedacht.

SPD-Chef Franz Müntefering, Helga Daub (FDP), Theo Kruse (CDU), Willi Brase (SPD) und Hartmut Schauerte (CDU) kamen sogar in das Attendorner Gymnasium und stellten sich den Schülerfragen zu Themen wie "Visionen und Ziele", "Fraktionsdisziplin", "Ohnmacht der Politik", "Frauen", "Jugend und Politikverdrossenheit", "Medien" und "politische Bodenhaftung".

Die engagierten Nachwuchsjournalisten besuchten Andreas Pinkwart (FDP) und Kerstin Müller (B'90/Grüne) und weitere Spitzenpolitiker im Landtag und klärten Eigenschaften ab, die ein Politiker mitbringen muss. Daneben fingen sie Eindrücke im Straßenwahlkampf ein, sprachen mit Oskar Lafontaine, setzten sich im Rahmen eines viel beachteten "Bettel-Experiments" in die Fußgängerzonen von Olpe [sic!], Gummersbach und Köln, befragten Mitschülerinnen und Mitschüler, gestalteten Illustrationen von Politiker-Arbeitsplätzen, des Landtags und einer Wahlkampfzentrale und hielten den Alltag der Abgeordneten in Text und Bild fest. Das etwa 100 MB umfassende Ergebnis mit sechs Modulen, das in dieser Woche der heimischen Presse präsentiert wurde, spricht nicht nur vom Inhalt her eindrucksvoll an, auch die technische Gestaltung ist hervorragend gelungen, nicht nur wegen des Gongs des Deutschen Bundestags. Da haben die Jugendlichen in ihrer Freizeit schon etwas Bemerkenswertes geleistet, mehr als 40 Stunden Bandmaterial und unzählige Fotos auf 30 Seiten zu verarbeiten.

Insgesamt war das Projekt, das im Intranet der Schule einzusehen ist und für Unterrichtszwecke verwandt werden soll, für die engagierten Schülerinnen und Schüler eine lehrreiche Erfahrung. Sie waren sehr erstaunt, dass fast alle Politiker sich zu den Interviews bereit erklärten. Es gab nur drei Absagen. "Wir waren anfangs schon aufgeregt, als kleine Schüler vor den großen Politikern zu sitzen", gestand Kerstin Rüenauver. "Doch wir haben bemerkt, dass es auch nur Menschen sind, wenn sich die meisten auch sehr medienorientiert ausdrücken."

Ihre Meinung zur Politik habe sich durch die Arbeit nicht verändert, waren alle einer Meinung. Jedoch würde man diejenigen, die man interviewt hätte, jetzt verstärkter beobachten. Nach all den Recherchen sahen sie den Alltag eines Politikers doch mit anderen Augen. Traumjob? "Eher nicht", lachte Stefan Röben.

Sonntags-Anzeiger vom 18.9.2005, S.3/E.


©  Marianne Möller (Sonntags-Anzeiger), Siegen und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

Zurück Übersicht Seitenanfang Weiter