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Medienreaktionen

Westfälische Rundschau vom 22.9.2005

Interviews zur Reform der Rechtschreibung

Mit Jürgen Rüttgers und Johanna Wanka

Der Artikel folgt - wie auch der unten stehende der "Westfalenpost" - in leicht gekürzter Fassung einer Pressemitteilung des St.-Ursula-Gymnasiums.
Westfälische Rundschau, Nr.221 (22.9.2005), S.ROE_8.


Westfalenpost vom 24.9.2005

Rechtschreibreform: alles Ansichtssache?

St.-Ursula-Team setzt Projektrecherchen in der Bildungspolitik fort

Attendorn. Gerade erst wurden sie für ihr Projekt "Traumjob Politiker?" mit dem ersten Preis im europaweiten Software-Wettbewerb "Siemens Join Multimedia" ausgezeichnet, da schwärmten die Schüler des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums bereits zu weiteren Politiker-Interviews aus. Diesmal standen die Bildungspolitik und hier speziell die Rechtschreibreform im Mittelpunkt ihrer Recherchen.

Dazu befragten sie kürzlich in Meinerzhagen NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und zwei Tage später in München während der Siemens-Preisverleihung die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die brandenburgische Bildungsministerin Johanna Wanka.

Obwohl beide Interviewpartner der CDU angehören, konnten die Ansichten zur Rechtschreibreform nicht unterschiedlicher sein. Jürgen Rüttgers, der die für den 1. August geplante Umsetzung der Reform zusammen mit Edmund Stoiber kurzfristig ausgesetzt hatte, verteidigte seine Entscheidung. Er werde die neue Rechtschreibung in NRW erst dann einführen, wenn sie auch fertig konzipiert sei. Der Ministerpräsident wörtlich: "Ich werde nichts umsetzen, worüber noch verhandelt wird." Den Vorwurf, das lange Hin und Her um die Reform belaste die Schüler, ließ er nicht gelten. Die Kinder und Jugendlichen würden durch die nur schrittweise Umsetzung der Reform in den anderen Bundesländern viel stärker beansprucht: "Unsere Schüler in NRW fangen dann später gleich mit dem Richtigen an." Im Übrigen müsse man in der Tat problematisieren, ob sich die Politik überhaupt in Fragen der Rechtschreibung einmischen sollte.

Ganz anders sieht dies die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK). Die Grundidee der Reform, die Schreibung einfacher zu machen, sei gut. Deswegen, so Johanna Wanka, sei der Alleingang von Rüttgers und Stoiber "in höchstem Maße ärgerlich". Die Ministerpräsidenten aller Bundesländer hätten die Kultusminister im vorigen Jahr mit klaren Vorgaben beauftragt, die Reform umzusetzen. Diese Vorgaben seien übererfüllt worden: "Und dann fällt vierzehn Tage vor der Umsetzung zwei Ministerpräsidenten ein, es anders zu wollen. So kann man nicht vorgehen. Wenn Beschlüsse gefasst worden sind, muss man sich auch daran halten!" Schließlich, so die KMK-Präsidentin, betreffe diese Entscheidung nicht nur Deutschland, sondern auch Österreich und die Schweiz: "Es wäre schlimm, wenn dieser Sprachraum deswegen jetzt auseinander fallen würde."

Darüber hinaus schlug Johanna Wanka aber auch selbstkritische Töne an: "Jahrelang haben die Politiker berechtigte Proteste der Bevölkerung gegen bestimmte Neuformulierungen der Groß- und Klein- bzw. Getrennt- und Zusammenschreibung nahezu ignoriert. Erst im letzten Jahr hat die KMK den Rat für deutsche Rechtschreibung installiert. Das hätte man alles schon viel eher machen können."

Westfalenpost, Nr.223 (24.9.2005), S.POEA1.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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