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Medienreaktionen

Westfälische Rundschau vom 17.1.2006

Nur der Papst war nicht zu sprechen

Schüler für Interviews ausgezeichnet

Attendorn. Sie haben Müntefering, Rüttgers oder Lafontaine interviewt. Nur an den Papst sind die Gymnasiasten der Attendorner St.-Ursula-Schule nicht herangekommen. "Das ist schwieriger als mit Gott zu sprechen", sagt Lehrer Frank Kugelmeier.

  Müntefering im Gespräch
Franz Müntefering sprach mit den Schülern des Attendorner Gymnasiums über den Traumjob Politiker.
Für ihr Projekt "Demokratie, repräsentativ - Traumjob Politiker?" hat die elfköpfige Gruppe 2005 Abgeordnete aus Land- und Bundestag, Parteivorsitzende wie Franz Müntefering oder Bundestags-Kandidaten wie Oskar Lafontaine (WASG), eine österreichische Landtagsabgeordnete und sogar einen Kardinal befragt.

Bereitwillig ließen sich die Politiker von den Schülern der Klassen sechs bis 13 löchern und plauderten über ihre persönliche Motivation, die Macht und ihre Ziele. Heraus kam eine mehrfach international ausgezeichnete CD-Präsentation für den Sozialwissenschaften-Unterricht, die am 30. Januar in Straßburg auch mit dem mit 1000 Euro dotierten "Young Active Citizens Award" der Europäischen Union [sic!] ausgezeichnet wird. Das St.-Ursula-Gymnasium ist der erste deutsche Preisträger überhaupt in diesem Wettbewerb.

"Die Idee hatten die Schüler", sagt Frank Kugelmeier. Ursprünglich sollte mit ukrainischen Schülern ein länderübergreifendes Projekt zu Demokratie entstehen. Doch daraus wurde in der wirren orangefarbenen Revolution nichts. Schnell sei dann "Traumjob Politiker" entstanden, sagt Kugelmeier.

Auch dabei mussten die Gymnasiasten Hürden überwinden. Ein Türöffner war der Sauerländer SPD-Vorsitzende Franz Müntefering. "Als der zugesagt hatte, nahm auch Peer Steinbrück seine Absage zurück", erinnert sich der Lehrer. Und mit SPD-Spitzenleuten waren auch die CDU-Größen oder Lafontaine zu locken. Angespornt vom Erfolg wollten die Pennäler auch Papst Benedikt am Rande des Weltjugendtages vors Diktiergerät lotsen. Doch der Vatikan lehnte ab. Stattdessen holten sich die Schüler Walter Kardinal Kasper vom päpstlichen Einheitsrat. "Wir haben uns vier Stunden Katechese in Köln [sic!] angehört und ihn danach in einer Sakristei abgefangen", so Kugelmeier.

Der Aufwand lohnte sich. Von der Siemens AG gab es für das Projekt den "Join Multimedia"-Preis für die beste schulische CD-Präsentation. Hinzu kam der "Media Literacy Award" des österreichischen Bildungsministeriums für das "beste medienpädagogische Projekt an europäischen Schulen" und anschließend der Hauptpreis bei "Netdays NRW" von der Landesregierung.

HINTERGRUND

Bettelarm oder stumm
  • Das St.-Ursula-Gymnasium Attendorn integriert immer wieder Projekte in den Unterricht.
  • Im Projekt "Bettelarm" sammelten Schüler Erkenntnisse über das Almosengeben in den Fußgängerzonen deutscher Städte.
  • Im Projekt "Die Stummen" verbrachten Schüler drei Tage ohne Reden und testeten die eigenen Reaktionen und die der Angeschwiegenen.
  • Infos: www.st-ursula-attendorn.de/Klassen/sowi/sw_haupt.htm

Westfälische Rundschau, Nr.14 (17.1.2006), S.1 und S.RWS1_.


©  Lars-Peter Dickel (Westfälische Rundschau), Dortmund und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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