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Medienreaktionen

Siegener Zeitung vom 24.1.2007

Schauerte stellte sich vielen Schülerfragen

EU-Projekttag: Politiker und Gymnasiasten im Gespräch

  Das Interviewerteam
Hartmut Schauerte (Mitte), Mitglied des Bundestags und Parlamentarischer Staatssekretär sprach mit (von links) Peter Beul (Klasse 13), Carsten Horn (Klasse 7), Anna Carla Kugelmeier (Klasse 8), Sonja Lütteke, Ines Linke und Dominik von Hagen (Klasse 13) vom St.-Ursula-Gymnasium Attendorn.
Attendorn. Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft initiierte Bundeskanzlerin Angela Merkel den 22. Januar als bundesweiten Europatag. An mehr als 700 Schulen wurde nach einem Aufruf von Politikern ein "EU-Projekttag" durchgeführt, um Schülerinnen und Schüler für die Europäische Union zu begeistern. Am St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn war der heimische Bundestagsabgeordnete Hartmut Schauerte, Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, zu Gast und stellte sich bei einer Podiumsdiskussion Fragen eines Schülerredaktionsteams. "Fühlen wir uns eines Tages nicht mehr als Deutsche, sondern als EU-Bürger?", lautete eine Frage. Das würde wohl nie eintreffen, mutmaßte Schauerte. Genauso wie die Menschen der Region sich nie zu 100 Prozent als Deutsche, sondern eher als Sauerländer fühlen würden. Seine Prognose: "Etwa 20 bis 30 Prozent Europäer, mehr als 70 Prozent Deutsche, Sauerländer, Attendorner." Doch eines stellte er klar: "Wenn wir Europa nicht hätten und die Globalisierung wäre über die Welt gekommen, müssten wir es auf der Stelle erfinden, sonst gingen wir in einer globalisierten Welt unter."

Einen Schwerpunkt der Diskussion bildete das Thema Bürokratieabbau. Hier müssten klare Zuständigkeiten hergestellt, es müsse klar abgegrenzt werden, was national und was europäisch sei, hob Schauerte hervor. "Jedes neue Gesetz und alle neuen Vorschriften müssen auf ihre bürokratischen Auswirkungen geprüft werden." Zudem müsse mehr auf kommunaler Ebene geleistet werden. "Was die Gemeinde kann, soll sie machen, sie soll sich nicht von oben reinreden lassen."

Die Aufnahme weiterer Staaten in die EU war [ein] weiteres Thema. Dass Kroatien und Serbien bald zur EU gehören, favorisierte Schauerte. Bei der Türkei schlage er eher eine privilegierte Partnerschaft vor, man könne nicht alle Staaten aufnehmen. "Unsere Grundwerte und Historie sind gut aufgestellt. Wir wären total überfordert, das alles in einem Staatenbund zu organisieren." Auf die Frage nach dem Reinheitsgebot des Bieres antwortete der Politiker aus Flape spontan: "Es wäre gut, wenn sich alles nach dem deutschen Reinheitsgebot richten würde. Veltins und Krombacher müssen bleiben", verriet er seine Leidenschaft zum Gerstensaft. Das Stichwort Sprachbarrieren in der EU griff Schauerte auf, um den Schülerinnen und [Schülern] ins Gewissen zu reden: "Deutschland ist zu klein für eure Zukunft. Wenn ihr freiwillig oder entsendet unterwegs sein, müsst ihr außer eurer Muttersprache mindestens eine Sprache, am besten Englisch, sprechen können. Das ist der wichtigste Rat, den ich euch geben kann."

Er selbst bedauerte, dass seine Englischkenntnisse nicht ganz so perfekt seien. Ob Bundeskanzlerin Angela Merkel die deutsche EU-Ratspräsidentschaft für einen Neuanlauf zum EU-Veriässungsvertrag für die inzwischen 27 Staaten nutzen werde, wollte ein Schüler wissen. "Ich traue der Frau Bundeskanzlerin viel zu, sie ist eine starke Type", sagte Schauerte spontan. Doch würden sechs Monate nicht ausreichen, Veränderungen auf den Weg zu bringen. Deshalb würde Deutschland jetzt schon mit den beiden Nachfolgestaaten kooperieren, um dann gemeinsam in 18 Monaten etwas zu bewirken.

Den Euro bezeichnete der Parlamentarische Staatssekretär als stabilstes Zahlungsmittel, denn er sei im Gegensatz zum gefallenen Dollar gestiegen: "Langfristig gesehen ist der Euro eine wichtige Antwort zur Sicherung Europas." Natürlich kam auch die Frage nach der CDU-Schwesterpartei in Bayern. "Wir hatten zwei Stürme und beide hatten zwei Dinge gemeinsam, sie waren sehr heftig und sehr kurz", so Schauerte. Edmund Stoiber habe einen guten Job gemacht, nicht ohne Grund sei Bayern das am besten aufgestellte Land in Deutschland. Doch er habe eine gute Wahl getroffen, seine Amter niederzulegen, denn er habe seinen eigenen Höhepunkt überschritten.

Auf die letzte Frage verweigerte Schauerte die Antwort. Sie lautete: "Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?" Nach sekundenlangem Zögern sagte er: "Das ist eine Frage, die ich als Politiker nicht beantworten werde. Ich muss auch etwas für mich behalten."

Siegener Zeitung, Nr.20 (24.1.2007), S.8.


©  Marianne Möller (Siegener Zeitung), Olpe/Siegen und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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