Zurück Übersicht Seitenende Weiter

Zur Übersicht   Zur Übersicht

Medienreaktionen

Siegener Zeitung vom 3.5.2007

Schüler interviewten Erzbischof

Attendorner Gymnasiasten bei Hans-Josef Becker und Bundestagspräsident Lammert

Attendorn/Arnsberg. Ihren auch überregional bekannt gewordenen Interviews mit deutschen Spitzenpolitikern fügte die Schüler-Arbeitsgemeinschaft "Traumjob Politiker?" des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums jetzt ein weiteres hinzu. Kein Geringerer als Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) stand den Jugendlichen in Arnsberg eine halbe Stunde lang Rede und Antwort.

Zu Beginn stellte Lammert klar, dass er als Präsident des Deutschen Bundestags zwar zur Überparteilichkeit verpflichtet sei, dass er sich aber als Parlamentsmitglied durchaus auch das Recht nehme, politisch Stellung zu beziehen. Allerdings habe er persönlich es sich zur Gewohnheit gemacht, sich in aktuellen Streitfragen zurückzuhalten und sich stattdessen mehr den grundsätzlichen Themen zuzuwenden.

Dem Vorwurf, früher seien die politischen Reden im Bundestag gehaltvoller gewesen als heute, begegnete Lammert mit zwei Argumenten. Zum einen seien die großen Richtungsentscheidungen in Deutschland - die soziale Marktwirtschaft, die Westorientierung, die Wiederbewaffnung - in der Frühzeit der Bundesrepublik gefallen. Von daher habe man die hochgradig kontroversen Debatten damals als existenzieller empfunden als heutige Diskussionen "über Rentenanpassungen von 0,65 Prozent". Zum anderen behalte man - nicht nur in der Politik - in der Erinnerung meist nicht die Tagesbanalitäten, sondern die großen Ereignisse. Auch damals habe es aber bei genauerem Hinsehen nicht mehr als zehn Abgeordnete gegeben, die als Redner einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätten.

Ob Politiker heutzutage überhaupt noch Macht besäßen, ob diese nicht längst in die Vorstandsetagen der großen Konzerne abgewandert sei, wollten die Schüler weiter wissen. Auch hier antwortete Lammert abwägend. Sicher habe man es inzwischen mit einer "Ökonomisierung von Politik" zu tun. Andererseits seien es aber immer noch die Politiker, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen festlegten.

  Im Gespräch
Anna Carla Kugelmeier, Sebastian Rabe und Philipp Böhmer im Gespräch mit Erzbischof Hans-Josef Becker im Collegium Bernardinum in Attendorn.
Auf die Frage, welche Eigenschaften ein erfolgreicher Politiker haben müsse, antwortete Lammert kurz und bündig: "Sensibilität und ein dickes Fell." Das eine sei ebenso unverzichtbar wie das andere. Für den größten Fehler eines Politikers hält es der Bundestagspräsident, sich in eine ausweglose Lage zu manövrieren. Man brauche immer Gestaltungsalternativen: "Deshalb ist politischer Fundamentalismus eine der Untugenden in einem demokratisch verfassten Staat."

Auch den Aspekt "Kirche und Politik" hatten die Schüler auf ihrer Themenliste. Lammert zeigte hier ein Dilemma auf: "Kirche und Religionen handeln von Wahrheiten. Dabei spielen Mehrheiten keine Rolle. Politik handelt hingegen von Mehrheiten und beruht auf der Überzeugung, dass niemand Wahrheitsansprüche erheben darf."

Ob sich vor diesem Hintergrund Kirchenvertreter überhaupt in die Politik einmischen dürften, fragten die Schüler weiter - und hatten dabei die Äußerungen des Augsburger Bischofs Walter Mixa zur Krippenpolitik der Familienministerin im Blick. Lammert bejahte dies ausdrücklich, wobei er sich eine solche Beteiligung jedoch weniger in tagesaktuellen Auseinandersetzungen, sondern eher in Grundsatzfragen des Lebensschutzes oder der bioethischen Entwicklung wünschte. Zugleich schränkte er ein: "Wenn ich mich in eine politische Debatte begebe, muss ich mich auch deren Spielregeln unterwerfen. Dann hat auch ein Bischof keinen Wahrheitsanspruch auf seiner Seite." Nur diejenige Politik könne also umgesetzt werden, für die es letztlich eine Mehrheit gebe.

Dass Kirchenvertreter durchaus das Recht hätten, in der Politik mitzureden, hatten die Attendorner Schüler bereits neun Tage zuvor in einem anderen Interview erfahren. Denn auch den Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hatten sie vor Kamera und Mikrofon. Wenn Christen etwas bemerkten, was nicht in Ordnung sei, dann, so Becker gegenüber den Gymnasiasten, müssten sie den Finger in die Wunde legen und sich äußern. Freilich machte auch der Erzbischof eine Einschränkung: "Dazu gehört allerdings, sich so sachlich und so hilfreich wie möglich zu äußern - damit nicht neue Polarisierungen aufgebaut werden."

Siegener Zeitung, Nr.102 (3.5.2007), S.10.


Westfälische Rundschau vom 4.5.2007

Lammert gab Auskunft

Attendorner Schüler interviewten Bundestagspräsidenten

Interview mit Norbert Lammert
Die St.-Ursula-Schüler im Gespräch mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (re.). Daneben der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel.

Die Meldung folgt, wie die oben abgedruckte aus der Siegener Zeitung (wenn auch gegen Ende gekürzt), den Presseinformationen des St.-Ursula-Gymnasiums.
Westfälische Rundschau, Nr.103 (4.5.2007), S.ROE_3.


Westfalenpost vom 10.5.2007

Den Mächtigen auf den Zahn gefühlt

Attendorner Schüler sprachen mit Bundestagspräsident Norbert Lammert und Erzbischof Hans-Josef Becker

Auch diese Meldung folgt der Pressemitteilung der Schule.
Westfalenpost, Nr.108 (10.5.2007), S.POEA1.


Der Dom vom 20.5.2007

Von Mehrheiten und Wahrheiten

Attendorner Schüler befragten Erzbischof und Bundestagspräsident

Attendorn. Es ist ein ambitioniertes Schulprojekt: Schüler des Erzbischöflichen St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn befragen Prominente unter anderem über ihre Vorstellungen zum Jenseits (Der DOM berichtete). Jüngste Interviewpartner der Schüler waren Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker und Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Der Besuch des Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker anlässlich der 100-Jahr-Feier des Internats Collegium Bernardinum in Attendorn (Der DOM berichtete) bot der Schüler-AG "Traumjob Politiker?" des dortigen St.-Ursula-Gymnasiums die Gelegenheit, den Erzbischof zum Verhältnis von Religion und Politik zu befragen. Dabei zielten die Jugendlichen vor allem auf die Nahostreise der deutschen Diözesanbischöfe, die kürzlich für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Palästina sei ein wunderschönes Land, aber auch ein Land voller Widersprüche, erklärte der Erzbischof. Denn angesichts der politischen Verhältnisse sei die Situation bedrückend. Angesprochen auf die Äußerungen des Eichstätter Bischofs Hanke, beim Besuch der von Israel abgeriegelten Palästinensergebiete fühle man sich an eine "gettoartige Situation" erinnert, erklärte Becker, diese Formulierung sei nur aus der Unmittelbarkeit der damaligen Betroffenheit angesichts der neun Meter hohen Grenzmauer zu verstehen. "Ob es klug war, das dann - auch im Zusammenhang mit dem Warschauer Getto - an einer solchen Stelle zu betonen, ist eine andere Sache", sagte Becker.

Dass die Situation in Nahost ein Beleg für Samuel Huntingtons These vom "Kampf der Kulturen" sei, verneinte der Erzbischof. Sehr wohl manifestiere sich dort jedoch ein "Krisensymptom unserer heutigen Zeit": "Solange es keine stabile Regelung für den Nahen Osten gibt, wird er immer auch eine Gefährdung des Weltfriedens darstellen."

Mit Blick auf die jüngsten Äußerungen des Augsburger Bischofs Mixa zur Krippenpolitik der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen stellte Becker klar, dass es jedem Christen, wenn er offensichtliche Missstände erkenne, zustehe, den Finger auf die Wunde zu legen und sich zu äußern. Doch schränkte der Erzbischof ein: "Es gehört dazu allerdings, sich so sachlich und so hilfreich wie möglich zu äußern - damit nicht neue Polarisierungen aufgebaut werden."

  Lammert im Gespräch
Schüler des Erzbischöflichen Gymnasiums St. Ursula in Attendorn befragten vergangene Woche Bundestagspräsident Norbert Lammert bei dessen Besuch in Arnsberg auch zum Verhältnis von Kirche und Politik.
Bundestagspräsident Norbert Lammert fragten die Schüler vergangene Woche in Arnsberg, ob Politiker heutzutage überhaupt noch Macht besäßen, ob diese nicht längst in die Vorstandsetagen der großen Konzerne abgewandert sei. Lammert antwortete abwägend. Sicher habe man es inzwischen mit einer "Ökonomisierung von Politik" zu tun. Andererseits seien es aber immer noch die Politiker, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen festlegten.

Auf die Frage, welche Eigenschaften ein erfolgreicher Politiker haben müsse, antwortete Lammert kurz und bündig: "Sensibilität und ein dickes Fell". Das eine sei ebenso unverzichtbar wie das andere. Für den größten Fehler eines Politikers hält es der Bundestagspräsident, sich in eine ausweglose Lage zu manövrieren. Man brauche immer Gestaltungsalternativen: "Deshalb ist politischer Fundamentalismus eine der Untugenden in einem demokratisch verfassten Staat."

Auch den Aspekt "Kirche und Politik" hatten die Schüler auf ihrer Themenliste. Lammert zeigte hier ein Dilemma auf: "Kirche und Religionen handeln von Wahrheiten. Dabei spielen Mehrheiten keine Rolle. Politik handelt hingegen von Mehrheiten und beruht auf der Überzeugung, dass niemand Wahrheitsansprüche erheben darf."

Ob sich vor diesem Hintergrund Kirchenvertreter überhaupt in die Politik einmischen dürften, fragten die Schüler weiter - und hatten dabei die Äußerungen des Augsburger Bischofs Mixa zur Krippenpolitik der Familienministerin im Blick. Lammert bejahte dies ausdrücklich, wobei er sich eine solche Beteiligung jedoch weniger in tagesaktuellen Auseinandersetzungen, sondern eher in Grundsatzfragen des Lebensschutzes oder der bioethischen Entwicklung wünschte. Zugleich schränkte er ein: "Wenn ich mich in eine politische Debatte begebe, muss ich mich auch deren Spielregeln unterwerfen. Dann hat auch ein Bischof keinen Wahrheitsanspruch auf seiner Seite." Nur diejenige Politik könne umgesetzt werden, für die es letztlich eine Mehrheit gebe.

Die Meldung verbindet zwei Presseinformationen der Schule.
Der Dom, Nr.20 (20.5.2007), S.44.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

Zurück Übersicht Seitenanfang Weiter