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Medienreaktionen

Siegener Zeitung vom 5.10.2007

60 Jahre politische Arbeit

Gymnasiasten zu Gast bei der ehemaligen Landtagsabgeordneten Elsbeth Rickers

Attendorn/Wenden. Auch in den Herbstferien war die Schüler-AG "Traumjob Politiker?" des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums aktiv. Diesmal befragten die Jugendlichen in Wenden die langjährige Landtagsabgeordnete Elsbeth Rickers (CDU). In einem zweieinhalbstündigen Interview gab die mittlerweile 91-jährige Ehrenbürgerin der Gemeinde Wenden Auskunft zu sechs Jahrzehnten politischer Arbeit.

  Gruppenfoto
Elsbeth Rickers (Mi.) sprach mit den Attendorner Schülern Anna Carla Kugelmeier, Sebastian Rabe, Kerstin Rüenauver und Lea Brohsonn (v.l.).
Auf die Frage, ob es einen Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Politik gebe, wusste die ehemalige Parlamentarierin sofort eine Antwort: Politikerinnen müssten häufiger die anstrengenden Arbeiten übernehmen, für die sich die Herren zu fein seien. In ihrer aktiven Zeit habe jeder männliche Politiker mit Freuden in der Landeshauptstadt Reden gehalten. Wenn es jedoch darum gegangen sei, zu einem Vortrag ins ferne Ostwestfalen zu reisen, habe man den Kolleginnen galant den Vortritt gelassen - mit dem fadenscheinigen Argument, das dortige Publikum wolle "lieber mal eine Frau hören".

Dass sie sich als Frau um das Direktmandat im Wahlkreis Olpe beworben und dieses dann auch erobert habe, sei seinerzeit, so Elsbeth Rickers, eine mittlere Sensation gewesen. "Für viele Männer in meiner Partei war das unvorstellbar." Dabei machten Frauen in der Regel die bessere Politik: "Sie stehen mehr im Leben als die Männer." Bezeichnend sei in dieser Hinsicht eine Begegnung mit Bundeskanzler Konrad Adenauer gewesen. Gönnerhaft habe dieser in ihre Richtung gefragt: "Was will denn das Küken hier?" Darauf habe sie ihm geantwortet: "Ohne dieses Küken hätten Sie früher ganz schön hungern müssen." - In der Tat hatte ihm Elsbeth Rickers im Dritten Reich, als er von den Nazis inhaftiert worden war, zusätzliche Lebensmittel ins Gefängnis geschmuggelt.

Auch zu anderen Politikern bezog die Ex-Landtagsabgeordnete Stellung. Während sie ihr Verhältnis zu Willy Brandt als "gespalten" beschrieb und auch gegenüber Helmut Kohl Vorbehalte hatte, charakterisierte sie Johannes Rau als einen "freundlichen, herzensguten Mann". Leider habe er den Fehler begangen, sich am Ende seines erfüllten Politikerlebens noch zum Bundespräsidenten wählen zu lassen: "Das war unglücklich." - Angela Merkel mache ihre Arbeit besser, als ihr viele zugetraut hätten. Oskar Lafontaine finde sie hingegen einfach nur "furchtbar".

Nachdenklich reagierte Elsbeth Rickers auf die Frage, ob die Nazi-Ideologie nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich aus den Köpfen der Deutschen verschwunden sei. "Ich fürchte, die gibt es auch jetzt noch", erwiderte die CDU-Politikerin. "Wenn ich mir ansehe, wie heutzutage in unserer Gesellschaft oft mit Alten und Behinderten umgegangen wird, dann frage ich mich schon, ob da nicht doch noch der Gedanke vom ,lebensunwerten Leben' herumspukt."

Beeindruckt zeigten sich die jugendlichen Interviewer von dem Engagement, mit dem sich die 91-Jährige auch heute noch sozialpolitisch betätigt. Nach wie vor ist sie Vorsitzende der Olper "Mutter und Kind"-Stiftung, und als ehemalige Beiratsvorsitzende der Justizvollzugsanstalt Attendorn nimmt sie zudem regen Anteil an den derzeitigen Plänen zur Erweiterung des Gefängnisses. "Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie es sich die Attendorner gefallen lassen können, dass man ihnen mitten in ihr Tourismusgebiet eine neue Strafanstalt mit fünfeinhalb Meter hohen Außenmauern setzen will", gab sie den Jugendlichen zu Protokoll.

Als sie hörte, dass sich eine ihrer Interviewpartnerinnen im neu gegründeten Attendorner Jugendparlament engagiere, wurde ihre Stimmung allerdings wieder gnädig. "Das ist die richtige Richtung", gab sie den Schülern mit auf den Weg. "Mischt euch ein! Macht euch bemerkbar!"

Siegener Zeitung, Nr.231 (5.10.2007), S.10.


Westfälische Rundschau vom 5.10.2007

Rickers: Frauen machen bessere Politik

Attendorner Schüler interviewten Wendener CDU-Politikerin - Auch mit 91 Jahren noch engagiert

Attendorn. Die Schüler-AG "Traumjob Politiker?" des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums befragte in Wenden die langjährige Landtagsabgeordnete des Kreises Olpe Elsbeth Rickers (CDU).

  Im Gespräch
Elsbeth Rickers stand Attendorner Gymnasiasten Rede und Antwort.
Die 91-Jährige "Grande Dame" der heimischen Politik gab Auskunft zu sechs Jahrzehnten politischer Arbeit. Auf die Frage nach einem Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Politik meinte Rickers, Politikerinnen müssten häufiger die anstrengenden Arbeiten übernehmen, für die sich "die Herren zu fein" seien. In ihrer aktiven Zeit habe jeder männliche Politiker mit Freuden in der Landeshauptstadt Reden gehalten. Wenn es jedoch darum gegangen sei, zu einem Vortrag ins ferne Ostwestfalen zu reisen, habe man den Kolleginnen galant den Vortritt gelassen.

[...]

Die Information, dass sich eine ihrer Interviewpartnerinnen im neu gegründeten Attendorner Jugendparlament engagiert, kommentierte Elsbeth Rickers mit: "Das ist die richtige Richtung" und forderte die Jugendlichen auf: "Mischt euch ein! Macht euch bemerkbar!"

HINTERGRUND
 
Stets engagiert und hoch dekoriert
  • Am 20. April 1916 wurde Elsbeth Rickers in Essen geboren und kam 1929 nach Wenden.
  • Dem Kreistag Olpe gehörte die CDU-Aktivistin von 1964 bis 1983 an. Im NRW-Landtag saß sie von 1969 bis 1985.
  • 17 Jahre war sie im Kreis Olpe Vorsitzende des Jugendwohlfahrtsausschusses, 15 Jahre stand sie dem Sozialausschuss vor.
  • 1976 erhielt Elsbeth Rickers das Verdienstkreuz erster Klasse verliehen, 1989 das große Bundesverdienstkreuz und im Jahr 2001 wurde sie mit dem großen Verdienstkreuz mit Stern des Landes NRW ausgezeichnet. Sie bekam außerdem den "Päpstlichen Silvesterorden" vom Vatikan und den "Großen Brotteller" der Caritas verliehen.
  • 1999 veröffentlichte sie ihr Buch mit dem Namen "Kleine Geschichten aus Möllmicke".

Die Meldung folgt (wie auch die aus der Siegener Zeitung oben) weitgehend den Informationen der Schule, wurde allerdings um einen "Hintergrund"-Infokasten ergänzt.
Westfälische Rundschau, Nr.232 (5.10.2007), S.ROE_4 (gekürzt).


Westfalenpost vom 5.10.2007

Macht euch bemerkbar!

Elsbeth Rickers im Interview der Schüler-AG "Traumjob Politiker?"

Auch dieser Artikel folgt weitgehend der Pressemeldung der Schule.
Westfalenpost, Nr.232 (5.10.2007), S.POEK4.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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