Zurück Übersicht Seitenende Weiter

Zur Übersicht   Zur Übersicht

Medienreaktionen

Süderländer Tageblatt vom 26.8.2008

Ulla Schmidt kandidierte 1976 als Kommunistin für den Bundestag

Von der Linkspartei will die Gesundheitsministerin heute nichts wissen: Überflüssig und nicht koalitionsfähig. Attendorner und Plettenberger Schüler interviewten sie

Früher dachte sie, dass der Lehrberuf der Schönste sei, aber heute ist sich Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sicher: "Politikerin ist mein Traumberuf." Das erfuhr unter anderem die mehrfach international preisgekrönte Schüler-AG "Traumjob Politiker" in der Hansestadt bei einem Interview mit der einstigen Sonderschullehrerin und heutigen SPD-Spitzenpolitikerin. Damit reihte sie sich in die lange Reihe interviewter Politiker ein.

  Ulla Schmidt
Vgl. den Kommentar unten hinter der Quellenangabe.
Attendorn. Die beiden Attendornerinnen Lea Brohsonn und Anna Carla Kugelmeier sowie der Plettenberger David Jansen, alle Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn, befragten Ulla Schmidt nicht nur über tagespolitische Dinge, sondern auch über ihre eigene Meinung und über Privates.

Schmidt gab zunächst an, auf dem Weg in die Politik erstmals 1990 für den Deutschen Bundestag kandidiert zu haben.

Doch die mittlerweile routinierte und erfahrene Politik-AG hatte im Vorfeld recherchiert und so bestätigte die jetzige Ministerin auf Nachfrage, dass sie bereits zu Studienzeiten im Jahre 1976 für den Bundestag kandidiert habe, und zwar nicht für die SPD, sondern für den Kommunistischen Bund Westdeutschland. Grund hierfür sei die damalige Studentenbewegung gewesen. "Aber da hatte ich nicht so viele Stimmen, dass ich in den Bundestag gekommen bin", erklärte die Ministerin. Schließlich trat sie 1983 in die SPD ein, eine Partei, die ihrer politischen Einstellung nach Frieden und mehr Gerechtigkeit fast vollständig entsprach.

Allerdings erklärte sie nicht, warum sie nicht bei dem KBW geblieben sei. Seit 1990 hat sie jedenfalls einen Sitz als Abgeordnete in Berlin und kann sich ein Leben ohne Politik nicht mehr vorstellen.

Zum Thema "Frauen und Politik" äußerte sich die Gesundheitsministerin ebenfalls klar und deutlich. Frauen nähmen ihrer Ansicht nach weiterhin eine untergeordnete Rolle ein, obwohl der Bundestag heutzutage viele weibliche Abgeordnete habe. "Es ist immer noch nicht so, dass es selbstverständlich ist, dass Frauen für Führungsaufgaben so vorgesehen werden wie Männer. Wenn ein guter Mann da ist, fällt es immer noch schwer, sich für die gute Frau zu entscheiden." An den Kriterien Standfestigkeit, Mut und Durchsetzungskraft, in Schmidts Augen mit die wichtigsten Punkte eines guten Politikers, scheint diese Entscheidung jedoch nicht zu liegen.

Gefragt nach "Medien, der vierten Macht im Staat", zeigte die SPD-Politikerin Besorgnis, weil durch die Medien, vor allem aber durch das Fernsehen, jede Information, ob überprüft oder nicht, in "die Welt gepustet" werde. Problematisch sei dabei, dass die Bürger grundsätzlich alles aufnähmen, mögliche Korrekturen jedoch nicht berücksichtigen. "Das führt zu einer Verwirrung in der Politik und macht Politik zu vertreten so schwierig." Daher werde die Medienwirksamkeit in der heutigen Zeit immer wichtiger und die Pressefreiheit sei die "vierte Macht" im Staat.

Von einer Mediensucht ihrerseits, immer jeden Morgen etwas von sich in der Zeitung lesen zu müssen, möchte Ulla Schmidt jedoch nicht sprechen. Zur aktuellen nationalen Politik wollte die AG Schmidts Standpunkt zur Linkspartei wissen: "Ich halte die Linkspartei erstens für überflüssig und zweitens, was die Bundesebene angeht, für überhaupt nicht koalitionsfähig", war ihre kurze, aber präzise Antwort. Doch auch in anderen tagespolitischen Dingen vertritt sie klare Standpunkte:

Der größte Wunsch von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ist jedoch eine Bürgerversicherung, "damit alle in diesem Land sich gerecht an der Finanzierung des Gesundheitswesen beteiligen und auf der Basis dann auch weiterhin Reformen gemacht werden können."

Das Projekt "Traumjob Politiker" sowie das gesamte Interview mit Ulla Schmidt kann in Kürze auf der von Betreuungslehrer Frank U. Kugelmeier eingerichteten Internet-Homepage www.sowi.st-ursula-attendorn.de/tp angesehen werden.

Süderländer Tageblatt vom 26.8.2008.
Der Artikel ist ein beredtes Beispiel dafür, wie ein sachlicher Beitrag durch eine tendenziöse redaktionelle Bearbeitung einen unangenehmen Beigeschmack erhält. Darauf verweist schon die Auswahl der Überschrift, mehr aber noch die redaktionell formulierte Unterschrift des Begleitbildes, die unterstellt, die Gymnasiasten hätten die Ministerin "überführt", ihre Biografie geschönt zu haben. Von einer Enthüllung kann jedoch keine Rede sein. Schmidts Kandidatur für den KBW war und ist beispielsweise bei Wikipedia nachzulesen.


©  David Jansen (Süderländer Tageblatt), Plettenberg und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

Zurück Übersicht Seitenanfang Weiter