Zurück Übersicht Seitenende Weiter

Zur Übersicht   Zur Übersicht

Medienreaktionen

Westfalenpost vom 27.5.2009

Türkei nicht reif für Aufnahme in die EU

Attendorner Schüler befragten Politiker nach ihrer Meinung

Warum sollen wir zur Europawahl gehen? Unter diesem Motto standen jetzt die Recherchen der Schüler-Arbeitsgruppe "Traumjob Politiker?" des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums. Europaabgeordnete und solche, die es werden wollen, gaben Auskunft.

Wählen sei ein "Grundbaustein von Demokratie", antwortete beispielsweise die heimische SPD-Kandidatin Birgit Sippel. Wer da nicht mitmache, vergebe Zukunftschancen. Sie selbst halte Europa momentan für die "spannendste politische Ebene", denn dort sei gerade vieles im Auf- und Umbruch. Ähnlich äußerte sich ihr Mitbewerber von der CDU, Dr. Peter Liese: "Wer nicht mitbestimmt, über den wird bestimmt." In der Europapolitik gebe es, so Liese, viel zu tun: Besonders im wirtschaftlichen, ökologischen und polizeilichen Bereich müsse die Zusammenarbeit der Staaten intensiviert werden.

Weitere Recherchen betrieben die AG-Mitglieder beim 9. Europafest in Düsseldorf. Angesichts der Buntheit der Stände, mit denen sich die Staaten der EU dort rund um den Landtag präsentierten, interessierte die Schüler am meisten, wie viel zusätzliche Vielfalt die Europäische Union künftig noch vertragen wird - sprich: wie die Verantwortlichen über einen Beitritt weiterer Staaten, etwa der Türkei oder Kroatiens, denken.

Hierbei stellte sich heraus, dass sich bei den meisten Parteien die Erweiterungs-Euphorie in Grenzen hält. Petra Kammerevert (SPD), Düsseldorfer EU-Parlaments-Kandidatin, nannte für den Beitritt neuer Staaten drei wesentliche Voraussetzungen, die auch als "Kopenhagener Kriterien" bekannt sind: die Übernahme des bestehenden EU-Rechtssystems, die Wahrung der Menschenrechte und die Gewährleistung einer sozialen Marktwirtschaft. Sie habe jedoch, insbesondere hinsichtlich der Menschenrechte, Bedenken, ob etwa die Türkei diese Kriterien momentan erfüllen könne.

Ähnlich vorsichtig äußerte sich Landtagspräsidentin Regina van Dinther (CDU). Gegen eine "privilegierte Partnerschaft" mit der Türkei spreche schon aus geostrategischer Sicht nichts. Für eine Vollmitgliedschaft sei es allerdings noch zu früh.

Deutlicher wurde der Europaabgeordnete Alexander Alvaro (FDP). Falls die Türkei die Beitrittskriterien erfülle, gebe es keinen Grund, ihr die Aufnahme zu verweigern. Er sehe diese Voraussetzungen in den nächsten zehn Jahren freilich nicht.

Die Skepsis der Politiker hinderte die Türkei und Kroatien indessen nicht, sich den Gästen des Europafests mit eigenen Informationspavillons vorzustellen, und so konnten die Attendorner Jugendlichen vielfältige Eindrücke mit nach Hause nehmen. Die Schüler sind in der Verwaltung des Landesparlaments übrigens inzwischen so bekannt, dass sie einen Teil ihres Interviews mit der Landtagspräsidentin im Rahmen des Festprogramms auf offener Bühne vor Publikum führen durften.

Westfalenpost, Nr.122 (27.5.2009), S.POEK5.


Westfälische Rundschau vom 27.5.2009

Westfälische Rundschau, Nr.122 (27.5.2009), S.ROE_5.
(Seit dem 16.5.2009 ist der dem Kreis Olpe zugehörige Lokalteil der Westfälischen Rundschau mit dem der Westfalenpost identisch.)


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

Zurück Übersicht Seitenanfang Weiter