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Interview

Gerhard Papke, MdL   Gerhard Papke,
Jahrgang 1961,
Mitglied des NRW-Landtags (FDP),
Fraktionsvorsitzender

Persönlichkeitsmerkmale

Herr Dr. Papke, ist Politiker Ihr Traumberuf?

Im Eingang zum Landtagsplenum Es ist ein interessanter Beruf, allerdings ein Beruf auf Zeit. Man wird für eine bestimmte Zeit ins Parlament gewählt. Man hat also eine befristeten Vertrag. Man muss sich das Vertrauen der Bürger immer wieder erarbeiten. Deshalb genieße ich diese Zeit - auch die Verantwortung, die ich von den Bürgern übertragen bekommen habe, weiß aber: Es ist kein Beruf wie jeder andere, und ich werde das sicherlich auch nicht bis zum Eintritt ins Rentenalter machen.

Wie sind Sie gerade zur FDP gekommen?

Aus Überzeugung. Ich habe mich schon als junger Mann, mit 16, 17, 18 Jahren, sehr intensiv mit den politischen Programmen der Parteien auseinander gesetzt. Und ich glaube, dass die Idee der Freiheit nicht nur für das Land das Richtige ist, sondern für mich persönlich auch. Ich meine, es muss das Ziel sein, unser Zusammenleben mit größtmöglicher Freiheit, aber natürlich auch Verantwortung des einzelnen Bürgers zu gestalten.

Welche Eigenschaften sollte jemand haben, der in der Politik erfolgreich sein will?

Er muss vor allem eins haben: Er muss Menschen mögen. Ich glaube, wenn man in die Politik geht, ist es ungeheuer wichtig, den Ehrgeiz zu haben, für Menschen etwas zu bewegen. Und man muss gerne mit ihnen zusammenarbeiten. Wer das nicht mitbringt, der ist in der Politik an der falschen Adresse.

Darf ich Ihnen einige Eigenschaften nennen, und Sie sagen mir dann kurz, ob man diese benötigt?

Schießen Sie los!

 


Zielgerichtetheit?

Braucht man.

Idealismus?

Sollte man auch mitbringen.

Altruismus?

Nennen wir es: Orientierung am Allgemeinwohl.

Populismus?

Davor sollte man sich hüten.

Kompromissbereitschaft?

Ohne Kompromissbereitschaft geht nichts in der Politik.

Taktisches Geschick?

Kann schon nützlich sein.

Wille zur Macht?

Nennen wir es: Wille zur Gestaltung. Das ist wichtig in der Demokratie.

Charisma?

Ist sicherlich im Idealfall vorhanden. Aber nicht von jedem Politiker kann man gleich charismatische Züge erwarten.

Skrupellosigkeit?

Ist nie gut. Weder in der Politik noch im sonstigen Leben.

Gutes Aussehen?

Ist immer eine Frage des subjektiven Geschmacks...

Medienwirksamkeit?

Ist ganz wichtig heutzutage, um in der Politik überhaupt durchzudringen. Denn die Medien transportieren die Inhalte, die beispielsweise auch hier im Landtag debattiert werden.

Unverwechselbarkeit?

Ist sehr, sehr hilfreich. Ich glaube, darum müssen sich auch alle politischen Parteien bemühen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass alle für ein und dieselbe Position stehen. Politik, Demokratie lebt von unterschiedlichen Positionen und auch von der Sachdebatte über diese unterschiedlichen Haltungen.

Welchen Fehler sollte ein Politiker oder eine Politikerin auf keinen Fall machen?

Es gibt viele Fehler, die man als Politiker vermeiden sollte. Ich will es mal positiv formulieren: Man sollte glaubwürdig sein. Man sollte zu seinen Positionen stehen. Und man darf nie den Eindruck erwecken, dass man Positionen vertritt, weil man von deren taktischer Bedeutung überzeugt ist.

Welche Fehler haben Sie bereits gemacht?

Ich mache täglich Fehler - wie jeder andere Mensch auch - und versuche daraus zu lernen.

Freut es Sie, wenn Ihre politischen Gegner Fehler machen?

Man muss sehen, dass man selber überzeugend ist. Dann ist man nicht darauf angewiesen, dass die anderen Fehler machen.

Medien

Politik spielt sich heutzutage vielfach über die Medien ab - vor allem über das Fernsehen, zum Beispiel in Politik-Talkshows. Ist das eher ein Segen oder ein Fluch?

Das ist eine interessante Frage. Sowohl als auch. Die Medien sind das Mittel, um unsere politischen Inhalte zu transportieren, und wir arbeiten täglich mit Medienvertretern zusammen.
   Es ist aber wichtig, Politik nicht zu einer Talkshow-Angelegenheit degradieren zu lassen, in der es, wie man es manchmal leider erlebt, nur darum geht, mit Überschriften Stimmungen zu machen.
   Es muss der Anspruch demokratischer Politiker sein, Probleme lösen zu helfen, das heißt, auch konkrete, sachlich fundierte Antworten zu geben. Und das passt nicht immer zu den Talkshow-Formaten, mit denen die Bürgerinnen und Bürger inzwischen leider jede Woche abends überrascht werden.

Projektgruppe und Fraktionsvorsitzender Betrachten Sie die Massenmedien als "vierte Macht" im Staat?

Die Medien haben mehr denn je eine ganz, ganz wichtige Rolle als vierte Macht. Diese Rolle ist unverzichtbar in einer Demokratie. Auch wenn der eine oder andere Bericht, den man dann als Politiker über sich selber, über die eigenen Positionen liest, für einen nicht so angenehm ist, muss man damit leben, dass die Medien diese unabhängige Wächterrolle haben. Und das ist gut so.

Horst Seehofer, der jetzige Landwirtschaftsminister, hat in einem Fernsehinterview vor einiger Zeit zugegeben, dass er jeden Morgen, an dem er sich nicht in der Zeitung fand, deprimiert gewesen sei. Deshalb unsere Frage: Macht Politik süchtig - vor allem mediensüchtig?

Wir wissen als Politiker, dass wir die Medien brauchen, um unsere Inhalte überhaupt erst an die Bürgerinnen und Bürger zu bringen. Wenn wir hier im Landtag tagen, dann können sich ja nicht 18 Millionen Menschen, die in Nordrhein-Westfalen leben, parallel zu der Sitzung dazuschalten, geschweige denn, dass sie sich im Landtag aufhalten können. Das heißt, die Medien transportieren die Inhalte dieser Politik, sind Bestandteil einer lebendigen Demokratie, und als Politiker muss man sich dem auch stellen. Wir brauchen also die Medien, um das zu transportieren, was wir sagen wollen.
   Zugleich müssen wir dann allerdings auch damit leben, dass die Medien das, was wir sagen, manchmal sehr kritisch - oder schlimmstenfalls gar nicht - beleuchten. Das gehört zusammen.

Können Sie sich ein Leben ohne Politik vorstellen?

Unbedingt. Ich habe es vorhin schon gesagt: Mandate werden auf Zeit vergeben. Die muss man sich immer wieder neu verdienen. Das ist eine sehr interessante, sehr spannende Zeit. Ich kann zurzeit als Fraktionsvorsitzender der FDP Nordrhein-Westfalen mitgestalten; wir regieren Nordrhein-Westfalen seit drei Jahren. Aber ich bin mir sicher: Ich werde ein genauso zufriedenes, erfülltes Leben auch noch führen, wenn ich eines Tages aus dem Parlament und aus der aktiven Spitzenpolitik ausgeschieden bin.

Kirche und Politik

Ein ganz anderes Thema: Kirche und Politik - Wie passt das zusammen?

Nun, das passt sehr gut zusammen. Zum einen ist Deutschland ein Land in christlich-abendländischer Tradition, die ganz wesentlich zu unserer demokratischen und politischen Kultur beigetragen hat. Und im Übrigen sind die Kirchen sehr wichtige Interessengruppen, die viele Millionen Menschen vertreten. Deshalb sind sie sehr wichtige und ernst zu nehmende Gesprächspartner.

Inwieweit dürfen sich Kirchenvertreter dann konkret in die Politik einmischen? Nehmen wir beispielsweise als aktuelle Fälle die Krippenpolitik oder die Stammzellenforschung.

Es ist wichtig, dass sich die Kirchen in die Politik einmischen. Sie tun das ja auch, indem sie gerade mit Blick auf ethische Fragen - Sie haben es angesprochen: Stammzellenforschung - ihre Positionen vertreten. Allerdings müssen natürlich auch die Vertreter der Kirchen damit leben, dass es, wenn wir bei dem Beispiel der Stammzellenforschung bleiben, auch andere Positionen gibt, die wir letztlich als Parlamentarier verantwortlich miteinander abwägen müssen.

In diesem Zusammenhang eine eher intime Frage: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Sie sagen es: Es ist eine intime Frage. Und deshalb werde ich die Antwort darauf auch nicht in ein Mikrofon sprechen.

Immerhin sprachen Sie aber eben von einer christlich-abendländischen Tradition. Deshalb frage ich mal so: Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dieser Tradition für Ihre konkrete politische Arbeit?

Diese christlich-abendländische Tradition ist das Fundament, auf dem wir stehen. Wenn man sich überlegt, dass beispielsweise der Ansatz, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben, ja christlichen Ursprungs ist, aus der Bergpredigt kommt, dann tun wir sehr gut daran, diese christliche Tradition auch zu berücksichtigen. Darüber hinaus muss man bedenken, welche Bedeutung kirchliches Engagement auch in der Tagespolitik hat. Prinzipiell ist es ein sehr positives Engagement. Gerade die Kirchen begeistern viele, binden auch Millionen Menschen im ehrenamtlichen Engagement, ohne das eine freiheitliche Gesellschaft nicht existieren kann.

Visionen

Brauchen Politiker Visionen?

Ja, ich meine schon.

Frisst der politische Alltag diese Visionen auf?

Die Gefahr besteht; das ist gar keine Frage. Und das ist immer wieder eine Herausforderung, dass man im tagespolitischen Klein-Klein den Blick auf die eigenen Ziele und sogar auf die eigenen Visionen nicht verliert.

Angenommen, es gäbe die berühmte Fee, und Sie hätten einen (aber wirklich nur einen!) politischen Wunsch frei: Welches Ziel würden Sie sofort verwirklichen?

Ich möchte, dass so viele Menschen wie möglich ein glückliches, zufriedenes Leben führen können.

Das Interview wurde am 20.9.2008 in Düsseldorf geführt. Die Fragen stellten Anna Carla Kugelmeier, Sebastian Rabe und Lea Brohsonn.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2005-2010

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