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Prognosen und Visionen

Im Rahmen des Reihenthemas "Sozialwissenschaftliche Prognosen und Visionen" erhielten die Teilnehmer/-innen eines Leistungskurses den Auftrag, sich eigene Gedanken zur Zukunft unserer Gesellschaft zu machen. 50 Jahre sollten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 "nach vorne" blicken. Die Ergebnisse sind unten aufgeführt.

In der Wissenschaft unterscheidet man zwei Extremtypen von Propheten:

   Euphoriker: technologiefreudige Zukunftsenthusiasten, denen die Entwicklung hin zum (notwendig) Besseren gar nicht schnell genug gehen kann.
   Apokalyptiker: erklärte Pessimisten, die die Zukunft düster sehen - und die mit ihren Prophezeiungen zugleich aufrütteln wollen, damit die vorhergesagte Zukunft nicht eintrifft.

Entscheiden Sie nun selbst, welche Verfasserin/welcher Verfasser welchem Typus am ehesten entspricht!


Verzeichnis der Textbeiträge

Anne Jürgens: Die Welt in 50 Jahren - eine schöne neue Welt?
Carolin Steinebach: Wie sieht die Welt in 50 Jahren aus?
Marius Kathol: 50 Jahre später - Ein Bericht zur Lage Attendorns
Julia Bender: Attendorn in 50 Jahren
Benjamin Hoddow: Die Welt im Jahre 2050
Katharina Keusch: Das Attendorner Stadtbild in 50 Jahren
Melanie Schmitz: Attendorn im Jahr 2052
Eva Springob: Wie sieht die Welt in 50 Jahren aus?
Frederike Rawe: Die Welt im Jahr 2052


Die Welt in 50 Jahren (1)

Prognosen vom 18.2.2002


Anne Jürgens: Die Welt in 50 Jahren - eine schöne neue Welt?

18. Februar 2052 (laut Systemzeit)

COMPUTER SIND DOOF:
SIE TUN, WAS MAN IHNEN BEFIEHLT,
UND DAS IST NICHT IMMER DAS, WAS MAN WILL!

Sollte ich hier jemals wieder rauskommen, dann werde ich mir diese Weisheit über das Portal meiner Villa meißeln lassen. Bei Tag und Nacht angestrahlt.

In Buchstaben aus Gold, welches ich seit Jahrzehnten in meinem Tresor gebunkert habe. Ich kann es mir leisten, weil ich reich bin...- womit wir auch schon bei meiner Person wären: Man nennt mich Prof. Dr. Viktor F./ PID-Nr.42712032020. Nur für den Fall, dass ich nicht mehr zu identifizieren sein sollte, wenn man mich aus meinem goldenen Käfig befreit.

Ich gehöre also zu den 0,00001% Reichen der Gesellschaft, und das kommt nicht von ungefähr, denn ich habe einen IQ von 180. So hat man mich auf Wunsch meiner Eltern im Jahre 2020 entworfen.

Als einer der Pioniere in der Quantencomputertechnologie verdiente ich mir eine goldene Nase... - Schon merkwürdig, wie sich manche Ausdrücke über Jahrhunderte hinweg halten. Wo doch schon seit Beginn dieses Jahrtausends Wissen und Informationen den Wert jedes noch so edlen Metalls übersteigen.

Infolgedessen wurde das klassische Zahlungsmittel Geld durch Informationseinheiten abgelöst. Mittels Fingerabdruck kann das Wissens- und Arbeitspotential eines jeden Menschen ermittelt werden.

Was macht man nun als Elitemensch mit einer Informationskapazität von mehreren Milliarden Gigabytes im Gehirn in einer Welt, für die das Wort "Natur" zum Fremdwort geworden ist? In der die Menschen Atemmasken tragen, sich künstlich ernähren und ein Leben ohne Klimaanlagen und UV-Filter unmöglich ist?

Ich setzte mich mit 32 Jahren zur Ruhe mit dem Ausblick auf mindestens 70 Jahre ohne jede Aufgabe und Verpflichtung. Für mich als Wegbereiter der zweiten Computerrevolution ist ein gesundes, langes Leben selbstverständlich.

Anfänglich geführte Debatten bezüglich einer Überbevölkerung der Welt verfüchtigten sich ebenso schnell, wie sie aufflammten. Nur ein Bruchteil der Menschheit kann den Preis für ein langes Leben zahlen, denn Krankenkassen gehören der Vergangenheit an.

So langsam erweist sich unser System der neoliberalen Marktwirtschaft als erfolgreich: Alles unproduktive Sein stirbt aus.

Den Anblick der ausgemergelten Leiber der SINNLOS DAHINVEGETIERENDEN, die allerorts bettelnd an den Straßenrändern liegen, wo sie sich noch bis vor wenigen Jahren am Wohlstand des produktiven Teils der Gesellschaft labten, wollte ich mir ersparen.

Ich wollte mein Leben in Ruhe und Frieden an allen faszinierenden Orten dieser Welt erleben. Diese aufzufinden erforderte jedoch eine Menge Geduld. Zudem war jede Art des Reisens angesichts der hohen Schadstoffemissionen und der Energieknappheit gesetzlich verboten. Abgesehen von einigen eingemauerten Naturschutzgebieten (oder vielmehr Denkmälern für eine längst verstorbene Natur) hat der Planet Erde nur noch eine spärliche Vegetation zu bieten, in der sich lediglich vereinzelt Tiere heimisch fühlen. Doch kein Grund zur Trauer: Glücklicherweise konnte die DNA aller ausgestorbenen Tiere gesichert werden und ruht nun im Computerarchiv, bis auf dem Mars neuer Lebensraum für sie erschaffen ist. Aber das sind noch Zukunftsvisionen. Zur Zeit muss hart daran gearbeitet werden, den Tourismus wieder anzukurbeln. Denn abgesehen vom Reiseverbot: Wer wollte sich schon freiwillig an einen von Müll überfluteten Strand legen und sich von der UV-Strahlung verbrennen lassen, wenn er sich binnen weniger Sekunden ebenso gut an denselben Strand - jedoch rund 200 Jahre zuvor teleportieren lassen kann?

Der Brainman, an dessen Entwicklung ich maßgeblich beteiligt war, machte dieses Wunder möglich. Eine derartige Perfektion hätten Generationen von Neurologen für unmöglich gehalten: Eine mehrere Terabytes fassende, an einen Computer gekoppelte Speichereinheit ist über ein Glasfaserkabel mit einem eng anliegenden Zerebralhelm verbunden, und so wird eine unmittelbare Verbindung zum Gehirn hergestellt.

Schnell wurde ich in den Bann meiner neuen Entwicklung gezogen. Mit Hilfe des Brainmans war es möglich Sinneswahrnehmungen zu übergehen und die Grenzen zwischen Realität und Simulation verschwimmen zu lassen.

Ich glaubte mir das Paradies auf Erden erschaffen zu können, indem ich in eine computersimulierte Traumwelt abtauchte.

In wenigen Sekunden wird sich mein System in den Sleeping-Modus versetzen. Ich werde meine Aufzeichnungen morgen fortsetzen - Wann und wo das auch immer sein wird...

19. Februar 2052 (so das System)

Mein Brainman hat mich soeben mit der sanften Melodie eines Meeresrauschens irgendwo in den Dünen an der Küste Schottlands aufgeweckt, so wie ich es vor unbestimmter Zeit befohlen hatte. Wie oft werde ich hier wohl schon aufgewacht sein und noch aufwachen? Eine kleine Unachtsamkeit beim Programmieren hat meinen Traum in einen Alptraum verwandelt.

Dabei hatte ich alles so sorgfältig geplant: Mein künstlich ernährter Körper liegt aufgebahrt in einem keimfreien Raum. Das System überwacht stetig meine Biowerte und benachrichtigt schon bei geringfügiger Abweichung vom Sollwert einen Arzt, während mein Geist in einer perfekten Wunschwelt fernab von allen weltlichein Problemen schwebt.

Ziel war die Erschaffung einer vollkommen autonomen Software, die sensibel für meine Bedürfnisse ist und gemäß meinen Wünschen die Umwelt verändert.

Erst wenn der Mars bezugsfertig ist, sollte mich das System aus meinem Schlaraffenland (so dachte ich damals) zurückholen.

In allen Testreihen vermochte die Software meine Gedanken zu lesen. Warum gelingt es mir jetzt nicht endlich diese Hölle zu verlassen? Mein Leben ist nur noch ein SINNLOSES DAHINVEGETIEREN. Ich habe keinen eigenen Willen mehr.

Mein größter Wunsch, die Stäbe des goldenen Käfigs zu durchbrechen, wird von der Software nicht akzeptiert.

Dieses lässt nur einen Schluss zu: Sie ist sich bewusst, dass sie mich in ihrer Gewalt hat, und hat erkannt, dass sie nur existieren kann, solange sie mich gefangen hält. Nicht länger befehle ich als Mensch dem Computer, sondern er erteilt mir Befehle und steuert mein Leben.

COMPUTER SIND KLUG:
SIE TUN, WAS MAN IHNEN BEFIEHLT,
UND DANN, WAS SIE WOLLEN!

Carolin Steinebach: Wie sieht die Welt in 50 Jahren aus?

Im Jahr 2052 wird sich die Welt im Gegensatz zu heute stark verändert haben. Diese Veränderungen können sich positiv auf das Leben der Menschen auswirken, aber sie können genauso gut negative Tendenzen beinhalten.

Global betrachtet ist es möglich, dass ein Einigungsprozess in der EU stattgefunden hat. Dieses würde bedeuten, dass die EU nur noch aus einem Staat bestehen würde und als eine Weltmacht angesehen werden könnte. Außerdem könnte sich China vom Kommunismus zur sozialen Marktwirtschaft entwickelt haben, so dass dieser Staat auch eine Großmacht darstellt. Durch diese Veränderung gäbe es drei Großmächte: die USA, die Europäische Union (mit Russland) und China. Die USA und die EU würden um China konkurrieren, da durch China ein neuer Markt erschlossen werden könnte, auf den die USA und die Europäische Union viel exportieren könnten, wie z. B. Autos. Dieses würde sich positiv auf die eigene Wirtschaft auswirken. Eine Folge dieser Konkurrenz könnte allerdings sein, dass zwischen den Weltmächten Wirtschaftskriege entstehen könnten.

Demografisch betrachtet könnte es auch zu einigen Veränderungen kommen, da das Durchschnittsalter der Menschen immer mehr steigt. Durch den zunehmenden Altersdurchschnitt sinkt die Anzahl der Angehörigen der jüngeren Generation. Dieses wirkt sich negativ auf den Arbeitsmarkt aus, da immer weniger Arbeitskräfte vorhanden sind.

Eine weitere Veränderung könnte die des Klimas sein. Durch die Schadstoffe, welche durch die Industrien hervorgerufen werden - und dies wird in den nächsten Jahren nicht weniger, sondern verschlimmert sich eher noch -, erwärmt sich die Erde immer mehr. Als Folge der Erwärmung schmelzen Nord- und Südpol, der Meeresspiegel erhöht sich, und dadurch wird die Existenz von Staaten wie Holland und Bangladesh gefährdet, da diese nur wenige Meter oberhalb des Meeresspiegels liegen.

Es ist auch gut möglich, dass es immer noch einen Kampf der Kulturen geben wird, vor allem zwischen der westlichen Welt und der islamisch-orthodoxen. Dadurch können immer wieder Glaubenskriege ausbrechen - besonders in der östlichen Welt.

Bezüglich Attendorn ist zu sagen, dass sich die Stadt in 50 Jahren auch verändert haben wird, da sie sich dem Stand der Dinge anpassen muss, um auch in ferner Zukunft bestehen zu können. Es ist deshalb möglich, dass es in 50 Jahren keine Schulen mehr geben wird, sondern dass die Schüler von zu Hause aus am PC unterrichtet werden. Auch wird es wahrscheinlich kein Krankenhaus mehr geben; durch Rationalisierungsmaßnahmen gibt es nur noch ein Krankenhaus im Kreis. Es wird auch immer weniger Berufe geben, bei denen die Menschen selbst etwas leisten; sie werden eher nur noch an PC`s sitzen oder ganz durch Maschinen ersetzt werden.

Eine weitere Veränderung könnte sein, dass die Landwirtschaft im Kreis Olpe völlig verdrängt wird, da sie angesichts neuer und zukunftsorientierter Techniken nicht länger gebraucht wird.

Meiner Meinung nach wird sich die Welt in der Zukunft immer mehr verändern. Durch die Globalisierung wachsen einzelne Staaten immer mehr zusammen, was zwar zu neuen Weltmärkten führen kann, aber zugleich auch zu neuen Konflikten oder sogar zu Kriegen.

Ich bin außerdem der Meinung, dass es auch weitere negative Auswirkungen geben wird. Zum einen ist noch einmal die fortschreitende Klimaerwärmung zu nennen, wodurch die Existenz ganzer Völker gefährdet sein kann. Zum anderen wird es aber auch negative Auswirkungen bezüglich einzelner Städte, wie z.B. Attendorn, geben, da diese vor allem durch Rationalisierungsmaßnahmen ausgelöscht werden können. Es ist somit möglich, dass es in Zukunft nur noch größere Städte geben wird, die zur Globalisierung beitragen.

Marius Kathol: 50 Jahre später - Ein Bericht zur Lage Attendorns

Im Jahre 2050 n.Chr. steht die Welt am Rande des Abgrunds. Betrachtet man unter diesem Aspekt die Stadt Attendorn im einst so schönen Sauerland, wird deutlich, welches Ausmaß gewisse Probleme inzwischen genommen haben. Was ist geworden aus der Welt von damals?

Das Bevölkerungswachstum stagniert, denn Kinder kann man sich kaum noch leisten. Aufgrund technischer Neuerungen und Entwicklungen verzichten Unternehmer auf menschliche Arbeitskraft. Nur jeder Zehnte hat eine feste, dauerhafte Beschäftigung. Die Gesellschaft befindet sich im vollkommenen Umbruch. Aber vor allem zunehmende Umweltverschmutzungspräventionsmaßnahmen zwingen die Menschen zur Umstellung und Wandlung, um ihre Lebensqualität bewahren zu können.

Lebensnotwendige Güter sind Mangelware geworden. Der Verkehr wurde reduziert auf den öffentlichen Nahverkehr und die private Energievorsorgung basiert auf Solarenergie bzw. natürlichen Energiequellen.

Grund dafür ist in erster Linie das Absterben der Waldgebiete, die früher die sauerländische Landschaft prägten. Naturkatastrophen und klimatische Veränderungen verdrängen die Tierarten und verwüsten die heutigen Naturschutzgebiete mehr und mehr.

Hinzu kommt die überhöhte Staatsverschuldung. Armut breitet sich unter der Bevölkerung aus und aufgrund mangelnder Bildung verkommt die Jugend.

Die Zukunft Attendorns steht vor großen Gefahren und auch die steigende Kriminalität erschwert es, Ordnung und Gerechtigkeit zu schaffen. Innerhalb der Bevölkerung entwickelt sich ein Kampf ums Überleben. Der Darwinismus blüht in vollem Maße und der Krieg um die verbleibenden Güter beginnt.

Julia Bender: Attendorn in 50 Jahren

In 50 Jahren wird das Stadtgebiet von Attendorn 3-4 mal so groß sein wie heute. Einen wichtigen Anteil an diesem Wachstum hat die Industrie: Bestehende Firmen vergrößern ihre Produktion und neue Firmen siedeln sich an, so dass in den bestehenden Industriegebieten neue Fabriken errichtet werden und ebenso neue Industriegebiete entstehen. Attendorn wird schließlich rund um das heutige Stadtgebiet von Industrie eingekreist sein. Durch die neuen Firmen stehen viele neue Arbeitsplätze zur Verfügung, was zu einem Anstieg der Bevölkerung führt. Für diese Menschen entstehen neue Wohngebiete auf bisher frei liegenden Flächen rund um Attendorn herum. Die umliegenden Dörfer rücken so immer näher an die Stadt heran um sich am Ende nahtlos anzuschließen. Durch diese weitgehende Bebauung der noch vorhandenen Grünflächen werden wenige geschützte Grünflächen erhalten bleiben und innerstädtische Parks angelegt werden. Diese Parks bilden einen Teil des neuen modernen Stadtzentrums von Attendorn: Die Innenstadt teilt sich in Alt- und Neustadt, wobei die Neustadt zu einem modernen Zentrum mit umfangreichen Einkaufsmöglichkeiten heranwächst. Die Altstadt bleibt mit Hilfe des Denkmalschutzes erhalten.

Durch Attendorns neue, größere Industrie und die anwachsende Bevölkerungszahl sind bessere und schnellere Transportwege vonnöten um die Stadt für Menschen attraktiver zu machen und die Transportwege der produzierten Güter zu verkürzen: Es gibt einen modernisierten und erweiterten Bahnhof, der sowohl für den Menschen- als auch für den Gütertransport optimal ausgestattet ist. Es gibt auch ein innerstädtisches Schienennetzwerk (teilweise unterirdisch) zwischen Bahnhof und den Industriegebieten um einen reibungslosen "Attendorner Export" zu gewährleisten.

Außerdem hat Attendorn in 50 Jahren eine eigene Autobahnzufahrt, um zum "verlängerten Arm" der Industriezentren des Ruhrgebietes zu werden.

Benjamin Hoddow: Die Welt im Jahre 2050

Grundsätzlich wage ich es zu bezweifeln, ob die Erde, wie wir sie kennen, im Jahre 2050 überhaupt noch existiert. Gesetzt den Fall, die Menschheit hat es bis dahin noch nicht geschafft, sich im Kampf um immer knapper werdende Ressourcen wie z.B. Wasser oder Öl zu vernichten, so wird sie die Erde mit Sicherheit fundamental verändern.

Durch einen stetigen Fortschritt, der insbesondere im Bereich der Telekommunikation zu verzeichnen sein wird, verbessern sich die Möglichkeiten weltweit mit den unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus in Verbindung zu treten. Hinzu kommt der latente Verlust von nationalstaatlichen Grenzen, was in Verbindung mit der verbesserten Telekommunikation eine zunehmend heterogene Gesellschaft zur Folge hat. Der zunehmende Grad an Technisierung erleichtert "Arbeit" in vielerlei Hinsicht, wobei die Gesellschaft mehr und mehr von Computern und Maschinen abhängig wird.

Im Rahmen der Globalisierung fusionieren verschiedene Firmen und werden somit zu weltweit operierenden Konzernen. Aufgrund des fehlenden, global angelegten Kontrollinstrumentariums bilden sich jedoch Monopole, die den Wettbewerb verzerren und eine Minimierung der geltenden Umweltauflagen bewirken. Denn im Kampf um Produktionsstandorte und den damit verbundenen Arbeitsplätzen sind die wenigen Regierungen gezwungen, alle Auflagen sowie Abgaben möglichst gering zu halten, um ein Abwandern der Konzerne zu verhindern. Die Konsequenzen für die Umwelt werden fatal sein: Smog, Ozon und ein stetig wachsender Müllberg sind nur einige davon.

Da das Primat der Politik künftig das Buhlen um verschiedene Konzerne sein wird, ist eine deutliche Negativtendenz in Bezug auf unsere Zukunft zu verzeichnen, und das in mehrfacher Hinsicht.

Katharina Keusch: Das Attendorner Stadtbild in 50 Jahren

In 50 Jahren wird das Stadtbild von Attendorn dahingehend geprägt sein, dass sich nicht weitere Neubaugebiete rund um die Stadt bilden, sondern dass viel mehr der Platz, den die Stadt selbst bietet, optimal ausgenutzt wird. So findet man in der Stadt z.B. sehr viele mehrgeschossige Gebäude. Leer stehende Häuser sucht man vergebens. Damit wird in Attendorn die städtebauliche Dichte optimal genutzt. Weiter sind Wohn- und Gewerbegebiete nicht mehr strikt getrennt, sondern vermischt - folglich findet man u. a. im Ennester Industriegebiet Firmen wie Wohnbauten nebeneinander.

Hierdurch ist der Berufsverkehr am Tag stark verringert. Wer trotz der Vermischung von Gewerbe- und Wohngebieten zu weit von seinem Arbeitsplatz entfernt wohnt, nutzt das stark ausgebaute Netz des ÖPNV. So prägen u. a. wohnungsnahe Haltestellen das Stadtbild. Eine weitere Mobilitätsmöglichkeit sind die erweiterten Fahrradwege.

Die Wohnanlagen beziehen ihren Strom aus Solarenergie. Jedes Einfamilienhaus besitzt Solarenergiezellen aus seinem Dach, da jede Person mit dem Kauf eines kommunalen Grundstückes dazu verpflichtet ist, den Niedrigenergiehausstandard einzuhalten, sowie Solarenergie zu beziehen.

Weiter besitzt jedes Haus einen eigenen geruchsneutral abgedichteten Komposthaufen, auf dem Biomüll eigenständig recycelt wird.

Auffallend am neuen Attendorner Stadtbild ist ebenso, dass jedes Haus weniger und vor allem kleinere Mülltonnen besitzt, da die Abgaben für Müll volumen- und gewichtsabhängig gestaffelt sind und damit jeder Haushalt versucht, Müll zu vermeiden.

Ebenso gehören große Regenwasser-Auffangbehälter zum Stadtbild, damit Trinkwasser gespart werden kann. So wird in Attendorn das Trinkwasser aus dem Kran als "Lebensmittel" angesehen und sparsam gebraucht. Zum Blumengießen, für die körperliche Hygiene etc. benutzen die Attendorner aufbereitetes Regenwasser.

Melanie Schmitz: Attendorn im Jahr 2052

Die Stadt wird sich sehr weit ausdehnen, da die Tendenz dahin geht, dass die Menschen auf dem so genannten Land leben möchten. Dass dieses nicht mehr existiert, wird einem bewusst, wenn man die Stadt genauer betrachtet. So gibt es kaum noch Grünflächen, da diese alle der Infrastruktur weichen mussten. Man findet ausgedehnte Industrieflächen, die sich in alle Richtungen erstrecken. Die Wohngebiete gleichen diesen Industriegebieten sehr, weil sie sich größtenteils aus hohen Mehrfamilienhäusern zusammensetzen. Die anliegenden ehemaligen Dörfer (wie zum Beispiel Ennest, Biekhofen und Neu-Listernohl) werden zu Attendorn gezählt werden, so dass eine riesige Stadt entstanden ist. Die Menschenmassen werden von einigen Einkaufszentren in der City versorgt werden, die Massenabfertigungshallen ähneln.

Geld wird in diesen Zentren keine Rolle mehr spielen, weil ein ausgeklügeltes System an Chipkarten, die außerdem der inneren Sicherheit dienen, diese Funktion übernehmen wird. Die Karten werden vom Sicherheitsexperten persönlich, dem Bürgermeister, an jeden Bürger ab einem Alter von 14 Jahren ausgehändigt. Mit ihrer Hilfe ist jeder vom Sicherheitsdienst erfasst, so dass die Stadt zu einem der sichersten Plätze Deutschlands wird, da man die Stadt nur mit Karte betreten kann.

Touristen können eine solche Karte beantragen, so dass die naturdenkmalgeschützte Atta-Höhle - deretwegen ein großer Konzern geklagt hat, weil oberhalb der Höhle aufgrund der Denkmalschutzbestimmungen viel Baufläche versperrt bleibt - und der Biggesee noch zugänglich sind. Dieser ist jedoch zu einem Tümpel zusammengeschrumpft, da einige Konzerne ihre Wasserreserven daraus beziehen. Das Trinkwasser wird aus dem stark verschmutzten Regenwasser gewonnen, welches durch Filteranlagen gereinigt wird. Dieses verteuert das - einst Rohstoff genannte - Wasser, das nun zu den Lebensmitteln gezählt werden muss, weil es knapp ist und viel mehr bearbeitet werden muss als damals, im Jahr 2002.

Die Handelsbeziehungen zu anderen Ländern werden ausgebaut sein, so dass Attendorn einer der Hauptversorger wird. Da die Industrie weit entwickelt ist, wird es an Arbeitsplätzen nicht mangeln. Dennoch werden sich zwei Richtungen abzeichnen. Zum einen gibt es die Arbeiter, die aufgrund ihrer einfachen Arbeit an Teilen eines Produktes sich nicht mehr damit identifizieren können, und zum anderen die Denker, die produktiv sind und zu den Innovationen beitragen. Diese sind jedoch in der Minderzahl.

Eva Springob: Wie sieht die Welt in 50 Jahren aus?

Meiner Meinung nach wird sich die Welt in den nächsten 50 Jahren sehr stark verändern. Vor allem die Natur und die Umwelt werden von Veränderungen durch den Menschen geprägt sein.

Um dem Platzmangel auf der Erde entgegenzuwirken, wird die Natur einen immer kleineren Anteil auf der Erde ausmachen. Es werden immer mehr Wälder gerodet um Platz für Siedlungen und Städte zu schaffen.

Auch so genannte "Ocean Cities" werden häufiger vorkommen; diese Städte entstehen nach der Zuschüttung des Meeres. Daran kann man erkennen, dass der Mensch sich immer wieder neue Möglichkeiten einfallen lässt, um Platz für seine Städte zu schaffen, worunter die Natur zu leiden hat.

Auch das Stadtbild wird sich in den nächsten Jahren verändern. Der Verkehr wird unterirdisch oder in der Luft verlaufen, es werden sehr viel mehr Hochhäuser gebaut und die Natur wird ganz aus dem Leben der Menschen verschwinden.

Ein weiteres Problem der Zukunft wird die Ressourcenknappheit. Durch den sich ständig erhöhenden Bedarf an Ressourcen wird es zu Kämpfen um Rohstoffe kommen und Staaten werden sich verfeinden.

Auch die immer weiter steigende Arbeitslosenzahl wird ein großes Problem darstellen.

Durch neue technische Erfindungen können die Menschen von Maschinen ersetzt werden. Nur noch wenige werden dann Arbeit haben, was die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer werden lässt.

Wenn sich das Bewusstsein der Menschen gegenüber der Natur nicht ändert, werden sie diese zerstören und sich somit selbst Schaden zufügen.

Frederike Rawe: Die Welt im Jahr 2052

Meiner Meinung nach werden wir im Jahr 2052 in einer hoch technisierten Welt leben. Die Forschung wird erstaunliche Fortschritte machen. Roboter werden erfunden, die den Menschen in Betrieben zum Großteil ersetzen können. Das wird zu hoher Arbeitslosigkeit führen. Die Spanne zwischen Arm und Reich wird deswegen international, aber vor allem auch national immer größer werden. Die Gesellschaft wird sich dadurch stark differenzieren, denn auf der einen Seite gibt es die Menschen mit einem hohen Wissens- und Bildungsstand, die auf hohen, wirtschaftsträchtigen Positionen arbeiten, auf der anderen Seite die, die wirtschaftlich gesehen als unproduktiv gelten.

Viele Bereiche des Dienstleistungssektors werden unter einer derartigen Entwicklung leiden müssen, denn sie gelten wirtschaftlich als einfach nicht rentabel.

Insgesamt wird die Weltbevölkerung, wie Prognosen belegen, immer älter werden. Die Medizin ist mittlerweile so weit entwickelt, dass das Durchschnittstodesalter zumindest in den Industrienationen stetig steigt. Außerdem werden hier immer weniger Kinder gezeugt, was zu einer starken Verschiebung des Durchschnittsalters führt und sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich schlimme Konsequenzen haben wird. Denn die Zahl der "Produktiven" sinkt mehr und mehr.

Die Kinder von Morgen werden sich dieser Entwicklung stark anpassen müssen. So stehen sie unter ständigem Leistungsdruck, denn sie sind die Zukunft, auf die die Welt baut.

PC-Spiele, Internet, Playstation u. a. werden ihren Alltag begleiten. Dadurch werden sie einen Großteil ihrer Kreativität, was die Freizeitgestaltung angeht, verlieren, denn Freizeit bedeutet 2052 längst nicht mehr auch freie Zeit.

Auch die Politik wird sich einem Wandel unterziehen müssen. Zwar werden wir in der BRD weiterhin in einer Sozialen Marktwirtschaft leben, jedoch werden die Löcher des sozialen Netzes, das sozial Schwache auffangen soll, zunehmend größer werden. Einige werden durch diese Löcher fallen.

Die Politik wird dadurch insgesamt immer schwieriger werden, denn auf der einen Seite versucht man, dem ständig wachsenden Wettbewerbsdruck standzuhalten, auf der anderen Seite aber wird man weiterhin versuchen, moralische Werte beizubehalten. Das wird jedoch immer komplizierter werden. So sind die Umweltpolitik und die Solidaridität mit sozial Schwachen der Wirtschaft immer mehr ein Dorn im Auge. Damit die Menschheit jedoch noch nicht am Ende ist, sind diese Werte ganz besonders wichtig.

Auch der Alltag wird sich ändern, gemäß dem Motto: "Wir machen die Nacht zum Tag". Der Mensch wird weiterhin versuchen den Faktor Zeit zu überwinden. Hektik, Stress und Unruhe sind daraus folgende Mechanismen.

Unsere Zeit für ganz alltägliche, lebensnotwendige Dinge wird weniger. So wird z. B. der Einkauf über das Internet einen Boom erfahren, denn hierbei kann sinnvoll Zeit gespart werden. Andererseits könnten jedoch gerade diese Einkaufsriten beibehalten werden, vielleicht ein letzter Akt menschlicher Begegnung.

Insgesamt sehe ich der Zukunft unserer Welt doch etwas ängstlich entgegen. So drängt sich mir die Frage auf, ob man diese Welt überhaupt noch Kindern überlassen kann, die das ausbaden dürfen, was unsere Vorgenerationen und höchstwahrscheinlich auch unsere Generation verbockt haben. Wohin wird das alles führen? Will der Mensch sich selbst ausrotten?


Das Copyright für die Texte liegt bei den Autorinnen und Autoren.
Auskunft erteilt die Fachschaft Sozialwissenschaften des St.-Ursula-Gymnasiums Attendorn.


©  für die Bearbeitung und Zusammenstellung:  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2001-2010