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Betriebswirtschaft

Die wirtschaftliche Lage des "Markant"-Betriebs

Aufgabe

  1. Analysieren Sie anhand der vorgegebenen Materialien die derzeitige Lage des "Markant"-Betriebs unter ökonomischen und sozialen Aspekten!
  2. Erörtern Sie, welche betriebswirtschaftlichen Maßnahmen angesichts der momentanen Situation bei "Markant" erforderlich sind! Berücksichtigen Sie hierbei vor allem Maßnahmen zur Steigerung von Produktivität und Wirtschaftlichkeit sowie geeignete Marketingstrategien!

Material

Die wirtschaftliche Lage des "Markant"-Betriebs

In einem ehemals sozialistischen Staat, der sich nach politischen Unruhen im Herbst 2001 nun in Richtung "Marktwirtschaft" umorientiert, werden in einem Betrieb Personenkraftfahrzeuge des Fabrikats "Markant" (im Volksmund liebevoll auch "Marki" genannt) hergestellt. Der bislang zentralverwaltungswirtschaftlich gesteuerte Betrieb will nun eine marktwirtschaftliche Unternehmenspolitik einleiten. Unter der Voraussetzung, dass ein überzeugendes betriebswirtschaftliches Konzept vorgelegt wird, stehen Kredite führender europäischer Banken zur Finanzierung dieser Unternehmenspolitik bereit.

Folgende Informationen über das "Marki"-Werk liegen vor:

Von den Konsumenten nachgefragte sowie tatsächlich gebaute und gelieferte "Markant"-Pkw
(in Stück pro Jahr)

Jahr 1998 1999 2000 2001 2002 2003
Nachgefragt 150 000 190 000 220 000 240 000 71 000 7 500
Tatsächlich
gebaut
65 000 65 000 64 000 66 000 49 000 11 000
Beschäftigten-
zahl
9 200 9 250 9 200 9 300 8 600 8 500

Die Beschäftigtenzahlen von 2002/2003 sind durch Abwanderungen von Mitarbeitern ins Ausland zu erklären. Zur Orientierung: In einem westlich-kapitalistischen Industriebetrieb wird eine Jahresproduktion von 65 000 vergleichbaren Kfz von etwa 2300 bis 3000 Beschäftigten erbracht.

Produktionsbedingungen

Eingeklemmt von Häusern und Straßen liegt das Hauptwerk in der Stadtmitte. Zur Zeit der Gründung, im Jahre 1896, mag der Standort einen Sinn gehabt haben, aber heute behindert die zentrale Lage die Produktion und die Anlieferung der Komponenten. Der fehlende Gleisanschluss erschwert den Transport der von außerhalb kommenden "Markant"-Fahrgestelle. Sie werden auf Spezialanhängern - jeweils zu sechst - durch die Stadt gefahren und dann von Hand in die Fertigung geschoben. Die Fertigungsmaschinen entsprechen dem technischen Stand der 60er Jahre. Montiert wird überwiegend per Hand. Fertige Komponenten, z. B. Getriebe, deponiert man dann wegen fehlenden Lagerraums neben der Montagehalle auf dem Hof; bei schlechtem Wetter werden sie mit Planen abgedeckt. Die Stimmung unter den Beschäftigten ist angespannt; sie klagen über zu viele Direktiven "von oben", über ineffektives Arbeiten, Leerlauf und Schlamperei. Viele Mitarbeiter werden zudem von Zukunftsängsten geplagt, da der "Markant" seit der Öffnung des zuvor weitgehend abgeschotteten Landes (2001) der Konkurrenz internationaler Produkte ausgesetzt ist, neben denen er kaum bestehen kann: Er wird seit 1972 technisch und optisch nahezu unverändert hergestellt.


Originaltext   -   ©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2003-2010
(in Anlehnung an einen Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Nr.45 [22.2.1990], S.17).