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Medienreaktionen

Siegener Zeitung vom 4.3.2006

Armut ist weiß - schwarz der Luxus

Gymnasiasten nehmen an Experiment teil: Wohlfühlatmosphäre kontra Leben am Minimum

Attendorn. Big Brother hält auch in Attendorn Einzug. Mit dem sozialwissenschaftlichen Experiment "Schwarzweiß" wird am St.-Ursula-Gymnasium die Konfrontation von Armut und Reichtum getestet. Vom 16. bis 21. März sind mehr als dreißig Schüler der 10. Klassen in der Aula der Schule eingeschlossen. Sie dürfen den Saal fünf Tage lang nicht verlassen.

  Versuchsgruppe
Die Teilnehmer der 10. Klassen des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums am Experiment "Schwarzweiß" sehen dem sozialwissenschaftlichen Projekt interessiert entgegen.
Einem Drittel von ihnen wird das nicht schwer fallen. Denn sie werden auf dem weißen Feld alles vorfinden, was man zum Leben braucht: reichlich Essen, gemütliche Wohnmöbel, Radio, Femsehen, Computer, eine großzügige Sanitäranlage mit 12 Duschen, einen Küchentrakt mit mehreren Kühlschränken und zwei Schlafräume. Sie können den Pizzaservice bestellen und Essen aus der Cafeteria ordern. Hinter Absperrgittem und Flatterbändern lebt der große Rest auf dem schwarzen Feld dagegen sehr kärglich. Anstelle von Möbeln gibt es Bananenkisten und lediglich eine Mini-Kühlbox (15 Liter). Die Lebensmittelvorräte sind sehr bescheiden. Es sind nur ein Raum, eine Toilette und eine Dusche vorhanden.

Schlafplätze müssen sich beide Gruppen selbst einrichten. Schlafutensilien und Hygieneartikel, Küchengeschirr und -besteck werden gestellt. Mitgebrachte Nahrungsmittel, Handys oder Unterhaltungselektronik werden auf dem weißen Feld deponiert und dürfen nur im Falle der Zuweisung für diese Seite benutzt werden. Denn der Clou ist: Keine[] der Versuchspersonen weiß vor Beginn des Experiments, ob [sie] zu den "Reichen" oder zu den "Armen" gehören wird. Das wird erst kurz vorher per Los entschieden, obwohl die meisten Interessenten in die Armut wollen. Mehr als 50 Bewerbungen gingen bei Lehrer Frank U. Kugelmeier ein, der das Experiment à la Big Brother auf den Weg brachte. Auch hier entschied das Los.

Nach der Auslosung ziehen die Schüler als Erkennungszeichen weiße oder schwarze T-Shirts an und gehen auf ihre Felder. Während der folgenden fünf Tage müssen sie sich dann auf dem ihnen zugewiesenen Bereich aufhalten und sich selbst organisieren. Zwischen den "Weißen" und den "Schwarzen" ist weder irgendwelche Kommunikation [sic!] noch ein Verleihen oder Schenken von Gegenständen gestattet. Bei Verstößen winkt eine Disqualifikation. Zur Mitte der Versuchszeit gibt es am Abend des 18. März einen Tausch, der ebenfalls ausgelost wird. Drei "weiße" Probanden gehen in die Armut, drei "schwarze" können dann den Luxus genießen.

Gegenstand des Experiments ist die Analyse gruppendynamischer Prozesse in der Konfrontation von Armut und Reichtum. Halten beide Gruppen durch? Wie kommen sie miteinander aus? Was empfinden die, die ständig die Reichen vor Augen haben, ohne an ihrem Reichtum teilhaben zu können. Und wie ist es umgekehrt, den Armen beim Hungern zuzuschauen? Auf diese und weitere Fragen soll das Experiment Antworten geben. Formal zielt das Vorhaben auf die Auseinandersetzung mit den Methoden der empirischen Sozialforschung (Laborexperiment, teilnehmende Beobachtung, offene und standardisierte Interviews während des Versuchs sowie im Anschluss).

Eine Betreuung während des Experiments ist jederzeit gegeben. Lehrer und Initiator Frank U. Kugelmeier ist ebenfalls rund um die Uhr vor Ort. Drei Oberstufenschülerinnen werden den Versuch beobachten und im Anschluss ihre Facharbeiten darüber schreiben. Auch die SZ wird das Szenario beobachten und berichten.

Das St.-Ursula-Gymnasium hat schon öfters durch interessante Aktionen auf sich aufmerksam gemacht, die im Unterrichtsfach Sozialwissenschaften gestartet wurden. Erst im Herbst landete das Team "Join Multimedia" im Rahmen des europaweiten Siemens-Wettbewerbs mit der multimedialen Präsentation zum Thema "Traumjob Politiker" auf Platz 1. In den Vorjahren erreichte die Gruppe mit den Themen "Helden auf Abruf" und "Projekt Erde 2093" jeweils den dritten Platz. Bei der "Mars-Mission" gaben sich 18 Jungen und Mädchen fünf Tage und Nächte der beklemmenden Atmosphäre eines dunklen, kalten [sic!] Kellers hin. Das Projekt "Bettelarm" führte die Teilnehmer in Fußgängerzonen, wo sie um Almosen bettelten. Drei Tage zusammen sitzen ohne ein Wort zu reden und ohne jegliches Unterhaltungsmedium war die Aufgabe für neun Teilnehmer im Konzept "Die Stummen".

Siegener Zeitung, Nr.54 (4.3.2006), S.10. - Richtig müsste der Titel natürlich lauten: "Armut ist schwarz - weiß der Luxus".


Sonntags-Anzeiger vom 5.3.2006

Arm und reich: Spannendes "Schwarzweiß"-Experiment in der Aula

Im Selbstversuch: Über 30 St.-Ursula-Schüler testen das Extreme

Die Meldung entspricht weitgehend der oben zitierten aus der Siegener Zeitung. Nur der Anfang bringt eine leichte Variante.

Attendorn. Big Brother in der Hansestadt: Mehr als 30 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen des St.-Ursula-Gymnasiums testen im Rahmen des sozialwissenschaftlichen Experiments "Schwarzweiß" die Konfrontation von Armut und Reichtum. Vom 16. bis 21. März sind sie in der Aula der Schule eingeschlossen und dürfen den Saal nicht verlassen. Fünf lange Tage und Nächte. [...]

Versuchspersonen in der Aula
Noch können alle Experimentsteilnehmer jeden Fleck der Aula begehen. Das ändert sich am 16. März. Dann gibt es schwarze Felder für die Armen und weiße für die Reichen.

Sonntags-Anzeiger vom 5.3.2006, S.22.


©  Marianne Möller (Siegener Zeitung/Sonntags-Anzeiger), Siegen 2006-2010

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