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Medienreaktionen

Westfalenpost vom 17.3.2006

Heimat aus schwarzen und weißen Feldern

Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn nehmen an einem spektakulären Experiment teil

Attendorn. Am St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn prallen in diesen Tagen zwei Welten aufeinander. "Schwarzweiß" heißt das sozialwissenschaftliche Experiment der zehnten Klassen und ihres Lehrers Frank Kugelmeier, das gestern Mittag begann und am Dienstagmorgen zu Ende geht.

  Hinter Gittern
Arm und reich ganz nah: Schüler aus dem schwarzen Feld blicken auf die Heimat der "weißen Schüler".
Die Idee des Projektes, die durchaus Parallelen zu einschlägigen Fernsehformaten wie Big Brother aufweist, ist relativ einfach: Die Aula der Schule ist in ein "schwarzes" und ein "weißes" Feld geteilt. Darauf finden sich drei Dutzend Jugendliche ein, fünf Tage und fünf Nächte lang, ohne Unterbrechung. Sie dürfen die ihnen zugewiesenen Felder nicht verlassen.

Im hinteren Teil der Aula machen es sich die "Weißen" bequem, zwölf Personen, denen es an nichts fehlt: Nahrungsmittel sind reichlich vorhanden; auf Wunsch gibt es zusätzliches Essen aus der Caféteria und vom Pizzaservice. Auch Unterhaltungselektronik (Computer, Video, Audio-Player), Handys, Regale, Tische, Stühle und eine Couchgarnitur, ein Küchentrakt mit Kühlschränken, zwei Schlafräume und großzügige Sanitäreinrichtungen gehören zum Inventar.

Im vorderen Teil der Aula, durch ein Absperrgitter getrennt, leben die restlichen Personen, die zwei Dutzend "schwarzen" Probanden - ausgestattet lediglich mit dem Notwendigsten: bescheidenen Essensvorräten, leeren Bananenkisten statt Möbeln, einer einzigen Toilette und nur einer Dusche. Fernseher, Radios, CD-Player und Handys fehlen hier ebenso wie die Möglichkeit, sich in einen "Nebenraum" zurückziehen zu können.

"Die Schüler, vor allem die in der schwarzen Gruppe, wollen ihre Grenzen testen", ist Lehrer Frank Kugelmeier überzeugt. Mit massiven Problemen rechnet er nicht: "Ich will ja nicht als Lehrer Quälix in die Geschichte eingehen."

Wie kommen die beiden Gruppen miteinander aus? Was empfindet man, wenn man ständig die Reichen vor Augen hat, ohne an ihrem Reichtum teilhaben zu können? Und wie ist es umgekehrt, den Armen beim Hungern zuzuschauen? Diesen und weiteren Fragen gehen die Initiatoren des Versuchs nach, darunter die Oberstufen-Schülerinnen Laura Dörken, Alexandra Schneider und Sandra Schulte, die das Verhalten der Probanden rund um die Uhr beobachten, um anschließend Facharbeiten über das Experiment zu schreiben.

Westfalenpost, Nr.65 (17.3.2006), S.PRE1_.


©  Hubertus Heuel (Westfalenpost), Hagen 2006-2010

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