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Medienreaktionen

Express vom 6.11.2006

Schule extrem

Kinder müssen um Jobs betteln, hungern und werden eingesperrt

Attendorn - Die Schüler sitzen an ihren Pulten, der Lehrer steht an der Tafel. So sieht normaler Unterricht aus - nicht aber bei Frank Kugelmeier. Er sperrt seine Schüler ein, lässt sie hungern, betteln und macht sie stumm. Nein, das sind keine Strafen, sondern freiwillige, ungewöhnliche Experimente. Schule extrem.

  Fotos © Udo Gottschalk und Frank U. Kugelmeier
Berichterstattung über "Bettelarm 3", "Schwarzweiß", "Mars Mission" und "Die Stummen".
Idyllisch liegt das St.-Ursula-Gymnasium am Hang vom sauerländischen Attendorn. Doch in der Schule werden extreme Projekte ausgeheckt. Sozialunterricht zum Mitmachen. Unter der Leitung von Frank Kugelmeier (48). Bessere Noten gibt es dafür nicht. Warum machen die Jugendlichen dann mit? "Man will schauen, was man alles schaffen kann", so Sandra (18). "Sie wollen ihre Grenzen kennen lernen. In der heutigen Zeit ist das für viele nicht möglich", erklärt Kugelmeier.

Vor wenigen Tagen schickte er seine Oberstufenschüler in die Kölner Innenstadt. Sie bettelten mit großen Plakaten um Jobs. [...] Doch dies ist nur eines der harmloseren Experimente. Im Frühjahr mussten die Schüler hungern. "Schwarzweiß" hieß das Projekt: 24 Schüler lebten fünf Tage auf engstem Raum - ohne Luxus. Nur durch ein Gitter getrennt von 12 anderen Schülern, die in Saus und Braus wohnten: getrennte Schlafräume, Pizza, Fernseher... Die Grenzen austesten. Für einige Schüler waren sie schnell erreicht. Aus Angst, dass das Essen nicht reicht, stiegen sie aus. [...]

Und das sagen Mütter dazu

"Ich habe bisher erst einmal erlebt, dass eine Mutter gegen die Teilnahme etwas hatte. So einen Quatsch sollte ihre Tochter nicht mitmachen. Nach dem Projekt war das Mädchen dann supertraurig, weil alle Mitschüler so davon schwärmten", so Kugelmeier. Sonst sind die Eltern begeistert. "Sehr lehrreich. Viele Probleme und Themen werden nur theoretisch vermittelt. So können sie es hautnah erleben", sagt Karin Doldi. "Ich hoffe, dass meine Kinder in einigen Jahren auch an einem solchen Projekt teilnehmen können. So können sie Grenzerfahrungen machen und sozialrelevante Themen besser begreifen", so Babette [Viegener].

Express, Nr.257 (6.11.2006), S.5 [gekürzt].


©  Rainer Nolte (Express), Köln 2006-2010

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