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Medienreaktionen

WDR-Fernsehen vom 16.3.2006

Fünf Tage Luxus und Armut

  Anmoderation
Michaela Padberg während der Anmoderation.
[Anmoderation im Studio:] Diskussionsstoff bietet auch wieder einmal das St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn. Nach dem Bettlerexperiment in der Fußgängerzone und den Schweigetagen begann heute ein neuer Versuch: fünf Tage Luxus und Armut in direkter Konkurrenz. 36 schwarz oder weiß gekleidete Schüler auf engstem Raum in der Aula: Für die Schwarzen gibt es nur das Nötigste, die Weißen schwelgen hingegen im Luxus. Ein Experiment, das es in sich hat.

[Bilder von der Aula (gezoomte Totale), vom Trenngitter, von der Auslosung.]

[Kommentar:] Eine Schulaula als Labor für ein psychosoziales Experiment. Ein Zaun, der die Reichen von den Armen trennt. Und 36 Umschläge mit Losen, die darüber entscheiden, wer zu welcher Gruppe gehört. Ein schlichter Zettel mit einem Satz darauf bestimmt, wer die nächsten Tage fernsehen, Pizza bestellen und telefonieren darf und wer mit Brot und Eintopf leben, mit 23 anderen eine Toilette teilen und auf engen Matratzenlagern schlafen muss. Trotzdem haben sich alle freiwillig gemeldet.

[Nah:]

Anna-Maria: Es war halt ganz interessant, weil: Die Schwarzen, die haben halt nichts, und die Weißen ... [ist] halt ganz interessant, den Schwarzen dabei zuzugucken, wie die in Armut leben - und wir haben dann ja halt alles.

Christoph: Ja, ich wollte neue Erfahrungen sammeln, mal gucken, wie das ist, arm zu sein, wenn man nichts hat.

Alisa: Dass ich vielleicht mal ohne MP3-Player und Computer leben kann. Und bei den Weißen: Ich hab zwar nicht damit gerechnet, dass ich bei den Weißen bin, aber es ist [jetzt] halt doch [so]...

[Impressionen aus dem weißen Bereich: Süßigkeitentüten, Fernseher, Sitzecke, Trenngitter.]

[Kommentar:] Und das ist vielleicht gar nicht so schlecht. Denn wer zu den Weißen gehört, kann sich freuen. Süßigkeiten sind hier nicht tabu, ein Fernseher ist vorhanden, und genächtigt wird in separaten Schlafräumen. Schon nach einer knappen Stunde wird klar: Leben im Luxus macht irgendwie Spaß.

[Nah:]

Madeleine: Also, ich bin ganz froh, dass ich weiß geworden bin, weil: Es ist schon ziemlich leer dahinten und chaosmäßig - und wir können hier alles machen, was wir wollen.

Johanna: Weil: Wir haben hier total viel Platz, wir haben super viel Essen, und die Armen hingegen, die besprechen halt gerade, wie viel sie am Tag essen dürfen und wer zu welcher Zeit duschen darf. Das ist halt bei uns überhaupt nicht.

[Beratungen der Schwarzen, Essensplan, Schwenk über den Bereich hin zum Trenngitter.]

[Kommentar:] Wer arm ist, muss sich eben gut organisieren, und darum hält man bei den Schwarzen ausgiebig Kriegsrat: Wie soll man mit den knappen Vorräten auskommen? Wer kocht? Wer wäscht ab? Und wer darf wann duschen? Langsam dämmert es den Ersten, auf was sie sich da eingelassen haben.

[Nah:]

Sarah: Jetzt, wo wir das Essen aufteilen müssen und einen Toilettenplan machen müssen und so, ist das schon alles nicht mehr so ganz lustig, finde ich.

Corinna: Ich glaub, dass es noch ein paar Reibungen geben wird, weil: Wenn man Hunger hat und nicht duschen kann und so, glaube ich schon, dass es da noch Probleme geben wird.

[Zoom vom schwarzen Feld hinauf zur Empore. Dort steht der Versuchsleiter mit Fotoapparat. Schnitt. Blick auf den Monitor des Fotoapparats (schwarzes Feld von oben). Anschließend Schülerinnen der 10. (!) Klassen mit Beobachtungsbögen auf der Empore.

  Versuchsleiter
Interview mit dem Versuchsleiter.
[Kommentar:] Aber das Ganze dient natürlich einem streng schulischen Zweck. Lehrer Frank Kugelmeier beobachtet das Experiment von oben, denn die Ergebnisse sollen im Unterricht ausgewertet werden. Auch Schülerinnen der Oberstufe werden später analysieren, wie ihre Mitschüler mit sozialen Spannungen umgehen.

[Nah, auf der Empore, unten im Hintergrund die beiden Felder mit Schülern.]

Kugelmeier: Wenn wir im Fernsehen Armut sehen, zum Beispiel in der Dritten Welt, ist das ja nah und gleichzeitig weit weg. Es ist im Wohnzimmer, aber gleichzeitig doch sehr weit weg. Wenn man Armut aber sozusagen live erlebt, und sei es auch nur durch einen Zaun oder durch ein Trenngitter, ist es ganz etwas anderes und man geht mit einem ganz anderen Eindruck wieder raus.

[Schwarze und Weiße am Gitter.]

[Kommentar:] Bis kommenden Dienstag müssen die Schüler mit der ungewohnten Situation fertig werden. Dann wird sich zeigen, wie sich der Konflikt zwischen Arm und Reich weiterentwickelt.

WDR-Fernsehen, "Lokalzeit Südwestfalen", 16.3.2006, 19.30 Uhr.


©  Mike Külpmann (WDR), Siegen 2006-2010

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