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Medienreaktionen

WDR-Fernsehen vom 18.3.2006

Tag drei beim Projekt "Schwarzweiß"

[Anmoderation im Studio:] Schwarz ist arm und weiß ist reich: Wie lebt es sich mit diesem Kontrast auf engstem Raum? Genau das versuchen Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn seit Donnerstag herauszufinden. Die Aula ist zweigeteilt. Die auf der einen Seite, die haben alles, und die auf der anderen eben nur das Nötigste. Heute ist Tag drei beim Projekt "Schwarzweiß", und wir wollen wissen, wie es den Zehntklässlern bis jetzt ergangen ist.

[Weiße beim Essen, Kartoffelschälen, Gurkenschneiden. Zwischendurch ein Blick auf eine Würstchendose. Anschließend Zoom über das Experimentalfeld aus der erhöhten Emporen-Perspektive.]

[Kommentar:] Was gibt es zu essen? Wer ist für's Kochen zuständig? Wie lange halten die Vorräte? Und wer weiß überhaupt, wie man einen anständigen Salat zubereitet? 48 Stunden harren die Schüler jetzt schon in ihrem freiwilligen Exil aus und alles scheint sich nur noch um das Eine zu drehen:

[Nah:]

Malte: Jetzt denkt man halt immer, wann die nächste Mahlzeit kommt und was man als Nächstes essen kann, was wir überhaupt noch da haben, wie das alles eingeteilt ist, ob das am Ende überhaupt funktionieren wird.

Miriam: Am Anfang dachten wir, dass wir nur zwei Brote für fünf Tage [hätten], und das einzuteilen war ein bisschen schwierig. Aber jetzt haben wir noch etws dazugekriegt, weil wir alle gemerkt haben, dass es dann doch ein bisschen wenig wurde.

Kevin: Ich denke eigentlich, dass das noch ganz gut weitergehen wird - außer halt mit dem Essen, wegen dem Brot, das ist ein bisschen wenig. Aber sonst sehe ich eigentlich keine Probleme.

[Schwarze beim Kartenspiel. Danach weiße und schwarze Probanden beim Spiel "durch den Zaun".]

[Kommentar:] Sonst ist in der armen Zone vor allem Zeit-Totschlagen angesagt. Das gute alte Kartenspiel feiert fröhliche Urstände, und gezockt wird über alle Barrieren hinweg. Was die Mitschüler schon vor zwei Tagen beobachteten, setzt sich heute fort: Wer Mangel leidet, zeigt mehr Solidarität mit der eigenen und sogar mit der anderen Gruppe.

[Schwenk vom Experimentalfeld hinauf zur Empore. Dort unter anderem Laura und Sandra. Kurzer Blick auf die Aufzeichnungen der Beobachter. Nah:]

  Sandra
Sandra gibt Auskunft.
Sandra: Dass die sich auch teilweise die Haare machen, die Mädels. Und gestern haben zum Beispiel alle zusammen ein Spiel gespielt am Zaun. Also, das war schon toll, die verstehen sich wirklich gut, und da gibt es auch ... was heißt "Neid" ... Die Weißen sagen immer, die Schwarzen würden ihnen leid tun. Aber ich glaub nicht, dass das wirklich so ist.

[Die Weißen beim Spielen.]

[Kommentar:] Was geht wirklich in ihnen vor, den Privilegierten, den Reichen mit den weißen T-Shirts, die separate Duschen, Schlafräume und Fernseher haben? Was bleibt übrig, wenn man sich nicht ständig ums Essen kümmern muss? Offenbar nicht viel.

[Nah:]

Alisa: Gestern waren so ein paar Stunden dabei, wo wir uns schon ziemlich gelangweilt und dann Fernsehen geguckt haben. Das ging eigentlich schon ganz gut.

Philipp: Dass, wie das schon gesagt wurde, hier die meisten eigentlich auch oft was alleine machen, und wenn wir da ins schwarze Feld gucken, die meisten halt alle zusammen irgendwelche Gesellschaftsspiele spielen.

Johanna: Weil die echt die ganze Zeit Hunger haben und nicht duschen können. Eigentlich bin ich ganz froh, dass ich weiß geworden bin.

[Neue Auslosung. Christof zieht ein Los.]

[Kommentar:] Aber dieses Glück ist vielleicht nur von kurzer Dauer. Lehrer Frank Kugelmeier lässt neue Lose ziehen. Zwei Schüler aus jeder Gruppe müssen die Fronten wechseln. Schon für den ersten zerplatzt der Traum von Pizza-Service und Kabelfernsehen.

Christof [liest seinen Loszettel vor]: Du wechselst!

[Johanna und Merlind während der Auslosung.]

[Kommentar:] Andere haben eine schwierige Wahl. Sie dürfen entscheiden, ob sie gehen oder bleiben wollen.

[Schülerinnen und Versuchsleiter im Dialog, halbnah.]

Kugelmeier: Wie hast du dich entschieden?

Johanna: Ja, ich würde gern hierbleiben.

Kugelmeier: Warum?

Johanna: Weil jetzt Alisa und Madeleine, mit denen ich gern zusammen bin, auch [hierbleiben] - und Philipp - und dann würde ich auch gern hierbleiben.

Kugelmeier: Okay.

[Schnitt.]

Merlind: Ich wechsle.

Kugelmeier: Das heißt, du kommst hierher...

Merlind: Ja.

Kugelmeier: Warum?

Merlind: Weil ich gerne was Anständiges essen wollte.

[Weiße und Schwarze beim Wechseln des Feldes.]

[Kommentar:] Und damit öffnet sich ein letztes Mal die Grenze zwischen Hungrig-Sein und Langeweile-Haben. Am kommenden Dienstag fängt der Alltag wieder an, denn ab acht Uhr morgens ist Unterricht angesagt.

[Abmoderation im Studio:] Und am Dienstag sind wir natürlich mit der Kamera wieder in Attendorn mit dabei.

WDR-Fernsehen, "Lokalzeit Südwestfalen", 18.3.2006, 19.30 Uhr.


©  Mike Külpmann (WDR), Siegen 2006-2010

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