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Medienreaktionen

RTL-Fernsehen vom 21.3.2006

Eine besondere Form von "Big Brother"

  Anmoderation
Anmoderation in "Guten Abend RTL".
[Anmoderation im Studio:] Es war mehr als ein ungewöhnliches Experiment, das rund 40 Schüler jetzt in Attendorn durchführten. Fünf Tage und fünf Nächte waren sie eingeschlossen in eine Halle. In der Mitte ein Zaun, der die Fünfzehn- bis Sechzehnjährigen in zwei Gruppen teilte: die Armen, die nichts haben, und die Reichen, die alles haben. Wie der spannende Versuch im Sauerland ausging: Ralf Dolgner über eine ganz besondere Form von "Big Brother".

[Weiße vor dem Fernseher, Schwenk hinüber ins andere Feld, wo die Schwarzen gerade "Kriegsrat" halten. Nahaufnahme Zaun. Anschließend: Blick in die Küche der Armen. Regal mit Dosensuppen.]

[Kommentar:] Die Reichen: das sind die Weißen - und die Armen, die sind in Schwarz gekleidet. Dazwischen steht ein Zaun. Zu essen haben die Armen im Zeitraum von fünf Tagen nur eine Wurst pro Schüler, einen Laib Brot für alle, ein wenig Reis, ein paar Dosen Eintopf.

[Schnitt: Küche der Reichen. Laura öffnet einen der drei Kühlschränke. Inhalt: Obst, Gemüse, Joghurt, Eier, Flaschen usw.]

Das reicht den Reichen natürlich nicht. Die Weißen haben mehr und qualitativ bessere Lebensmittel; zudem gibt es Cola und Säfte.

[Einsammeln der Handys.]

Zu Beginn des Experiments mussten die Armen auch noch ihre Handys abgeben. Und wie lebt es sich nun in ärmlichen Verhältnissen mit nur einer Schüssel Reis am Tag?

[Nah gezoomt: Julia mit einer Schüssel Reis:]

Julia: Ja, in den letzten Tagen war es auch nicht mehr, deswegen: Ich hab mich daran gewöhnt. Also, man kann sich ja vorstellen, dass es viel ist. Dann ist es eigentlich schon okay. Es ist heute das Erste, was ich esse.

[Beratungen der Schwarzen. Schnitt: Weiße am Esstisch.]

[Kommentar:] Über die Verteilung der knappen Lebensmittel wird bei den Schwarzen regelmäßig beraten. Bei den reichen Weißen hingegen wird dreimal am Tag getafelt, und das ohne Rücksicht auf die Vorräte und ohne Rücksicht auf die armen Zaungäste.

[Philipp und Kevin, nah:]

Philipp: Am ersten Abend saßen wir hier mit Pizza, [die] hatten wir uns bestellt, und Döner. Und dann saßen die Armen da und haben uns alle angeguckt, und da hatten wir natürlich alle [am] ersten Abend ein sehr schlechtes Gefühl.

Reporter: Aber nicht mehr lange...?

Philipp: Nach ein[ig]er Zeit hat sich das gelegt, weil sich die Armen auch daran gewöhnt haben, dass wir halt ein bisschen mehr haben als sie.

[Versuchsleiter beim Fotografieren im schwarzen Feld.]

[Kommentar:] Fünf Tage und Nächte werden die Schüler von ihrem Sozialkunde-Lehrer begleitet, ein Einsatz, den heutzutage nicht jeder Lehrer einfach so mitmacht.

[Nah:]

Kugelmeier: Ja, es macht natürlich Arbeit. Es ist natürlich in gewisser Hinsicht auch risikoreich. Ich glaub zwar nicht, dass sich jetzt hier alle die Köpfe einschlagen werden - oder würden -, aber es könnte natürlich immer mal was vorfallen.

[Zoom auf Sandra oben auf der Empore. Blick auf die Aufzeichnungen der Beobachterin.]

  Carolin
"Aussteigerin" Carolin im Interview.
[Kommentar:] Damit das nicht passiert, achten ältere Schüler zudem auf die Einhaltung der Regeln und notieren alle Vorkommnisse, denn die Armen betteln schon mal bei den reichen Weißen.

[Nah:]

Sandra: Regelverstöße haben wir halt schon wahrgenommen, zum Beispiel: Die Weißen haben Handys, die Schwarzen nicht. Dann hält ein Weißer das Handy an den Zaun und der Schwarze braucht nur das Ohr dran[zu]halten.

[Diverse Szenen (Totale bzw. nah) aus dem schwarzen Feld. Dann Caroline beim "Auszug" aus der Aula.]

[Kommentar:] Immer Hunger, ewig müde, nie richtig was los und kein Handy - das Armsein halten nicht alle aus. Von den vierzig Schülern sind fünf vorzeitig ausgestiegen, Carolin auch. Sie hat nach zwei Tagen komplett aufgehört.

[Nah:]

Carolin: Das ist ziemlich krass mit dem Essen halt. Es lag auch vielleicht gar nicht an dem Essen, dass es so wenig war. Ich meine: Man kam damit aus, man konnte damit schon überleben. Aber ich denke auch, wenn man die anderen gesehen hat, die Weißen, wie die gelebt haben, wie sie sich Essen bestellt haben oder wie die da ihren Spaß hatten, Fernsehen geguckt haben...

[Küche der Armen. Essensvorbereitungen.]

[Kommentar:] Für alle bleibt nach fünf Tagen im Armenhaus eine lehrreiche Erkenntnis.

[Nah, in der Küche:]

Stefanie: Man merkt schon, dass man manche Sachen nicht wirklich unbedingt braucht - Süßigkeiten und so, das ist eigentlich nicht nötig. Man kommt auch mit Brot mal zwischendurch aus; das schon.

[Blick in die Aula. Schild: "Hier endet das schwarze Feld."]

[Kommentar:] Arm und Reich haben sie jetzt kennen gelernt, und Reich-Sein, sagen sie, ist besser.

RTL West, "Guten Abend RTL", 21.3.2006, 18.00 Uhr.


©  Ralf Dolgner (RTL) unter Mitarbeit von Volker Wallmüller (RTL), Essen/Köln 2006-2010

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