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Medienreaktionen

NRW: Neues Lernen - Magazin vom 31.8.2006

Die Welt in Schwarz-Weiß

Schwarzweiß, so nannten die Schüler des Faches Sozialwissenschaften des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn ihr Experiment. Experimente im Fach Sozialwissenschaften?

  Alisa und Anna
Alisa und Anna: getrennt durch Gitter.
Was klassischerweise zum naturwissenschaftlichen Unterricht gehört, ist für die Sowis von St. Ursula eine gute Methode, um soziale Phänomene zu erforschen. Einmal schwiegen Schülerinnen für drei Tage, einmal setzten sich Schüler als Bettler verkleidet an den Rand der Fußgängerzone, um die Reaktion der Passanten zu testen. Mit dem Schwarzweiß-Experiment wollten die Schüler herausfinden, wie sich Armut und Reichtum auf das gesellschaftliche Miteinander in einer Gruppe auswirken. Zu diesem Zweck wurde die Sporthalle [sic!] kurzerhand in ein schwarzes und ein weißes Feld unterteilt, wobei das schwarze Feld der Gruppe der Armen und das weiße Feld der Gruppe der Reichen fünf Tage lang ohne Unterbrechung als Wohnort diente. Das Los entschied, wer sich welcher Gruppe anschließen musste. Erstaunlicherweise wollten viele Schüler in die schwarze Gruppe. Anna meint: "Die Herausforderung ist in der schwarzen Gruppe viel größer. Ohne Handy, ohne genügend Duschen, rationiertes Essen. Ich bin sehr neugierig darauf."

Futterneid

  Teilnehmer
Die Teilnehmer des Experiments.
Das Areal der "Weißen" war mit ausreichend Duschen und Toiletten, einer komfortablen Küche und variantenreichen Speisen ausgestattet. Zudem durften die Schüler dieser Gruppe ihre Handys benutzen. Ein TV-Gerät und Computer standen auch zur freien, dauerhaften Verfügung bereit. Die "Schwarzen" hingegen mussten sich mit 24 Leuten eine Dusche teilen und sich beim Kochen um einen kleinen Zweiplattenherd tummeln. Besonders viel zu essen gab es aber ohnehin nicht. Die Grundnahrungsmittel reichten für knapp fünf Tage, vorausgesetzt, alle hielten sich an die Rationierung. Das war aber nicht immer der Fall, so dass die Lebensmittel nach wenigen Tagen sichtlich spärlicher wurden. "Und obwohl wir nicht wirklich hungern mussten, war das schon ein blödes Gefühl zu sehen, dass die anderen die ganze Zeit über leckere Sachen essen konnten", fasst eine Schülerin ihre Erfahrung mit rationiertem Essen zusammen. Besonders gemein wurde es, wenn sich die "Weißen" per Handy Pizza bestellten. Von Handys und anderen Kommunikationsmitteln mussten sich die Schüler vor ihrem Einzug ins schwarze Areal selbstverständlich verabschieden. Diese Trennung wurde für viele Teilnehmer zu einer weiteren schweren Probe.

Gute Aussichten auf das weiße Areal

  An der Grenze
Ein Schüler an der Grenze von Schwarz zu Weiß.
Die beiden Gruppen wurden durch Gitter getrennt, hatten aber jederzeit eine gute Sicht auf die Ereignisse in der Nachbargruppe. Die "Schwarzen" konnten also gut sehen und riechen, wenn es drüben etwas Köstliches zu essen gab. "Einige der 'Weißen' sind dann schon zum Gitter gekommen und haben gesagt, dass sie sich jetzt was Leckeres machen. Da wird man schon neidisch", meint ein Mädchen. Auch die begrenzten Duschmöglichkeiten wurden als sehr unangenehm beurteilt und im Gegenzug von den "Weißen" besonders geschätzt. Aber der Neid der armen "Schwarzen" auf die reichen "Weißen" hielt sich trotz des besseren Lebensstandards auf der anderen Seite in Grenzen. "Wir haben hier wirklich Spaß und entwickeln ganz neue Ideen, statt immer nur am Computer zu sitzen oder TV zu schauen", erzählen zwei Schülerinnen.

Arm sein bedeutet also nicht unbedingt, dass man schwarz sehen muss.

Ihre Erfahrungen haben die Schüler und Schülerinnen online dokumentiert.

NRW: Neues Lernen - Magazin (Online) vom 31.8.2006.
URL: http://www.nrw-neueslernen.de


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