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Lehrplanbezug

Ein Versuch wie "Schwarzweiß" rechtfertigt sich schon deshalb, weil die darin angesprochene Problematik - soziale Ungleichheit - zum unmittelbaren Lebenskontext der Schülerinnen und Schüler gehört. Zu nennen sind hier nur die Stichworte Hartz IV, Massenarbeitslosigkeit, Gesundheitsreform, "Rentenlücke" oder auch "Boat People" vor südeuropäischen Küsten.

Schwarzweiß "Soziale Ungleichheit" ist aber zudem, so etwa der Soziologe Ralf Dahrendorf, auch das Thema des Faches Sozialwissenschaften schlechthin [1], das sich dementsprechend seit Jahrzehnten in den Lehrplänen niederschlägt. Exemplarisch seien hier nur die curricularen Bestimmungen des Landes Nordrhein-Westfalen genannt.

So finden sich dort etwa für die Sekundarstufe I in der Rahmenvorgabe Politische Bildung [2] gleich zwei Bezüge zum "Schwarzweiß"-Projekt: Problemfeld 7 ("Soziale Gerechtigkeit zwischen individueller Freiheit und strukturellen Ungleichheiten", insbesondere der Aspekt "Die Verteilung von Chancen und Ressourcen in der Gesellschaft", vgl. S.22), ferner Problemfeld 6 ("Identität und Lebensgestaltung im Wandel der modernen Gesellschaft" und hier vor allem der Aspekt "Chancen und Gefahren von Gruppenprozessen", ebd.).

Auch die Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II (Sozialwissenschaften in Gymnasium/Gesamtschule) [3] sehen die Beschäftigung mit der "sozialen Ungleichheit" (Inhaltsfeld V, vgl. S.16 bzw. 24ff) sowie mit dem "Rollenhandeln" (Inhaltsfeld II, vgl. S.16 bzw. 19f) vor.

Methodisch deckt das Projekt ein breites Spektrum an Aspekten ab. So sind zum Beispiel alle vier in der Rahmenvorgabe Politische Bildung genannten methodischen Bereiche berücksichtigt (Gewinnen, Analysieren und Interpretieren von Daten, Aussagen und Zusammenhängen, produktionsorientiertes Gestalten und Präsentieren, simulatives Handeln und Erfahren, reales Handeln und Erkunden, vgl. S.29-31).

Mit Blick auf die Oberstufen-Richtlinien verweist das Projekt auf das Methodenfeld 3 ("Umgang mit empirischen Verfahren"), hinsichtlich der Endprodukte - Internet-Dokumentation, Film - auch auf das Methodenfeld 1 ("Arbeitsweisen zur Gewinnung, Verarbeitung und Darstellung von Informationen", hier vor allem auf den "produktiv-gestaltende[n] Umgang mit neuen Medien", vgl. S.28).

Zielsetzungen

Inhalte

Im Gegensatz zu den meisten empirischen Untersuchungen zur sozialen Ungleichheit, die makrosoziologisch ansetzen (vgl. etwa den Armutsbericht der Bundesregierung), ist das "Schwarzweiß"-Experiment bewusst mikrosoziologisch ausgerichtet. Konkret geht es dabei inhaltlich um Antworten auf folgende Fragen:

Methoden

Formal zielt das Vorhaben in der Auseinandersetzung mit den Methoden der empirischen Sozialforschung (Laborexperiment, teilnehmende Beobachtung, offene und standardisierte Interviews) auf die Beantwortung der folgenden Fragen:

Medienerziehung

Neben den fachlichen verfolgt das Projekt auch mehrere medienpädagogische Ziele:

Erstens greift das Experiment Motive der letzten "Big Brother"-Staffel auf. Dadurch können die Versuchspersonen, statt die Ereignisse lediglich am Bildschirm zu verfolgen, selbst einmal in die (zweifelhafte) Rolle von "Container-Fernsehstars" schlüpfen und deren unspektakulären Alltag nachvollziehen.

"Big Brother"-Atmosphäre stellt sich - zweitens - auch insofern ein, als das Experiment von Mitschülerinnen und Mitschülern der Probanden ausgiebig beobachtet und dokumentiert wird. Acht Kameraleute und ebenso viele Fotografen sowie mehrere Protokollanten sind in wechselnder Besetzung unterwegs, um die Geschehnisse detailliert aufzuzeichnen. Die Probanden lernen auf diese Weise, sich "vor der Kamera" zu bewegen und Auskunft zu geben; die Beobachter üben sich im reflektierten Umgang mit der Foto-, Video- und Audiotechnik.

Dass "Schwarzweiß" ein mediales Ereignis ist, ergibt sich - drittens - nicht zuletzt aus der Zusammenarbeit mit Presse, Hörfunk und Fernsehen. WDR und RTL berichten in mehreren Sendungen; zum Abschluss steht sogar ein Live-Gespräch im WDR-Studio Siegen auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler werden so unversehens tatsächlich zu "Fernsehstars", was ihnen genügend Gelegenheit bietet, die Ambivalenz "medialer Berühmtheit" zu reflektieren, nämlich einerseits im Rampenlicht zu stehen, "bekannt zu sein", andererseits sich in diesem Rampenlicht aber keinerlei Fehler erlauben zu dürfen.

Vor diesem Hintergrund liefert das Experiment auch Antworten auf einige medien- bzw. kommunikationswissenschaftliche Fragen:


[1] "[Die Frage nach der sozialen Ungleichheit war] historisch die erste Frage der soziologischen Wissenschaft [...]. An Hand der verschiedenen Versuche, sie zu beantworten, könnte man eine ganze Geschichte des soziologischen Denkens schreiben". - Ralf Dahrendorf: Über den Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen (1961). In: R. D.: Pfade aus Utopia. Zur Theorie und Methode der Soziologie. München 1974. S.353f.

[2] Rahmenvorgabe Politische Bildung. Heft 5000. Hrsg. vom Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Frechen 2001.

[3] Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II - Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen: Sozialwissenschaften. Heft 4717. Hrsg. vom Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Frechen 1999.


©  St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2006-2010

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