Politiklabor - Simulation von Strategien zur Eindämmung von COVID-19

Ben Vermeulen, Andreas Pyka, Matthias Müller - Universität Hohenheim
Frank U. Kugelmeier - St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn
Version 3.05
(03.11.2020)

Auswahl

Politiklabor A (Standardprogramm mit Datenmonitor)
 
Politiklabor B (Standardprogramm ohne Datenmonitor)
 
Politiklabor C (Programm mit reduzierten Einstellmöglichkeiten)
 
 
Politiklabor-Handbuch
 
Kurzhilfe zum Datenmonitor
 
 

Weltumspannende Seuchen wie die COVID-19-Pandemie stellen die politisch Verantwortlichen vor große Herausforderungen. Hierbei stehen existenzielle Fragen zur Diskussion: Ist es zum Beispiel sinnvoll, in der Hoffnung auf einen bald entwickelten Impfstoff sozusagen um jeden Preis die Verlangsamung der Infektionsraten zum obersten Ziel zu erklären - oder erscheint im Gegenteil eine Strategie der schnellen Durchseuchung zielführender, um auf diese Weise so bald wie möglich eine breite Immunisierung der Bevölkerung herzustellen?

Auch jenseits dieser beiden Grundsatzpositionen stellen sich viele Fragen: Welche Maßnahmen sind - technisch und auch psychologisch gesehen - überhaupt geeignet, eine Verlangsamung der Infektionen zu fördern? Genügen freundliche Hinweise auf regelmäßiges Händewaschen, Maskenpflicht und Abstand-Halten? Oder muss die "soziale Distanzierung" der Menschen durch Einreiseverbote, Schul- bzw. Betriebsschließungen und/oder Ausgangssperren rigide durchgesetzt werden? Und wie hoch ist in diesem Fall der Preis für das komplette Herunterfahren der Wirtschaft? Liegt der Schaden hier möglicherweise über dem, der durch das Corona-Virus selbst angerichtet wird? - Umgekehrt: Wie viele Tote ist eine Gesellschaft bereit - im wahrsten Sinne des Wortes - in Kauf zu nehmen, nur um die Wirtschaft in Gang zu halten? Wer zählt letztlich mehr: der Mensch oder der Markt? Und wie will man mit den sozialen Umruhen umgehen, die sich aus einem Massensterben ergeben können?

Hinzu kommen Fragen ganz praktischer Art: Ist das bestehende Gesundheitssystem überhaupt in der Lage, eine größere Zahl von COVID-Patienten aufzunehmen? Wie begegnet man den durch Schulschließungen verursachten Bildungsdefiziten? Und wie fängt man Menschen auf, denen durch Betriebsschließungen oder durch COVID-bedingte Erkrankungen die Lebensgrundlage entzogen worden ist?

All diese Fragen stehen miteinander in komplexer Wechselwirkung. Das heißt jedoch nicht, dass sie nicht zu beantworten wären. Mit Hilfe moderner Computersimulationen kann man auch - und gerade - komplexe Systeme gut beschreiben; und aus den gewonnenen Daten lässt sich ein Gespür für die scheinbar unberechenbaren Entwicklungspfade dieser Systeme ausbilden.

Hier kommt das vorliegende Politiklabor ins Spiel. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Multi-Agenten-System: Auf einem Simulationsfeld bewegen sich viele kleine computergenerierte "Agenten", die mit verschiedenen "menschlichen" Eigenschaften ausgestattet sind und aus deren "Verhalten" man Rückschlüsse auf bestehende, reale Gesellschaften ziehen kann. Wie sich die Agenten verhalten, hängt von den Stellschrauben ab, an denen man in dem Programm drehen kann. Das Politiklabor bietet mehr als sechzig solcher Stellschrauben und Schalter, die dazu dienen sollen, verschiedene politisch-ökonomische Maßnahmen und deren Auswirkungen (unter definiert unterschiedlichen Annahmen) virtuell zu testen, bevor man sie womöglich in der Realität an echten Menschen "testet".

Das Politiklabor-Szenario generiert zu diesem Zweck eine typische europäische Stadt mit den üblichen Aufenthaltsmöglichkeiten - Arbeits- und Freizeitstätten, Supermärkten, Schulen sowie Wohnvierteln. Die Bewohner der Stadt führen ein ganz normales Leben, das einem einfachen kalendarischen Rhythmus folgt. Morgens gehen die Erwachsenen zur Arbeit in ihre Büros und Fabriken, die Kinder gehen in die Schule, nachmittags zum Sport. In den Einkaufszentren nimmt der Betrieb in den Nachmittagsstunden ebenfalls stark zu. Am Wochenende werden die Geschäfte in größerem Umfang frequentiert; zudem trifft man sich hier in Freizeiteinrichtungen und auf Großveranstaltungen.

An all diesen Orten finden in erheblichem Umfang soziale Interaktionen statt. Für ein Virus wie das hoch ansteckende Corona-Virus sind das ideale Ausbreitungsbedingungen. So lässt sich dann auch auf dem Bildschirm gut beobachten, wie sich nach und nach ein großer Prozentsatz der Menschen infiziert und teilweise schwer erkrankt oder gar verstirbt. Die Krankenhauskapazität der Stadt ist begrenzt, so dass die Sterbefälle mit dem Überschreiten der Kapazitätsgrenze zunehmen. Das Virus verschwindet nach einer gewissen Zeit zwar auch ohne ein Eingreifen, und die überlebenden Stadtbewohner haben eine Immunität entwickelt. Es sind dann jedoch viele Verstorbene zu beklagen.

Um diese hohe Mortalität zu verhindern, kann in die beobachtete Entwicklung eingegriffen werden. So ist es möglich, die Gesundheitspolitik neu zu gestalten; Infizierte können in häusliche Quarantäne geschickt werden; mit gesundheitlicher Aufklärung lassen sich die Hygienebedingungen verbessern. Auch in die Bettenkapazität der Krankenhäuser lässt sich investieren. Sicherheitshalber können Betriebe und Schulen teilweise oder ganz geschlossen bleiben.

Alle getroffenen Maßnahmen haben einen Einfluss auf die Anzahl der schweren Fälle und der Verstorbenen sowie auf die Länge und den Verlauf der Epidemie. Das Entscheidende ist in diesem Zusammenhang, dass sich sämtliche Maßnahmen in ihren Auswirkungen unmittelbar am Bildschirm ablesen und deshalb gegebenenfalls sogar noch während der laufenden Simulation korrigieren lassen.

Auf diese Weise bildet das Politiklabor ein effizientes sozialpolitisches Experimentalfeld zur (virtuellen) Bekämpfung von Seuchen wie der COVID-19-Pandemie.

Sie sind nun herzlich eingeladen, sich als Politikerin bzw. Politiker oder auch als interessierter Laie im Politiklabor der Herausforderung eines umfassenden Pandemiegeschehens zu stellen und - sei es planerisch, sei es durch Versuch und Irrtum - angemessene Lösungen zu entwickeln. Spielen Sie verschiedene politische Entscheidungen durch, ohne das Risiko massiver negativer Auswirkungen auf eine reale Bevölkerung tragen zu müssen. Scheuen Sie sich dabei auch nicht, die Simulation hin und wieder spielerisch "vor die Wand zu fahren". Denn dies kann dazu beitragen, im "echten" Leben unzweckmäßige Entscheidungen zu vermeiden und stattdessen zielführende Maßnahmen herauszuarbeiten.

Viel Erfolg!

Politiklabor - Simulation von Strategien zur Eind├Ąmmung von COVID-19
Die Simulation ist in deutscher Sprache aufrufbar.

Policy Laboratory - A simulation of COVID-19 containment strategies
The simulation can be called up in English.

Laboratoire des politiques - Simulation de strat├ęgies pour contenir le COVID-19
La simulation peut ├¬tre appel├ęe en fran├žais.

Laboratorio de pol├şticas - Simulaci├│n de estrategias para contener COVID-19
La simulaci├│n se puede ver en espa├▒ol.

Laborat├│rio de pol├şticas - Simula├ž├úo de estrat├ęgias para conter a COVID-19
A simula├ž├úo est├í dispon├şvel em portugu├¬s.

Laboratorio politico - Simulazione di strategie per contenere COVID-19
La simulazione pu├▓ essere chiamata in italiano.

Beleidslab - Simulatie van strategie├źn voor de inperking van COVID-19
De simulatie is in het Nederlands op te roepen.

Laboratorium polityczne - Symulacja strategii powstrzymywania COVID-19
Symulację można wywołać w języku polskim.

Siyasi Laboratuvar - COVID-19'u i├žerecek stratejilerin sim├╝lasyonu
Sim├╝lasyon T├╝rk├že olarak ├ža─čr─▒labilir.

Politika Laboratorio - Simulado de strategioj por limigi COVID-19
La simulado estas alvokebla en Esperanto.